Vorbereitende Arbeiten laufen

Wann die neue Brücke beim Heidenheimer Bahnhof fertig sein soll

Die stählerne Brücke beim Heidenheimer Bahnhof wird demnächst durch einen Neubau ersetzt. Wann dieser fertiggestellt sein soll.

Bahnreisende, Fußgänger, Autofahrer, Anlieger. Alle direkt oder mittelbar Betroffenen werden darauf hoffen, dass die am Fußweg zwischen Theodor-Heuss-Straße und Piltz´scher Unterführung aufgestellte Bautafel beim Wort zu nehmen ist: Die Erneuerung der Eisenbahnüberführung über die Brenz, so ist dort zu lesen, soll im Juni 2027 fertiggestellt sein. Die vorbereitenden Arbeiten sind mittlerweile im Gange und haben das Gesicht des weiteren Umfelds bereits deutlich verändert.

Nach langen Diskussionen und Planungen beginnt nun also die Umsetzung eines Vorhabens, das von Jahr zu Jahr dringlicher wird und für viele Menschen nicht ohne zeitweilige Widrigkeiten ablaufen dürfte.

Warum ist eine neue Brücke nötig?

Das alte Bauwerk stammt aus dem Jahr 1905 und erreicht nach Angaben der Deutschen Bahn das Ende seiner technischen Nutzungsdauer. Gleichzeitig erfährt die darunter verlaufende, die Ost- mit der Innenstadt verlaufende Piltz´sche Unterführung eine Umgestaltung. Sie ist eine unübersichtliche Engstelle, an der sich Radfahrer und Fußgänger bisweilen gefährlich nahekommen. Außerdem stand sie in der Vergangenheit nach starken Regenfällen wiederholt unter Wasser.

Wie soll der Neubau aussehen?

Geplant ist eine stählerne Bogenbrücke ohne Mittelpfeiler, etwa 62 Meter lang und 12,55 Meter hoch. Sie entsteht an derselben Stelle, ist aber etwas länger als das Vorgängermodell, weil neue Widerlager aus Beton entstehen, die weiter voneinander entfernt sind als die bislang die Last tragenden Eichenstämme. Im Anschluss an eine Untersuchung anhand technischer, wirtschaftlicher und betrieblicher Kriterien fiel die Entscheidung zugunsten dieser von insgesamt sechs Varianten.

Die neue Brücke erhält ebenfalls Platz für zwei parallele Gleise, außerdem wird sie auf die angestrebte Elektrifizierung der Brenzbahn ausgelegt. Unter optischen Gesichtspunkten werde sie sich „harmonisch ins Stadtbild zwischen dem Schloss Hellenstein und dem Totenberg, den beiden Wahrzeichen der Stadt, einfügen“, verspricht die Bahn auf ihren Internetseiten.

Was ist bisher geschehen?

Im Herbst 2022 konnten die Planungsunterlagen öffentlich eingesehen werden. Nach Abwägung aller Interessen traf das Eisenbahnbundesamt als zuständige Bundesbehörde am 13. Juni 2024 den Planfeststellungsbeschluss. Er entspricht einer Baugenehmigung.

Im Oktober vergangenen Jahres, und damit außerhalb der Brut- und Setzzeiten, erfolgte dann auf angrenzenden Flächen und entlang des Brenzufers ein erster Rückschnitt der vorhandenen Gehölze. Er fand jetzt seine Fortsetzung beidseits des Flusses in südlicher Richtung bis zur Theodor-Heuss-Straße.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Um das Baufeld freizumachen, werden derzeit einige Leitungen verlegt. Bei der Einrichtung der Baustellenflächen spielt der der Kreissparkasse gehörende Parkplatz zwischen Bahnstrecke und Api-Gemeinschaftszentrum eine wesentliche Rolle. Dort sollen Ende Februar die ersten vorgefertigten Einzelteile der neuen Stahlbrücke angeliefert und zusammengefügt werden, wie ein Bahn-Sprecher auf HZ-Anfrage mitteilt. Nach und nach entsteht dann der gesamte Brückenbogen.

