Suchterkrankung in der Familie

Wie die neue Angehörigengruppe des Diakonischen Werks Heidenheim helfen soll

Was tun, wenn eine Person im familiären Umfeld süchtig ist, etwa nach Alkohol, Drogen, Medikamenten oder Glücksspiel? Das Diakonische Werk Heidenheim bietet Angehörigen nun Unterstützung in Form von Gruppentreffen an. Der erste Termin ist am 21. Juli.

Wenn ein Mensch an einer Suchterkrankung leidet, gerät oft das gesamte Umfeld unter Druck. Partnerinnen und Partner, Eltern, Kinder, Geschwister oder enge Freunde tragen die Folgen häufig mit – meist im Verborgenen. Sorgen, Hilflosigkeit, Schuldgefühle und die ständige Frage, wie man helfen kann, prägen nicht selten den Alltag. Genau hier setzt das neue Angebot einer geleiteten Angehörigengruppe der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle (PSB) des Diakonischen Werks Heidenheim an.

Die Gruppe richtet sich an Menschen, die sich um einen suchtkranken Angehörigen sorgen, sich belastet fühlen oder ihr eigenes Verhalten im Umgang mit der Erkrankung besser verstehen möchten. Ziel ist es, Entlastung zu schaffen, neue Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen und den Teilnehmenden dabei zu helfen, wieder mehr Sicherheit und Stabilität im Alltag zu gewinnen. In einem geschützten und vertrauensvollen Rahmen erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich mit anderen Angehörigen auszutauschen, Informationen zum Thema Sucht zu erhalten und Orientierung im Umgang mit schwierigen Situationen und belastenden Entscheidungen zu finden. Darüber hinaus soll die Gruppe dabei unterstützen, die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren und die persönlichen Ressourcen wieder stärker wahrzunehmen.

Eine Anmeldung ist erforderlich

Die von der Psychologin Kirsten Fey geleiteten Angehörigengruppe, startet erstmals am Dienstag, 21. Juli, und umfasst vier aufeinanderfolgende wöchentliche Treffen, die jeweils von 17 bis 18.30 Uhr stattfinden. Die Gruppengröße ist auf sechs bis zehn Personen begrenzt, soll allerdings bei vorhandener Nachfrage in unregelmäßigen Abständen wiederholt werden. Das Angebot ist kostenfrei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Interessierte können über die offene Sprechstunde der PSB aufnehmen. Diese findet montags von 15 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 10 bis 11.30 Uhr statt. Kontakt: 07321.4881350 oder psb-diakonieheidenheim@elk-wue.de.

Wie wichtig solche Angebote sind, zeigen aktuelle Zahlen: Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys 2024 leiden in Deutschland rund 3,9 Millionen Erwachsene an einer alkoholbezogenen Störung, darunter etwa 2,2 Millionen Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit. Hinzu kommen zahlreiche Menschen mit weiteren Suchterkrankungen wie Drogen-, Medikamenten- oder Glücksspielsucht. Eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie (BEPAS) kommt zudem zu dem Ergebnis, dass rund zehn Millionen Angehörige von Suchtkranken erhöhte gesundheitliche Belastungen aufweisen.

Aktionstag Alkohol am 17. September

Ein besonderes Zeichen setzt in diesem Zusammenhang der Aktionstag Alkohol am 17. September, der in diesem Jahr gezielt die Situation von Angehörigen in den Mittelpunkt rückt. Die Veranstalter – die PSB des Diakonischen Werks und das Landratsamt Heidenheim – möchten auf die häufig übersehene Belastung von Familienmitgliedern aufmerksam machen und über Unterstützungsangebote informieren. Der Aktionstag soll Betroffenen und Angehörigen Mut machen, frühzeitig Hilfe anzunehmen, miteinander ins Gespräch zu kommen und das Thema Sucht aus der Tabuzone zu holen.