Insolvenz in Eigenverwaltung

Warum die Firma Lohse in Oggenhausen zahlreiche Mitarbeiter entlässt

Die Lohse-Gruppe befindet sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Was das bedeutet und warum jetzt der Hälfte der Belegschaft gekündigt wurde.

Bereits im Dezember hatte die in Oggenhausen ansässige Martin Lohse Gruppe angekündigt, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung anzustreben, und ein solches auch angemeldet. Jetzt, nach knapp zwei Monaten der vorbereitenden Untersuchung des Unternehmens, hat Lohse am vergangenen Freitag zahlreichen Mitarbeitern gekündigt. „Das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung ist zum 30. Januar eröffnet worden“, erklärt Anwalt Michael Winterhoff.

„Zur Anpassung der Personalstruktur an die veränderten Marktbedingungen wurde mit Eröffnung des Verfahrens ein notwendiger Personalabbau durchgeführt. Am Freitag, den 30. Januar 2026, wurden entsprechende Freistellungen ausgesprochen“, heißt es in einer Mitteilung des in Ulm ansässigen Rechtsanwalts, der Generalbevollmächtigter der Martin Lohse GmbH und der Lohse Maschinenbau GmbH ist. Dem Vernehmen nach sind von den Kündigungen etwa 50 der rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.

Die Firma Lohse in Oggenhausen meldet aufgrund schlechter Geschäftszahlen Insolvenz in Eigenverwaltung an.

Firma Lohse in Oggenhausen strebt Insolvenz in Eigenverwaltung an

Beim traditionsreichen Unternehmen Lohse in Oggenhausen stehen Einschnitte bevor. Am Montag informierte die Geschäftsleitung die rund 100 Beschäftigten über den Plan, Insolvenz in Eigenverwaltung anzumelden.
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Heidenheim
Umsatzeinbruch

Wie Winterhoff erklärt, sei es unabdingbar gewesen, den Personalstand zurückzuführen und Mitarbeitern zu kündigen. Grund seien sehr starke Auftragsrückgänge, überwiegend im Bereich des Maschinenbaus. Dieser Rückgang hänge stark mit der wirtschaftlichen Schwäche in der Papierindustrie zusammen. „Die gesamte Papierindustrie leidet derzeit unter erheblichem Auftragsmangel.

Große Einzelprojekte bleiben aus, was zu einer deutlich reduzierten Auftragslage führt. Die Lohse-Gruppe musste sich daher massiv verkleinern, um auf Basis der geringeren Auftragsstrukturen langfristig überlebensfähig zu bleiben“, so Winterhoff.

Interessenausgleich und Sozialplan

Den Kündigungen, die am vergangenen Freitag ausgesprochen worden sind, seien umfangreiche Gespräche mit dem Betriebsrat vorausgegangen. Man habe sich Winterhoff zufolge auf einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verständigt. „Die Geschäftsführung setzt weiterhin auf eine erfolgreiche Sanierung in Eigenverwaltung, um das traditionsreiche Unternehmen zukunftsfähig zu machen.“ Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und verantwortet die Sanierung selbst.

Ein vom Gericht eingesetzter Sachwalter überwacht das Verfahren und vertritt die Interessen der Gläubiger. Die Eigenverwaltung soll Restrukturierungen erleichtern, weil die Geschäftsführung ihr Branchenwissen einbringen kann und der Geschäftsbetrieb in der Regel ohne größere Unterbrechungen fortgeführt werden kann.

Die Firma Lohse blickt auf eine hundertjährige Tradition zurück und ist im Armaturen- und Maschinenbau tätig. Das in Oggenhausen ansässige Unternehmen entwickelt und fertigt spezialisierte Armaturen – etwa Absperrschieber und Klappen – sowie Maschinenbaulösungen vor allem für die Papierindustrie, aber auch für die chemische und weitere Industriezweige.