Noch kann der Fußweg entlang der Brenz ungehindert genutzt werden. Rechts ist das Api-Gemeinschaftszentrum zu erkennen, im linken Bereich des Fotos der Treff9 mit seiner teilweise in Rot gehaltenen Fassade. Rudi Penk

Auf der Freifläche hinter dem Treff9 reifen unterdessen die aus jeweils zwei Elementen zusammengesetzten Widerlager heran, die später die Brücke tragen. In den Pfingstferien, also zwischen Ende Mai und Anfang Juni, beginnen die Hauptarbeiten. Dann wird entlang der Bundesstraße 19 eine Bohrpfahlwand in den Boden gerammt.

Während der Sommerferien, die von Ende Juli bis Mitte September dauern, wird zunächst die bestehende Brücke abgebaut und anschließend die neue Konstruktion mittels eines Großraupenkrans an ihren Bestimmungsort gehievt. „Im September nehmen wir die neue Eisenbahnbrücke in Betrieb“, stellt die Bahn in Aussicht.

Wann ist die Unterführung an der Reihe?

Die Piltz´sche Unterführung soll zunächst noch passierbar bleiben. Ihre Sperrung ist erst während des barrierefreien Ausbaus zwischen Sommer 2026 und Frühjahr 2027 vorgesehen. Künftig soll der kombinierte Geh- und Radweg fünf Meter breit sein und eine lichte Höhe von zweieinhalb Metern haben. Er liegt etwas tiefer als heute und befindet sich in einer Wanne, die bei Bedarf leergepumpt werden kann. Die Steigung zur Kanalstraße hin beträgt sechs Prozent.

Mit welchen Einschränkungen ist zu rechnen?

Die Bahn verweist darauf, die mit dem Vorhaben einhergehenden Beschränkungen so gering als möglich halten zu können, weil die Widerlager und der Brückenüberbau vor Ort hergestellt werden. Allerdings wird Vieles weniger rund laufen als gewohnt. Etwa zwischen Treff9 und Brenz. Dieser Weg wird vorübergehend zur Baustraße.

Während die Bohrpfahlwand entsteht, muss die B19 auf Höhe der Bahnbrücke voraussichtlich drei Wochen lang komplett gesperrt werden. Nach Fertigstellung bleibt die Fahrspur Richtung Mergelstetten weitere drei Wochen zu, während der Verkehr Richtung Schnaitheim wieder rollen kann.

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Der Zugverkehr wird nach aktuellem Stand in den diesjährigen Sommerferien sechs Wochen lang ausgebremst. Währenddessen wird ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Steht die Piltz´sche Unterführung nicht zur Verfügung, dann müssen Fußgänger und Radfahrer aus und in Richtung Stadtzentrum weitere Wege in Kauf nehmen und entweder den Steg beim Badehaus oder die Unterführung unter der B19 zwischen dem Stillen Weg bei der Friedrich-Ebert-Straße und der Theodor-Heuss-Straße nutzen. Die Bahn verweist darauf, drei alternative Standorte für eine Behelfsbrücke geprüft zu haben. Keiner davon habe ausreichend Platz für die erforderlichen Rampen und eine sichere Verkehrsführung geboten.

Alle erforderlichen Umleitungen will die Bahn rechtzeitig ankündigen und ausschildern. Der Zugang zur Skateranlage und zu den Spielflächen im Brenzpark soll von Norden her auch während der Bauzeit möglich sein.

Ausgleich für Eingriffe in die Natur

Die Bahn will dem Schutz von Mensch, Natur und Landschaft während des Vorhabens erklärtermaßen oberste Priorität einräumen. Eingriffe in die Natur würden minimiert und bei Bedarf kompensiert, teilt sie mit. Deshalb soll eine fledermausfreundliche Baustellenbeleuchtung zum Einsatz kommen. Außerdem würden künstliche Nisthilfen und Fledermauskästen installiert. Vorgesehen ist zudem, im Anschluss an die Bauarbeiten an Ort und Stelle wieder Gehölze zu pflanzen. Als Ausgleich für die erfolgten Eingriffe ist in Schnaitheim bereits eine 1800 Quadratmeter große Streuobstwiese entstanden.