Janik Hafermalz kennt die grünen Seiten Heidenheims genau. Als Geschäftsbereichsleiter für Grünflächenpflege und -unterhaltung laufen bei ihm die Fäden zusammen. Sein Arbeitsplatz ist allerdings nicht zwischen Staudenbeeten und Blumenrabatten, sondern am Schreibtisch bei den städtischen Betrieben.
Wenn sein Telefon klingelt oder neue E-Mails eintreffen, weiß er oft schon, was ihn erwartet. Rund zehn Bürgerbeschwerden landen täglich auf seinem Tisch. Mal ist Gras zu lang, mal ragen Sträucher zu weit in eine Kreuzung. „Wir prüfen das und reagieren, wenn der Hinweis berechtigt war. Das ist ein Großteil meiner Arbeitszeit“, sagt Hafermalz.
Er selbst steht nicht mit Schere oder Spaten draußen. Seine Aufgabe ist es, den Überblick zu behalten, die Arbeit der Teams zu koordinieren und fachliche Akzente zu setzen. Acht Grünpflegetrupps mit meist jeweils vier Mitarbeitenden kümmern sich um festgelegte Gebiete im Stadtgebiet und kennen ihre Flächen genau. Wie diese Arbeit im Alltag aussieht, zeigt sich besonders im Brenzpark.
Der Brenzpark als tägliche Herausforderung
Die Anlage ist ein Aushängeschild der Stadt – und im Sommer eine besondere Herausforderung. Zwischen blühenden Stauden, gepflegten Rasenflächen und weitläufigen Wiesen entscheidet sich täglich, wie das Grün durch die heiße Jahreszeit kommt.

Vier Stadtgärtner kümmern sich hier ausschließlich um die Pflanzen, die Beete und das Jäten von Unkraut. „Das Unkraut wächst immer“, sagt Gärtner Konrad Hofelich, der zum Viererteam der Stadtgärtnerei gehört, das sich intensiv um den Brenzpark kümmert. Neben dem Gießen gehören Rückschnitte und Pflegearbeiten zum Alltag.
Wie die Pflanzen extreme Hitze überstehen
Der Arbeitstag beginnt im Sommer früh. Bereits um 6 Uhr sind die Gärtner unterwegs. Die kühleren Morgenstunden sind wertvoll – für die Mitarbeiter und für die Pflanzen. Denn Hitzeperioden setzen dem Park zu. „Wenn es über 30 Grad geht, ist es heftig“, sagt Hafermalz. Gerade die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie schnell Trockenheit zum Problem wird.

Wie viel Wasser im Brenzpark täglich verteilt wird, lässt sich nicht genau beziffern. Die Gärtner zapfen das normale Trinkwasser an verschiedenen Hydranten im Park an, Wasseruhren gibt es dort nicht. Sicher ist nur: Es sind große Mengen. Bis das Wasser tief genug in den Boden eingesickert ist, dauert es oft einen halben Tag.
Wenn Regen nicht mehr reicht
Ein kurzer Schauer bringe bei lang anhaltender Trockenheit kaum Entlastung, sagt Hofelich: „Wenn es extrem regnet, fließt das meiste Wasser oberflächlich ab und kommt gar nicht bei den Wurzeln an.“ Was die Pflanzen brauchen, ist kein kurzer Wolkenbruch, sondern lang anhaltender Landregen. Rund zehn Liter pro Quadratmeter wären ideal, möglichst regelmäßig und über Nacht. Bleibt dieser aus, reagieren Pflanzen mit einem natürlichen Schutzmechanismus. Sie ziehen ihre Energie in Wurzeln und Knollen zurück und werfen Blätter ab, um Wasser zu sparen.

Die Stadtgärtner erkennen solche Veränderungen bei ihren Rundgängen. Einen festen Bewässerungsplan gibt es nicht. Vieles entscheidet sich durch den Blick auf die Pflanzen. „Das sehe ich, wenn ich durchlaufe und schaue, welche Pflanze anfängt zu welken“, sagt Hofelich und zeigt auf einen solchen Bereich, der nicht mehr ganz so frisch aussieht.
Doch nicht jede welke Pflanze sei verloren. Manche sind mit ein bisschen Wasser gleich wieder frisch, manche ziehen sich nur zurück und treiben wieder aus, sobald die Bedingungen besser werden. Zu Hofelichs Lieblingsplätzen gehören die Staudenbereiche. Eine seiner Lieblingspflanzen sind Lilien, die er in vielen Farben gepflanzt hat.
Gepflegter Rasen oder wilde Wiese?
Beim Spaziergang durch den Brenzpark fällt ein Unterschied zwischen Bereichen mit und ohne Bewässerung sofort auf: Hier der kurz gemähte, bewässerte grüne Rasen, dort die höher stehenden extensiven Wiesen. „Das lassen wir stehen und mähen nur den Pflegestreifen außenrum“, sagt Hafermalz und deutet auf die Wiese in der Parkmitte, in der im Moment das rote Rosenband blüht, das in Richtung Schloss zeigt.

