Ranking der „Wirtschaftswoche“

Welche Betriebe aus der Region Heidenheim zählen zu den Weltmarktführern?

Im Weltmarktführer-Ranking 2025 ist die Region Ostwürttemberg stark wie immer – doch während Zeiss Rekorde feiert, zwingt der Wandel andere Unternehmen zum Sparen.

Ein eingängiger Claim ist das eine: Seit vielen Jahren unterstreicht Ostwürttemberg seine Wirtschafts- und Innovationskraft mit dem Slogan „Raum für Talente und Patente“. Das andere ist der Beleg dieser Eigenwerbung durch harte Fakten – diesen liefert unter anderem das „Weltmarktführer-Ranking“ der „Wirtschaftswoche“. Auch in der Auswertung für 2025 behaupten zahlreiche Unternehmen aus der Region ihre Position an der Weltspitze.

Der Index basiert auf einer Datenanalyse von Professor Christoph Müller (Universität St. Gallen) in Kooperation mit der Akademie Deutscher Weltmarktführer. Die Kriterien sind streng: Ein Unternehmen muss weltweit die Nummer eins oder zwei in seinem Marktsegment sein, einen Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro erzielen und diesen zu mehr als der Hälfte im Ausland sowie auf mindestens drei Kontinenten erwirtschaften. Müller stützt sich auf offizielle Zahlen des Jahres 2024 aus veröffentlichten Jahresabschlüssen oder dem Bundesanzeiger. 

Welche Unternehmen haben es ins Ranking geschafft?

Folgende Unternehmen aus Ostwürttemberg haben es ins Ranking der 500 Weltmarktführer geschafft (alle Daten laut „Wirtschaftswoche“):

Carl Zeiss AG aus Oberkochen bleibt das unangefochtene Schwergewicht der Region. Mit rund 46.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 10,9 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2023/24) führt Zeiss das Ranking in den Bereichen Optik und Optoelektronik an. Die Dynamik ist ungebrochen: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 konnte der Umsatz sogar auf 11,9 Milliarden Euro gesteigert werden. Ein entscheidender Faktor ist die Halbleitersparte: Zeiss liefert Schlüsseltechnologien für die Serienfertigung der weltweit leistungsfähigsten Mikrochips, die für KI-Anwendungen unverzichtbar sind.

Leitz (Oberkochen) führt das Feld bei Werkzeugen für die maschinelle Bearbeitung von Holz, Kunststoff und NE-Metallen an. Das Unternehmen (rund 2800 Mitarbeiter, 281 Millionen Euro Umsatz) setzt verstärkt auf Nachhaltigkeit: Neue Diamant-Werkzeugsysteme sind so konstruiert, dass sie mehrfach nachgeschärft werden können, was der globalen Möbelindustrie hilft, wertvolle Ressourcen einzusparen.

Mapal, Hartmann, Voith

Mapal aus Aalen behauptet die Spitzenposition bei Präzisionswerkzeugen zur Zerspanung nahezu aller Werkstoffe (rund 4900 Mitarbeiter, 588 Millionen Euro Umsatz). Über die Automobilindustrie hinaus hat sich das Unternehmen als Partner der Luftfahrt etabliert und beliefert die internationale Flugzeugindustrie mit hochspezialisierten Systemen für die Endmontage großer Passagiermaschinen.

Maschinenfabrig Alfing Kessler (Aalen) besetzt die Weltmarktführerschaft bei Großkurbelwellen und Induktionshärteanlagen (rund 1100 Mitarbeiter, 305 Millionen Euro Umsatz). Die Expertise für Bauteile von bis zu acht Metern Länge wird zunehmend für Wachstumsfelder wie erneuerbare Energien und die Verteidigungsindustrie genutzt, um die Transformation der klassischen Märkte abzufedern.

RUD aus Aalen dominiert als Spezialist für Kettensysteme (rund 1100 Mitarbeiter, 242 Millionen Euro Umsatz) und feiert 2025 sein 150-Jahr-Jubiläum.

Paul Hartmann AG aus Heidenheim ist in den Bereichen Systemangebote für Wundbehandlung, Inkontinenzhygiene und Infektionsprophylaxe weltweit führend (rund 10.000 Mitarbeiter, 2,4 Milliarden Euro Umsatz). Ein Fokus liegt aktuell auf der Digitalisierung der Pflege, etwa durch automatisierte Überwachungssysteme, die Kliniken dabei unterstützen, Infektionsketten effizient zu unterbrechen.

Voith (Heidenheim) agiert als Komplettanbieter für Wasserkraftwerksausrüstung und Papierherstellung (rund 22.000 Mitarbeiter, 5,7 Milliarden Euro Umsatz). Das Unternehmen gilt als Recycling-Pionier und wurde für Technologien zum geschlossenen Papierkreislauf mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Dass Weltmarktführerschaft kein Schutz vor strukturellem Wandel ist, zeigen aktuelle Sparpläne: Voith kündigte an, rund 2500 Stellen weltweit zu streichen.

Expertise aus Sontheim und Herbrechtingen

Bosch Automotive Steering in Schwäbisch Gmünd führt den Weltmarkt für Lenksysteme an, befindet sich jedoch ebenfalls in einem schmerzhaften Umbau. Um die Kosten angesichts des Marktdrucks zu senken, plant Bosch bis zum Jahr 2027 den Abbau von rund 1500 Stellen am Standort Gmünd und verlagert Teile der Fertigung sowie der Entwicklung nach Ungarn.

Röhm Tool aus Sontheim an der Brenz treibt im Bereich der Spannwerkzeuge die Industrie 4.0 voran. Mit rund 800 Mitarbeitern und 123 Millionen Euro Umsatz ist Röhm in seinem Segment führend. Ein Aushängeschild der Innovationskraft ist die intelligente Spannbacke „iJaw“, die Klemmkräfte während der Bearbeitung in Echtzeit misst und drahtlos an die Steuerung überträgt.

BBI (Herbrechtingen) fertigt Hochleistungsriemen und Endlosbänder (rund 650 Mitarbeiter, 59 Millionen Euro Umsatz). Die Besonderheit liegt in der nahtlosen Produktion, die eine extreme Laufruhe garantiert. Diese Technik ist weltweit in Hochgeschwindigkeits-Anlagen der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie gefragt und sichert dem Betrieb die Marktführung.