Das Stück beginnt trist, ein übergroßer Türrahmen, eine anonyme Firma und vier gnadenlose Erzähler, die von dem ereignislosen Leben des Angestellten Henri Boulanger berichten, eines in London lebenden Franzosen. Seit 14 Jahren arbeitet er bei den Wasserwerken, doch nun wird er zu seinem Vorgesetzten, der eine Kiste mit goldfarbenen Uhren auf dem Schoß hält und nicht einen einzigen seiner Angestellten kennt, ins Büro zitiert. Es gebe Umstrukturierungen und unumgängliche Massenentlassungen.

Württembergische Landesbühne Esslingen zeigte „I hired a contract killer” im Heidenheimer Konzerthaus
Sie verstehen doch sicher, dass wir mit den Ausländern anfangen müssen.
Der Chef der Londoner Wasserwerke, als er Henri Boulanger entlässt.
„Sie verstehen doch sicher, dass wir mit den Ausländern anfangen müssen“, so der Chef. Henri versteht und nickt und nimmt eine Uhr entgegen. Auf der Straße stellt er fest, dass es niemanden auf der Welt gibt, der Anteil an seinem Leben nehmen würde.
Es gibt niemanden in seinem Leben
Er fasst den Entschluss: „Hiermit beschließe ich zu sterben.“ Doch beim Versuch, sich in seiner Wohnung aufzuhängen (sehr spannend, das Publikum hielt den Atem an) reißt die Verankerung. Auch sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden, ist nicht so einfach, und so kommt ihm die Erkenntnis: „Ich brauche einen Auftragskiller!“
Ich brauche einen Auftragskiller.
Der Arbeitslose Henri Boulanger, weil es ihm nicht gelingt, sich selbst das Leben zu nehmen,
Er fährt in die zwielichtigste Gegend Londons und engagiert in einer Bar (mit herrlich schrägen Figuren) einen Killer. Innerhalb von zwei Wochen werde der Auftrag erledigt werden. Henri sitzt zu Hause und wartet, und als er zum ersten Mal in seinem Leben in den Pub gegenüber geht, schreibt er einen Zettel: „Ich bin in der Bar gegenüber.“

Eine neue Wendung
Doch nun passiert, womit niemand gerechnet hat: Henri verliebt sich in die bezaubernde Rosenverkäuferin Margaret. Doch bei seiner Rückkehr ist der Zettel weg und die Spannung steigt. Welcher der grau gekleideten Herren ist der Killer und wann erwischt er ihn?

Versuche, den Auftrag rückgängig zu machen, scheitern. Es kommt zu immer absurderen Verwicklungen, doch Margaret hält zu ihm. Am Ende stellt ihn der todkranke Auftragsmörder auf dem Friedhof. Sehr berührend der Dialog zwischen den beiden, wo der einst Lebensmüde dem Killer die Schönheit des Lebens aufzeigt.
Die Spannung stieg unaufhörlich
Was die Württembergische Landesbühne Esslingen unter Regie von Catja Baumann am Mittwochabend zeigte, war ein großer Genuss, und das Publikum im Konzerthaus fieberte mit. Mit einfachen, sehr wirkungsvollen Requisiten, Gesten und vielen berührenden Szenen, oft ohne Worte, hielten die fünf Schauspieler während des gesamten Stückes die Spannung hoch. Sie schlüpften in verschiedene Rollen, herrlich schräge Charaktere, die allesamt (bis auf den Bürochef) Mitgefühl und Menschlichkeit zeigen. Sowohl die extrem spannenden als auch die Liebesszenen berührten die Zuschauer, und jeder einzelne Akteur bekam am Ende Riesenapplaus: allen voran Hauptdarsteller Daniel Großkämper (Henri Boulanger), Claire Hordijk (Margaret und andere Rollen), Reinhold Ohngemach (Chef, Auftragsmörder und andere) sowie Reyniel Ostermann und Kim Patrick Biele als unterschiedlichste Charaktere. Fünfmal wurden alle auf die Bühnen gebeten, und überall war Lob zu hören.
Das wird man sich merken
Die Württembergische Landesbühne Esslingen, immer wieder zu Gast beim Theaterring, wird man sich merken. Ein großartiger Abend mit viel makabrem Witz. Und doch gingen alle mit einem breiten Lächeln nach Hause.
„I hired a contract killer“
Der Film „I hired a contract killer“ („Ich beauftragte einen Auftragsmörder“ oder „Vertrag mit meinem Mörder“) ist ein in London gedrehter Spielfilm des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki von 1990. Die Idee des Drehbuchs basiert auf Jules Vernes Roman „Die Leiden eines Chinesen in China“ und war zuvor bereits zweimal verfilmt worden: 1931 als „Der Mann, der seinen Mörder sucht“ mit Heinz Rühmann und 1965 unter dem Titel „Die tollen Abenteuer des Monsieur L.“ mit Jean-Paul Belmondo. Kaurismäkis Verfilmung gilt als eines seiner besten Werke und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Am Donnerstag, 6. März, wird im Konzerthaus von der Badischen Landesbühne Bruchsal „Eine Sommernacht“ gezeigt sowie am Mittwoch, 29. April, in der Stadtbibliothek „All das Schöne“ vom Landestheater Tübingen.


