Kinderoper

Warum das Auftragswerk „Wurst“ der Opernfestspiele Heidenheim nun in Hannover gezeigt wird

Die Kinderoper „Wurst“ wurde bei den Opernfestspielen Heidenheim bereits 2022 aufgetischt. Nun gibt es das Auftragswerk auch in Hannover zu sehen. Wem gehört so eine Oper eigentlich?

Er ist bunt, etwas verwirrend und seit Kurzem deutlich strenger: der Nutri-Score, das ist diese fünfstufige Skala auf einigen Lebensmitteln, die im Supermarkt eine Orientierung in Sachen Nährwerte bieten soll. Kürzlich wurde an der Berechnungsformel der Lebensmittelampel geschraubt. Und wo wir schon dabei sind, müsste das generelle Mindesthaltbarkeitsdatum ebenfalls dringend überarbeitet werden. Warum? Weil ein Schwartenmagen anscheinend deutlich länger frisch bleibt als bislang angenommen. Vor allem, wenn er in Heidenheim gepresst wurde.

Rechte liegen nicht bei den Opernfestspielen Heidenheim

Ein Schwartenmagen, wir erinnern uns, ist der Bösewicht in der Kinderoper „Wurst“, die erstmals 2022 bei den Opernfestspielen Heidenheim aufgetischt wurde. Dieses fabelhafte Menü gibt es ab 5. Februar auch in Hannover zu sehen, wo „Wurst“ für knapp anderthalb Monate im Niedersächsischen Staatstheater Hannover gezeigt wird. Anscheinend kann man so einen Schwartenmagen auch vier Jahre später noch getrost aufwärmen und genießen.

Das Rezept, wenn man so will, für diese Küchenoper entstand im Auftrag der Opernfestspiele speziell für Heidenheim. Was hat die Stadt nun mit der Inszenierung in Hannover zu tun? Gar nichts, erklärt Matthias Jochner, Leiter des Fachbereichs Kultur. „Auch wenn wir uns natürlich freuen, wenn ein Stück, das bei uns uraufgeführt wurde, in die weite Welt hinausgeht.“

Ein Auftragswerk wie „Wurst“ wird bei den Festspielen in der Regel vom Intendanten Marcus Bosch angestoßen. Bosch gehe dann oftmals direkt auf ihm bekannte Kooperationspartner zu, erklärt Jochner. Dazu gehört etwa Sebastian Schwab, der die Musik für „Wurst“ komponiert hat und früher sowohl in Marcus Boschs Dirigierklasse gewesen ist als auch schon in der Cappella Aquileia gespielt hat.

Lena Spohn (links) und Julia Danz verkörperten in „Wurst“ die Geschwister Hagen und Lisa. Die Inszenierung in Hannover hat eine andere Besetzung.
Lena Spohn (links) und Julia Danz verkörperten in „Wurst“ die Geschwister Hagen und Lisa. Die Inszenierung in Hannover hat eine andere Besetzung. Foto: Oliver Vogel

Sobald ein Werk wie das der Jungen Oper abgevespert und die Festspielzeit vorbei ist, hat Heidenheim rechtlich nichts mehr mit dem Werk zu tun, selbst wenn es im Auftrag der Opernfestspiele entstanden ist. In der Regel bieten der Komponist und der Librettist, in diesem Fall Kai Weßler, ihr Werk dann einem oder mehreren Verlagen an. „Wurst“ ist seither im Katalog von Boosey & Hawkes aufzufinden, dem nach eigenen Angaben weltgrößten international tätigen Klassik-Musikverlag. Dort können Häuser wie das Niedersächsische Staatstheater Hannover die Werke einkaufen und in den eigenen vier Wänden kredenzen.

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Sebastian Schwab und Kai Weßler

Die Arbeit des Duos Sebastian Schwab und Kai Weßler konnte man in der Vergangenheit schon einige Male bei den hiesigen Opernfestspielen erleben. 2018 stand bei der Jungen Oper etwa „Moses’ Entscheidung“ auf dem Programm.

Auch dieses Jahr wird ein gemeinsames Werk von Schwab und Weßler präsentiert: „Holle!“ feierte 2021 Premiere an der Staatsoper Stuttgart, ab 24. Juni wird die Kinderoper zum Thema Klimawandel in der Stadtbibliothek Heidenheim gezeigt.

Schwabs kompositorische Handschrift war darüber hinaus bei der Georg-Elser-Oper „Nau bens hald i“ herauszulesen, welche 2020 Uraufführung in Heidenheim hatte. Das Libretto zu der Kurzoper stammt von Hendrik Rupp.