Neue Gebührenkalkulation beschlossen

Wie auch in Heidenheim der Friedhof der Zukunft aussehen könnte

Die Nachfrage nach günstigen Bestattungsformen nimmt zu, gleichzeitig steigen die Gesamtkosten für die Friedhöfe. In die Kalkulation der Gebühren lässt die Heidenheimer Stadtverwaltung deshalb jetzt neue Faktoren einfließen.

Sterben ist teuer. Was nach einer abgedroschenen Behauptung klingen mag, deckt sich beim genauen Hinsehen mit den Erfahrungen der Stadtverwaltung: Immer mehr Menschen wählen für die Bestattung von Angehörigen kostengünstige Alternativen zum klassischen Erdgrab. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Kalkulation der Gebühren, mit der sich der Gemeinderat unlängst turnusgemäß zu befassen hatte.

Der Anteil der Urnenbeisetzungen liegt in Heidenheim mittlerweile bei mehr als 80 Prozent. Und: „Die Nachfrage nach kostengünstigen und pflegeleichten Grabarten ist ungebrochen hoch.“ So steht es in einem Bericht von Tanja Weiss, der Leiterin des Geschäftsbereichs Friedhofswesen und Betriebsverwaltung im Rathaus.

Nicht mehr Bestattungen

Eigentlich war die Verwaltung davon ausgegangen, dass sich die geburtenstarken Jahrgänge ab 1950 an steigenden Bestattungszahlen ablesen lassen würden. Allerdings: War 2022 mit 579 Beisetzungen ein leichter Anstieg zu verzeichnen, so sind es seither durchschnittlich 533 im Jahr. Das entspricht in etwa den Todesfällen im Standesamtsbezirk. Da auch viele Auswärtige in Heidenheim beerdigt werden, müsste die Zahl der Bestattungen eigentlich steigen. Dass ein solcher Effekt statistisch nicht nachweisbar ist, führt Weiss auf kostenbedingte „Abwanderungen von Bestattungen in benachbarte Friedwälder und Ruheforste“ zurück. Als weitere Einflussfaktoren nennt sie ins Ausland gebrachte Urnen und preisgünstige Bestattungen, die anonym direkt über die Krematorien erfolgen.

Die Friedhofsverwaltung spricht mittlerweile von einem großen Konkurrenzdruck. Die städtischen Aussegnungshallen und Aufbahrungsräume würden weniger gebucht, von Bestattern kostenfrei angebotene Feierhallen hingegen häufiger genutzt. Zudem entschieden sich immer mehr Angehörige vermutlich aus Kostengründen für eine Trauerfeier unter freiem Himmel.

Kostendeckungsgrad geringer als vorgegeben

Diese Entwicklungen wirken sich auf den Kostendeckungsgrad aus. Einem Beschluss des Gemeinderats vom Februar 2010 zufolge sollte er eigentlich 100 Prozent betragen. Tatsächlich liegt er aber deutlich niedriger: 2023 wurden 87 Prozent erreicht, 2024 nur knapp 80 Prozent. Für 2025 rechnet die Verwaltung aufgrund der bislang vorliegenden Hochrechnungen mit etwa 86 Prozent.

Mit Blick auf den Kalkulationszeitraum von 2026 bis 2028 verwies die Friedhofsverwaltung vor der Beschlussfassung im Gemeinderat darauf, dass aufgrund gestiegener Aufwendungen bei Löhnen, Material, Kraft- und Betriebsstoffen sowie bei Entsorgungsleistungen eine Kostensteigerung von knapp 19 Prozent zu berücksichtigen sei. Deshalb müsse befürchtet werden, „dass eine Erfüllung der vom Gemeinderat geforderten 100-prozentigen Kostendeckung über die gesamte Gebührenkalkulation zu einer Unverkäuflichkeit verschiedener Angebote der Friedhofsverwaltung führen wird, weil die Bürger tatsächlich finanziell nicht mehr in der Lage sind, die hohen Gesamtkosten einer Beisetzung zu schultern“.

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Heidenheim
Gedenken

Klare Worte, die mit der Frage einhergehen, an welchen Stellen Kosten reduziert werden können. Der Weiss-Bericht nennt als eine Möglichkeit die Entwidmung oder Verkleinerung von Friedhöfen. Allerdings benötige dieses Vorgehen Zeit, da zunächst alle Nutzungsrechte abgelaufen sein müssten.

Infrage komme außerdem ein mancherorts bereits verwirklichter und auf einer Empfehlung der Unesco beruhender Ansatz: die Einstufung der Friedhofskultur in Deutschland als immaterielles Kulturerbe. Konkret bedeutet das, Friedhöfe nicht nur als Bestattungsorte sondern als „Naturschutzoasen“ zu betrachten und ihren Wert hinsichtlich Klima- und Naturschutz, Biodiversität, Stadtklima, Artenvielfalt, Erholung und Ort der Begegnung zu berücksichtigen.

Bestandteil des öffentlichen Grüns

Auch Heidenheim folgt dem Beispiel anderer Städte wie Stuttgart und Heilbronn entsprechend nun dieser Idee. Zehn Prozent der Gesamtkosten wurden aus den Friedhofsgebühren herausgerechnet und stattdessen dem Bereich des öffentlichen Grüns zugeordnet. Die Anteile der „Naturschutzoase Friedhof“ sollen in den kommenden Jahren detailliert ermittelt werden. Mit der Einrichtung verschiedener Biotope, so die Erwartung, könnte die Stadt sogar Ökopunkte erwerben, die sich wiederum bei der Stadtplanung berücksichtigen ließen.

Unterm Strich steigen die Bestattungs- und Grabgebühren in Heidenheim für die nächsten drei Jahre um durchschnittlich neun Prozent. Daraus errechnet sich ein Kostendeckungsgrad von exakt 89,51 Prozent. Um 100 Prozent zu erreichen, müssten die Gebühren um rund 22 Prozent angehoben werden. 24 Mitglieder des Gemeinderats segneten die Kalkulation ab, fünf stimmten dagegen, weitere fünf enthielten sich.

Einfahrt kostet jetzt Geld

Der finanzielle Aspekt spielt auch bei der vom Gemeinderat einstimmig beschlossenen Neufassung der Friedhofsordnung eine Rolle: Bestattungsunternehmen, Bildhauer-, Steinmetz- und Gärtnerbetriebe sowie sonstige gewerbetreibende Unternehmen benötigen eine Berechtigung zur Einfahrt aufs Friedhofsgelände. Ab diesem Jahr ist dafür eine Gebühr fällig. Die Einnahmen werden für die Anschaffung von Toren zum Schutz vor Diebstählen verwendet.