Clowns-Compagnie

Wie die Clowns-Compagnie „Walizka – Köfferchen und Co.“ im Heidenheimer Naturtheater das Staunen wiedererweckte

Die Clowns-Compagnie „Walizka – Köfferchen und Co.“ verzauberte im Naturtheater das Publikum mit Musik, Fantasiesprache und fantastischem Humor.

„Walizka“ – sieben Buchstaben, sieben Mitglieder. Die sechs Clowns, vier Frauen und zwei Männer, mit den Namen Charlie, Minze, Paolo, Susu Wolke, Piafoola, Malabari und Ottolilie haben sich an der Ravensburger Clownsschule kennengelernt.

Das siebte Mitglied war ein Überraschungsgast, und das Publikum im voll besetzten Naturtheater-Café schätzt sie schon lange: Steffi Seifert, bekannt durch die Musical-Compagnie, sang sich in die Herzen der Zuhörer. Mit ihrer beeindruckenden Stimme trug sie „Oh my Papa“ vor, das Lied einer jungen Frau, die sich an ihren geliebten Vater, einen einst berühmten Clown, erinnert. Das Publikum jubelte.

Walizka heißt auf Polnisch Köfferchen.

Die Clowns-Compagnie „Walizka - Köfferchen“ hat sich nach ihrem Markenzeichen benannt.

Und schon stolperten Clowns in den Saal. Ganz wichtig: ihre Köfferchen – was auf Polnisch Walizka heißt. Diese wurden eifrig festgehalten, geheimnisvoll geöffnet, verloren, gesucht und wiedergefunden – es war eine Freude, die vielen Details zu entdecken.

Die Clowns traten oft als Duo auf, jeder mit seiner ganz eigenen Rolle, herrlichen Requisiten (Taucherbrille, Fliegermütze, Wuschelhaare) und seinen Eigenheiten. Professor Dr. Paolo erklärte in gehobener Fantasiesprache, was die Anatomie eines Clowns ausmache. Minze, mit Einhorndiadem, übersetzte immer ausschweifender, was er denn nun gesagt habe – bis sie die Hauptrolle übernahm und alles mit eigenen Worten und Gesten erklärte. Der Professor wurde immer verwirrter.

Es gibt nichts Komischeres als einen verwirrten Clown – oder auch einen wütenden oder lauthals weinenden, und alle diese Gefühle waren zum großen Vergnügen des Publikums auf der Bühne zu erleben.

Ein Skelett als Clown

Die Anatomie eines Clowns – herrlich veranschaulicht an einem beleuchteten Skelett mit Clownsnase und Blume am Revers – besteht aus Staunen. Dieses Staunen ist kein Organ, sondern im ganzen Clown zu finden. Kinder haben es auch, Erwachsene vergessen es manchmal. Aber: Es kann wiedererweckt werden – und dies taten die Clowns mit vollem Einsatz.

Den ganzen Abend über waren Kichern und Staunen aus dem Publikum zu hören. Auch ein strenger Clown, Ottolilie, brachte ohne Worte zum Lachen: allein mit einem Staubwedel, den sie kommandoartig einsetzte, um die anderen in die Schranken zu weisen. Bei „Lyrik und Musik“ wurden Clownsgedichte vorgetragen, begleitet von dem sich immer mehr steigernden Musikclown Piafoola. Dazwischen Blickkontakte und ausufernde Gesten.

Ein Abflussentstopfer als Mittel für Gefühlsreichtum

Herausragend die Szene aller zusammen mit – einem Abflussentstopfer („Pümpel“). Was die Clowns hier zeigten an Gefühlsreichtum und Ideen, jeder und jede für sich, war unfassbar komisch. Das Publikum jubelte.

Auch der zarte Clown Malabari verzauberte. Mit leisen Gesten, viel Kontakt zum Publikum, Jonglage und Artistik. Susu Wolke bannte mit ausdrucksstarken Blicken Clowns wie Zuschauer.

Bei „Walizka“ bekommt jeder seinen eigenen Raum, kann seine Stärken ausspielen und ganz besondere Szenen entwickeln. Es gab immer wieder Raum für Stille, berührende Musik, Zwiesprache und kleine wie große Gesten. Herrlich auch die Fantasiesprachen, die das Publikum mühelos und mit viel Lachen verstand.

Song aus „La Cage aux Folles“

Als Steffi Seifert den Shirley-Bassey-Song „I am what I am“ („Ich bin, was ich bin“) aus dem Musical „La Cage aux Folles“ („Ein Käfig voller Narren“) vortrug, brachen die Zuschauer in Jubelstürme aus.

Die Clowns verabschiedeten sich mit einem Geschenk: Viele Zuschauer bekamen eine rote Schaumstoffnase überreicht und es gab niemanden, der nicht selig lächelnd – nach einem Riesenapplaus für die Darsteller – nach Hause ging.

Die Ravensburger Clownsschule

An der Ravensburger Clownsschule wird eine umfassende qualifizierte Ausbildung zum Clown angeboten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können dann als Klinikclowns, Schulclowns, in der Sozialarbeit oder in Altenheimen arbeiten.

Die Mitglieder von „Walizka“ (polnisch für Köfferchen) haben sich an der jährlichen Sommerakademie der Clownsschule kennengelernt. Seitdem treffen sie sich ein- bis zweimal im Jahr, um gemeinsam ein neues Clowns-Programm zu entwickeln. Ihr Anliegen ist es, bei kleinen wie großen Menschen das Staunen wiederzuerwecken.