Nur durch einen schmalen Durchgang zwischen Bauzaun und Hauswand gelangt man zur provisorischen Bautür aus Holz, die den Zugang ermöglicht, den Augen der Öffentlichkeit jedoch verborgen bleibt. Hier in der Hinteren Gasse liegt der Eingang in eine Welt, die seit Jahren stillsteht, und die doch – mitten in der Innenstadt gelegen – eine ganz eigene ist. Nichts, aber auch gar nichts hat sich hier im Elmar-Doch-Haus verändert, seitdem Oberbürgermeister Michael Salomo im Herbst 2021 einen Baustopp verfügte und damit den laufenden Umbau unterbrach.

Oberbürgermeister Michael Salomo hält an Gastro-Vision fürs Elmar-Doch-Haus fest
Dass der schon recht weit fortgeschritten war, ist gut zu sehen. Die steinerne Hülle des historischen Gebäudes umgibt ein großes Nichts. Wo einst der Eingangsbereich und die Tourist-Info untergebracht waren, wo die große und breite Treppe hoch zur Stadtbibliothek führte, herrscht gähnende Leere. Treppe und Fußboden sind verschwunden, sogar die Bodenplatte wurde aufgemeißelt. Wer das Elmar-Doch-Haus heute besucht, betritt historischen Boden: Unter der Bodenplatte traten die Grundmauern längst nicht mehr existierender Häuser und Teile des Pflasters einer früher hier verlaufenden Straße zutage. All das wurde beim Bau des früheren Rathauses im Jahr 1846 einfach überdeckt.
Historische Spuren im Erdgeschoss
Völlig entkernt wirkt das Elmar-Doch-Haus kleiner als gedacht, zumindest was die Grundfläche betrifft. Unter den Schuhen knirscht Schotter der historische Boden ist uneben, es gibt Löcher, viele Löcher, und bei jedem Schritt ist darauf zu achten, nicht zu stolpern. Ein Geruch nach feuchtem Stein und Baustelle liegt in der Luft. Zahlreiche Metallsprieße stützen die noch vorhandenen Rippendecken ab, die beim letzten Umbau des Gebäudes in den 1970er Jahren eingebaut wurden. Die großen Fenster sind teils mit Holzplatten verrammelt. Steht der Besucher inmitten der Fläche und richtet die Blick nach oben, kann er bis zur obersten Decke im dritten Stock sehen, und es wird deutlich: Die Höhe des Elmar-Doch-Hauses ist nicht nur von außen imposant.

Nur über ein Baugerüst, das das Erdgeschoss mit dem obersten Stockwerk verbindet, geht es hinauf. Hier bietet sich überall der gleiche Anblick: Alles ist entkernt, lediglich der Rohbau steht noch. Keine Kabel, keine Leitungen, nur Stein und Beton. Durch die Fenster fällt Licht ein, sie bieten Stockwerk um Stockwerk interessanter werdende Aus- und Einblicke in die Hauptstraße und die Hintere Gasse. Beim Blick durch die Bullaugen im obersten Stock wirkt Schloss Hellenstein zum Greifen nah.
Hier findet sich auch der einzige Raum im gesamten Gebäude, der die Entkernungsarbeiten einigermaßen unbeschadet überstanden hat: der ehemalige Ratssaal. Auch hier Bullaugenfenster, die historische Decke ist noch erhalten. Mit Folie verhüllt ein großes Wandgemälde, auf dem der Feldherr und Politiker Wallenstein zu sehen ist. Ursprünglich war vorgesehen, hier einen großen Trausaal für Hochzeiten zu schaffen. Doch auch diese Überlegung ist vom Tisch.
Wie lange das Elmar-Doch-Haus noch in diesem Zustand bleibt, der seit nunmehr vier Jahren andauert, ist ungewiss. Die aktuelle Planung sieht vor, dass hier „Extrablatt“ einen Restaurantbetrieb eröffnen wird. Denn bevor hier ein gastronomischer Betrieb Gäste bewirten kann, muss noch sehr viel gebaut werden. Derzeit wird davon ausgegangen, dass das „Extrablatt“ 2029 eröffnet – wann die Bauarbeiten beginnen, ist jedoch noch völlig offen.


