Eigentlich könnte der Abriss bereits laufen. Der Gemeinderat hat dem Vorhaben zugestimmt, die Abbruchgenehmigung liegt vor, und auch der Auftrag ist bereits an ein Bauunternehmen vergeben. Das könnte zwar jederzeit loslegen, doch gibt es derzeit noch ein Hindernis: Es muss noch geklärt werden, ob im ehemaligen Café Sonnleitner und im benachbarten sogenannten „Rager-Haus“ Fledermäuse leben.

Ein letzter Blick ins Rager-Haus neben dem Café Sonnleitner

Wie es heute im früheren Café Sonnleitner in Heidenheim aussieht
Noch ist nach Angaben von Stefan Bubeck unklar, ob sich die Säugetiere tatsächlich in einem der Gebäude in der Hauptstraße finden lassen, die dem Abbruch geweiht sind. Der Leiter des städtischen Geschäftsbereichs Hochbau erklärt, dass man im Rahmen der normalen Voruntersuchungen auch auf Fledermausspuren hin untersucht habe, und dass dadurch der Verdacht aufgekommen sei. Deshalb sei nun eine Habitat-Analyse notwendig. Ein Gutachter wurde bereits von der Stadtverwaltung beauftragt. Seine Aufgabe ist es nun, beide Gebäude daraufhin unter die Lupe zu nehmen, ob hier Fledermäuse leben.
Wie Bubeck erklärt, könnte es jedoch noch eine Weile dauern, bis dieses Gutachten vorliegt: „Mit der Untersuchung kann erst begonnen werden, wenn es etwas wärmer ist und die Fledermäuse wieder aktiv werden.“
Abbruch von hinten
Ob es durch die Untersuchung zu gravierenden Verzögerungen beim Abriss der beiden Gebäude kommen wird, ist laut Bubeck derzeit noch völlig offen. „Wir haben vor, den Abbruch von hinten, also von der Hinteren Gasse aus durchzuführen, und dort auch die Baustelle einzurichten. Das ist aktuell ohnehin nicht möglich, weil hier derzeit noch eine andere Baustelle ist“, so der Bau-Fachmann. Allerdings hätte man eigentlich schon mit den Entkernungsarbeiten im Innern beginnen können.
Bubeck geht davon aus, dass die gesamten Abrissarbeiten etwa vier Monate dauern werden. Auf das Entkernen und Entsorgen des Materials aus dem Innern entfällt den Planungen zufolge in etwa die Hälfte dieser Zeit. Das bedeutet, dass der eigentliche Gebäudeabriss in zwei Monaten über die Bühne gehen sollte. „Ich freue mich schon sehr darauf, wie schön groß und einladend der Platz beim Elmar-Doch-Haus ohne diese beiden Gebäude aussehen wird, und welche neuen Sichtbeziehungen, auch zu Schloss Hellenstein, dadurch entstehen“, sagt Oberbürgermeister Michael Salomo. Doch ob das tatsächlich der Fall sein wird, zeigt sich, wenn die Untersuchungen in Sachen Fledermäuse abgeschlossen sind.
Für den Natur- und Umweltschutz ist im Landkreis die Untere Naturschutzbehörde verantwortlich, die am Landratsamt angesiedelt ist. Von dort ist auch zu erfahren, was geschieht, wenn in den beiden Gebäuden tatsächlich Fledermäuse nachgewiesen werden können: „Sollten Fledermäuse in dem Gebäude festgestellt werden, dann gilt, dass Fledermausquartiere (z. B. Wochenstuben, Winterquartiere) weder während der Nutzung durch Fledermäuse noch außerhalb der Nutzungszeiten zerstört, beschädigt, entfernt oder unzugänglich gemacht werden dürfen“, heißt es von der Pressestelle des Landratsamts. Die Einhaltung der Vorschriften liege in der Verantwortung des Bauherrn und der am Bau Beteiligten.
Abbruch trotz Fledermäusen möglich
Bedeutet das, dass Fledermäuse einen Abriss der beiden Gebäude auch komplett verhindern könnten? Wohl nicht. „Eingriffsvorhaben (Sanierung, Abriss etc.) können ggf. durch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen ermöglicht werden. Sollte nicht sicher ausgeschlossen werden können, dass Verbotstatbestände eintreten, ist eine artenschutzrechtliche Ausnahme rechtzeitig bei der zuständigen Naturschutzbehörde zu beantragen, damit ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist“, so die Antwort des Landratsamts. „Ein solcher Antrag für streng geschützte Arten (Fledermäuse) wäre ggf. bei der höheren Naturschutzbehörde, dem Regierungspräsidium, zu stellen.“
Doch ob das in Auftrag gegebene Gutachten nun Fledermäuse in den beiden Gebäuden nachzuweisen vermag oder nicht: Zu ungewollten Verzögerungen beim Abriss wird es wohl zwangsläufig kommen. Denn die Mühlen der Behörden sind wenig bekannt dafür, besonders schnell zu mahlen – selbst wenn das Korn von Behörden geliefert wird.
Abriss ist schon vergeben
Der Abriss der beiden Gebäude in der Hauptstraße ist bereits beschlossene Sache. An ihrer Stelle soll ein Platz entstehen. Der könnte auch für die Außenbewirtschaftung einer Gastronomie genutzt werden, die im Elmar-Doch-Haus entstehen soll. Der Gemeinderat der Stadt Heidenheim hat den Planungen grundsätzlich zugestimmt.
Auch der Auftrag für den Abbruch des ehemaligen Café Sonnleitner und des direkt angebauten Rager-Gebäudes wurde bereits vergeben. Den Auftrag erhielt die Fa. Max Wild zum Preis von 166.109,55 Euro. Nach Angaben des städtischen Pressesprechers Ingmar Volkmann sind dies aber nicht die vollständigen Kosten. Für Nebenkosten, Entrümpelung und Unvorhergesehenes rechne die Verwaltung mit weiteren Kosten, sodass man aktuell von Gesamtkosten in Höhe von 380.000 Euro ausgehe.