Der Unterschied ist Absicht. Während intensiv genutzte Rasenflächen nur wenigen Arten Lebensraum bieten, entwickeln sich auf den extensiven Wiesen viele verschiedene Pflanzen und Gräser. Dort wächst die Artenvielfalt. Und: „Da sind ganz viele Insekten drin“, sagt Hafermalz. Auf einem Quadratmeter dieser naturbelassenen Flächen können sich nach seiner Einschätzung bis zu 1000 Insekten tummeln. Auf einem intensiv gepflegten Rasen seien es dagegen nur wenige, maximal 300 vielleicht. Genau diese Vielfalt ist der Grund, warum nicht jede Fläche möglichst kurz und ordentlich gehalten wird. Gute Pflege bedeutet manchmal auch, etwas wachsen zu lassen.
Von der Parkidee bis zur Verkehrsinsel
Dieses Verständnis von Stadtgrün zeigt sich nicht nur im Brenzpark. Eine der sichtbaren Veränderungen, die Hafermalz gleich zu Beginn seiner Zeit in Heidenheim angestoßen hat, sind die Verkehrsinseln im Stadtgebiet.
Viele dieser Flächen stammen noch aus der Zeit der Landesgartenschau vor mehr als 20 Jahren. Bei der Erneuerung ging es nicht nur darum, neue Pflanzen einzusetzen. Die Grundlage wurde komplett verändert. Rund 30 Zentimeter Boden wurden ausgetauscht und durch spezielles Staudensubstrat ersetzt. Darüber schützt eine zehn Zentimeter dicke Mulchschicht die Pflanzen vor dem Austrocknen.

Statt kurzlebiger Wechselbepflanzungen setzt Hafermalz auf wissenschaftlich erprobte Staudenmischungen, die er einkauft. Der Gedanke dahinter: Die Flächen sollen attraktiv aussehen, möglichst wenig Wasser benötigen und gleichzeitig Insekten Nahrung bieten. Die Auswahl erfolgt nicht nach Zufall. Die Mischungen werden passend zum Standort zusammengestellt. Heimische Urformen wie die robuste Schafgarbe bringen Widerstandskraft mit, andere Arten sorgen dafür, dass die Blüte über viele Monate anhält.
„Die Mischung macht es“, sagt Hafermalz. Heimische Pflanzen seien besonders wertvoll, weil viele spezialisierte Tiere darauf angewiesen seien. Gleichzeitig verlängern andere Arten den Blühzeitraum. Für die Stadt und die Insekten entstehe so ein guter Ausgleich. Nach einer intensiven Bewässerungsphase in den ersten Jahren etablieren sich die Stauden mit der Zeit so gut, dass sie später kaum noch zusätzliches Wasser benötigen. Im Winter werden die Flächen einmal zurückgeschnitten, danach treiben die Pflanzen im Frühjahr wieder aus.
Wenn das Hobby zum Beruf gehört
Wenn Hofelich abends nach Hause kommt, hat er vom Gärtnern noch lange nicht genug. Dort wartet noch der eigene Garten. Fast jeden Abend verbringt er dort Zeit mit Pflanzen und Bewässern. „Für mich ist der Beruf eben auch mein Hobby“, sagt Hofelich.
Und wenn zwischen den vielen Beschwerden auf Hafermalz’ Schreibtisch doch einmal ein Lob für die blühenden Beete und gepflegten Grünflächen landet, ist das für alle Beteiligten die Bestätigung, dass sich die frühen Morgenstunden lohnen.
Fünf Wochen lang Geschichten über Sommermacher
Was macht den Sommer eigentlich aus? Nicht die Ferien, nicht die Sonne – sondern die Menschen, die im Hintergrund arbeiten, damit andere ihn genießen können. Manche von ihnen stehen mitten in der Hitze, andere hinter der eiskalten Kühltheke, manche sind unterwegs, andere stehen auf Abruf bereit.
Mit der fünfwöchigen Serie „Sommermacher“ rückt die Heidenheimer Zeitung genau diese Menschen in den Mittelpunkt. In mehreren Beiträgen erzählen wir die Geschichten von Menschen, die im Sommer anpacken: Sie bauen, pflegen, verkaufen, reparieren, organisieren und leisten ihren Beitrag dazu, dass der Sommer funktioniert.
