Kommunikation ist ein so wenig griffiges Wort, dass es uns wie nasse Seife durch die Hände glitscht. Unser Alltag besteht aus Kommunikation, jedes Verkehrsschild, jeder Preisaushang, jedes Foto im Social-Media-Kanal kommuniziert mit uns, indem es eine Information vermittelt.
Der österreichisch-amerikanische Philosoph und Kommunikationsforscher Paul Watzlawik hat den Satz „Man kann nicht nicht kommunizieren“ geprägt. Jeder, der schon mal Streit hatte, weiß, dass man sehr wortreich schweigen kann.
Was das alles mit unserer Zeitung zu tun hat? Nun, als Redaktion können wir bei unserer Arbeit sehr unterschiedliche Formen der Kommunikation beobachten: Mit manchen Menschen können wir vertrauensvoll sprechen, andere lassen uns ausrichten, dass sie lieber nicht mit uns reden möchten. Wieder andere schicken uns Mitteilungen, die wir veröffentlichen, aber bloß nicht hinterfragen sollen. Ein Landtagskandidat teilte einer Kollegin kürzlich mit, er werde im Falle seiner Wahl keinesfalls mit ihr sprechen. Das blieb folgenlos, weil die Wählerinnen und Wähler sich anders entschieden.
Was ich damit sagen will: Eine Zeitung wird bisweilen als reines Medium erachtet – auf der einen Seite speist man die Information ein, auf der anderen wird sie über unterschiedliche Kanäle an tausende Empfänger ausgespielt. Wer so denkt, unterschätzt aber die Funktion von Journalistinnen und Journalisten. Wir sammeln nicht nur Informationen, wir ordnen sie auch nach Relevanz ein, suchen Gegenpositionen, verifizieren und kommentieren. Das ist eine Dienstleistung, weil die kaum zu überblickende Summe aller Informationen so gebändigt und überschaubar wird.
Damit aber zurück zum Anfang: Die beste Kommunikation ist immer noch die auf Augenhöhe. Man merkt es meist instinktiv, wenn jemand lügt oder die Wahrheit zumindest schönfärbt. In Unternehmen und Behörden werden Anfragen oft so lange geknetet und durch die Bleiche gezogen, bis kaum mehr als warme Luft übrig bleibt. Das können Journalistinnen und Journalisten verschmerzen, weil es zu ihrem Job gehört. Spätestens gegenüber den Lesenden ist es aber respektlos, klare Sachverhalte so dick in Watte zu packen, bis sie jede Klarheit verloren haben. Die Wahrheit lässt sich in aller Regel nämlich nur begrenzt durch Nicht-Kommunikation verschleiern.


