Sozialwohnungen

Warum Jüngere und Ältere auch im Kreis Heidenheim zu den Verlierern auf dem Wohnungsmarkt gehören

Laut Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt wird das Wohnen für jüngere und ältere Menschen auch im Landkreis Heidenheim mehr und mehr zum Problem. Warum gerade sie betroffen sind und wie man gegensteuern kann.

Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern, wenn es ums Wohnen geht, teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit. Besonders betroffen seien Auszubildende: „Etliche der rund 2.250 Azubis im Landkreis Heidenheim wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagt Andreas Harnack, Chef der IG BAU in Baden-Württemberg. Wohnen werde für Azubis zunehmend zum Problem, belegt der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts, den die IG BAU mit in Auftrag gegeben hat. „Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Harnack.

Viele Rentner könnten sich die Miete nicht mehr leisten

Doch nicht nur Jüngere gerieten zunehmend unter Druck. Die IG BAU Südwürttemberg warnt auch vor „Wohnarmut im Alter“. Im Blick hat sie dabei die geburtenstarken Jahrgänge: Rund 16.300 Baby-Boomer im Landkreis Heidenheim werden nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 vollständig in Rente sein. „Viele der Baby-Boomer im Kreis Heidenheim bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet. Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm“, sagt der IG-BAU-Regionalleiter.

Um gegenzusteuern, fordert die IG BAU Unterstützung von Bund und Land Baden-Württemberg beim Neubau von Azubi-Wohnungen – insbesondere im Umfeld von Ausbildungszentren. Harnack spricht sich dabei auch für Steueranreize aus, wenn ein Betrieb dafür sorgt, dass seine Auszubildenden ein Dach über dem Kopf bekommen. Probleme auf dem Wohnungsmarkt hätten zudem Studierende: „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben“, so Harnack.

Mehr Sozialwohnungen sorgen für Druck auf die Mieten am Markt

Gleichzeitig warnt die IG BAU vor einer weiteren Verschärfung der Lage. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, fordert der Regionalchef. Ein wichtiger Schritt dahin seien mehr Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden.“

Der „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut nennt dazu eine erste Zielmarke: die Verdopplung der Zahl der Sozialwohnungen bundesweit von derzeit einer auf zwei Millionen bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Für Baden-Württemberg bedeute das konkret: 224.400 Sozialwohnungen bis 2035. Das entspreche 19.200 zusätzlichen Sozialwohnungen pro Jahr.

Um diese Zielmarke zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch Bund und Land notwendig. „Die Fördergelder des Bundes müssen dabei schon gleich zum Baubeginn bereitstehen. Sie dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden“, fordert Harnack. Zudem könne der Regelstandard „Erleichtertes Bauen“ helfen, Kosten zu senken. Wichtig sei außerdem eine transparente Statistik, um zu erfahren, wo in Baden-Württemberg wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind.