Von Berufswahl bis zu digitalen Chancen

Wie geht es Jugendlichen in Krisensituationen? Darum ging es bei der Heidenheimer Jugendkonferenz

Von Krisensituationen über Berufswünsche bis hin zu digitaler Teilhabe: Bei der sechsten Jugendkonferenz in Heidenheim stand im Mittelpunkt, was Jugendliche bewegt, welche Sorgen sie haben und wie sie aktiv ihre Zukunft mitgestalten.

Wie gehen Jugendliche eigentlich mit Krisensituationen um? Was beschäftigt sie? Diese und weitere Fragen standen bei der sechsten Heidenheimer Jugendkonferenz im Mittelpunkt. Moderator Jens Thielemann, Leiter der Jugendberufsagentur, führte durch den Vormittag und begrüßte die zahlreichen Vertreterinnen und Vertreter aus Schulen und Ämtern.

Nach seinem Grußwort wandte sich Landrat Peter Polta an das Publikum. Er machte deutlich, dass ihm der direkte Austausch besonders wichtig sei: „Es ist eine Herzensangelegenheit, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, was wir als Landkreis oder Stadt besser machen können.“ Die Jugendkonferenz sei ein Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, um konkrete Verbesserungen anzustoßen.

Jugendwörter und Arbeitsmarkt

Im Anschluss sprach Stefan Schubert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aalen. Er skizzierte die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit steige, und mittlerweile seien zunehmend auch Fachkräfte betroffen. Dennoch gebe es positive Entwicklungen: „In der neuen Statistik sehen wir, dass am Ende des Tunnels ein Licht ist. Der Stellenzugang steigt wieder leicht an.“ Gleichzeitig warnte er, dass im Übergang von der Schule zur Ausbildung weiterhin zu viele junge Menschen verloren gehen.

Danach ergriff Markus Ebersbach, Geschäftsführer des Jobcenters, das Wort. Mit einem humorvollen Einstieg über die Jugendwörter der vergangenen Jahre („Das crazy“, „Aura“, „goofy“) verdeutlichte er, wie wichtig es sei, die Lebenswelt heutiger Jugendlicher zu verstehen. „Junge Menschen entwickeln ihre eigenen Strategien, um mit ihrer Generation umzugehen“, sagte er. Aufgabe des Jobcenters sei es, diese Wege zu begleiten und Unterstützung zu bieten.

Ein Blick auf die Jugendlichen

Eines der wichtigsten Themen war die Vorstellung der neuen Shell-Jugendstudie 2024, präsentiert von Ingo Leven, einem Diplom-Psychologen, der aus München angereist war. Für die repräsentative Umfrage wurden deutschlandweit circa 2500 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt.

Leven fasste das zentrale Bild der Studie unter der Überschrift „Pragmatisch zwischen Verdrossenheit und gelebter Vielfalt“ zusammen. Die neuen Daten zeichnen ein spannungsreiches, aber optimistisches Generationenbild.

Verschobene Ängste, wachsende politische Aufmerksamkeit

Viele Jugendliche blicken trotz globaler Krisen positiver in die Zukunft als in früheren Jahren. Dabei haben sich ihre Sorgen deutlich verändert: Gesellschaftliche Ängste wie Krieg oder Armut nehmen zu, während persönliche Ängste stärker in den Hintergrund treten.

Dafür steigt das politische Interesse. Immer mehr junge Menschen wollen verstehen, was in der Welt passiert. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende politische Kluft zwischen jungen Männern und Frauen: Männer rücken häufiger nach rechts, Frauen bleiben eher links, wodurch die sogenannte „Political Gender Gap“ entsteht.

Beruf und Bildung verändert sich

Positiv vermerkt die Studie: Erwartete Schwierigkeiten im Bildungssystem befinden sich auf einem Tiefstand. Dennoch bleibt soziale Ungleichheit sichtbar: 77 Prozent der Jugendlichen aus oberen sozialen Schichten besuchen ein Gymnasium, aber nur 13 Prozent der Jugendlichen aus unteren Schichten.

Im Berufsleben dominieren klassische Werte. 84 Prozent der Jugendlichen sind zuversichtlich, dass ihre beruflichen Wünsche in Erfüllung gehen. Gleichzeitig finden 30 Prozent der jüngeren Generation keinen passenden Beruf, und 46 Prozent wünschen sich mehr Informationen von Arbeitgebern über die Arbeitswelt der Zukunft.

Wichtige Kriterien für junge Arbeitskräfte sind Sicherheit, materielle Stabilität, Planbarkeit und eine gute Balance zwischen Beruf und Privatleben. Zudem gewinnt Homeoffice weiterhin an Bedeutung. Die Studie definiert fünf grundlegende Einstellungsmuster, die jungen Menschen besonders wichtig sind: Nutzen (also das Einkommen), Erfüllung, Soziales, Vereinbarkeit von Arbeit und Leben sowie Planbarkeit.

Engagement und Teilhabe

Die Studie zeigt, dass junge Menschen trotz Unsicherheiten nicht passiv bleiben. Viele engagieren sich gesellschaftlich, bringen sich in Vereinen, Initiativen oder politischen Diskussionen ein und wollen aktiv dazu beitragen, dass sich Dinge verändern. Gleichzeitig wird deutlich, dass soziale Herkunft weiterhin Einfluss auf Chancen und Beteiligungsmöglichkeiten hat, und manche Gruppen Gefahr laufen, übersehen zu werden. Umso wichtiger sei es, Minderheiten bewusst mitzudenken und Angebote so zu gestalten, dass möglichst viele Jugendliche erreicht werden. Leven betonte, dass die junge Generation „gestalten statt zuschauen“ möchte – vorausgesetzt, sie findet Strukturen vor, die Mitwirkung ermöglichen.

Digitale Möglichkeiten gehören selbstverständlich zum Leben der Jugendlichen. Kommunikation und Unterhaltung stehen dabei klar im Vordergrund, zugleich wächst die Bedeutung der Informationssuche. Moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz werden von jungen Menschen als Chance wahrgenommen, aber zunehmend kritisch reflektiert.

Fachforen bei der Jugendkonferenz

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich in drei unterschiedlichen Fachforen vertieft mit zentralen Themen zu Jugendlichen auseinanderzusetzen. Ingo Leven sprach im ersten Forum über die Erwartungen von Jugendlichen an das Berufsleben und die Berufsorientierung. Das zweite Forum, organisiert vom Landratsamt Heidenheim, widmete sich dem Thema „In Verantwortungsgemeinschaft zu einem gelingenden Übergangssystem“. Im dritten Forum informierte Angelo Bianco von G-Recht über Gefahren im Netz und sensibilisierte die Teilnehmenden für die Risiken im digitalen Raum.