Kulturschiene

Wie die Poetry-Slammerin Fee Brembeck im Heidenheimer Lokschuppen den Generationenunterschied erklärte

Die Kabarettistin Fee Brembeck erklärte höchst unterhaltsam, warum die Generationen so unterschiedlich ticken. Auch Taylor-Swift-Attitüden, Hip-Hop, Opernarien und ein (Fast-)Spagat kamen zum Einsatz.

Eine Stimme aus dem Off verkündete dramatisch: „Alles vergeht! Das Land ist in der Krise! Es gibt keinen höflichen Umgang mehr miteinander! – Doch hier kommt die Vermittlerin zwischen den Welten und den Generationen: Fee Brembeck!“

Und so war es: Die quirlige und charmante Bayerin, bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, nahm das Publikum im Heidenheimer Lokschuppen mit auf eine Reise der Generationen. Klug und witzig legte sie los: „Früher war alles besser – oder?“ Sie mit ihren (mehr oder weniger) 30 Jahren erkenne das bereits. Sie brachte Beispiele von ihrem 15 Jahre jüngeren Bruder, den sie selbst kaum noch versteht („Boah, Digga, unnötig!“).

Gutes Gespür fürs Publikum

Immer wieder bezog sie das Publikum mit ein, hatte ein gutes Gespür („Jetzt habe ich Sie verloren, oder?“) und nahm genüsslich jede Generation mit allen möglichen Stereotypen auseinander. Die 90 Gäste waren schon etwas älter („Man kann guten Gewissens sagen: Sie sind nicht dreißig“) und Brembeck gelang es mühelos, mit klugen Widerlegungen von Vorurteilen, mit Beispielen aus ihrem Alltag und herrlichen Pointen alle Anwesenden zum Lachen zu bringen. Manchmal ging es so schnell, dass es eine Weile dauerte, bis ein böser oder auch ein besonders kluger Witz ankamen.

Ein gemeinsames Feindbild

Brembeck beherrschte alle Register: von süß bis bissig, klug und böse, mit Pausen zum Nachklingen und jeder Menge Selbstironie. Gendersprache, Generationenunterschiede, Pauschalurteile, Politik – und wie man trotzdem immer wieder aufeinander zugehen solle. Wie wäre es zum Beispiel mit einem gemeinsamen Feindbild? („Ich werde Friedrich Merz eines Tages einen Dankesbrief schreiben, dass er die Generationen so mühelos vereint.“) Sie wies immer wieder darauf hin: Früher war nicht alles gut, heute ist nicht alles schlecht. Herrlich waren zum Beispiel ihre Erinnerungen an das frühe Internet („Ich muss jetzt Schluss machen, Papa will ins Internet“) oder auch an Wählscheiben- und Festnetztelefone („Ich wollte dich anrufen, aber du warst nicht zu Hause.“).

„Ich muss jetzt Schluss machen, Papa will ins Internet“

Fee Brembeck erinnert sich an die frühen Zeiten des Internet

Sie steigerte sich immer mehr, und das Publikum taute immer mehr auf. Ob Taylor-Swift-Bühnen-Bewegungen, Opernarien – großartig dargeboten und herrlich mit einem (Fast-)Spagat oder sogar bei Liegestützen geschmettert, Hip-Hop-Vorträge – man kam aus dem Staunen und Lachen nicht heraus. Eine großartige One-Woman-Show. Von Fee Brembeck darf man noch viel erwarten, und es bleibt zu wünschen, dass sie immer wieder im Lokschuppen zu Gast sein wird.

Fee Brembeck

Die 1994 in München geborene Poetry-Slammerin hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten: Sie war Siegerin bei der Deutschen Poetry-Slam-Meisterschaft U20, bekam den Tassilo-Kultur-Preis der Süddeutschen Zeitung, den „Stuttgarter Besen“ und im vergangenen Jahr den Deutschen Kabarettpreis (Förderpreis). Sie studierte zunächst Germanistik, Pädagogik und Theologie, dann ließ sie sich zur Opernsängerin ausbilden. Sie tritt im In- und Ausland auf und ist häufig Gast in Kabarettsendungen wie „Nightwash“, dem „NDR Comedy Contest“, „Nuhr im Ersten“ und anderen Formaten. Außerdem hat sie bereits mehrere Bücher veröffentlicht, unter anderem „Jetzt halt doch mal die Klappe, Mann! Warum wir auf Mansplaining keinen Bock mehr haben“. („Mansplaining“ setzt sich zusammen aus „man“ und „explain“ und bezeichnet ein Verhalten, wenn Männer ungefragt und belehrend Frauen Dinge erklären und ihnen herablassend Kompetenz und Wissen absprechen.)

Die nächsten Veranstaltungen der Kulturschiene

Weiteres preisgekröntes Kabarett gibt es am Freitag, 27. Februar, mit „Falk“ und am Mittwoch, 15. April, mit „Schwester Cordula liebt Heimatromane“, jeweils um 20 Uhr im Lokschuppen. Celtic Folk mit „Cara“ ist am Mittwoch, 18. März, geboten, ebenfalls im Lokschuppen. Im Theaterring gibt es am Mittwoch, 11. Februar, „I hired a contract killer“ („Ich engagierte einen Auftragsmörder“), eine schwarze Komödie, und am Donnerstag, 6. März, „Eine Sommernacht“ zu sehen, jeweils im Konzerthaus.