Am Sonntag werden die Pauluskirche in Heidenheim und die Stadtkirche in Giengen wieder für einige Wochen zur Vesperkirche. Wer wenig Geld hat, kann dort eine günstige Mahlzeit bekommen, wer sich in den Wintermonaten einsam fühlt, mit anderen gemeinsam essen. Wer seine Solidarität mit denen zeigen möchte, denen es weniger gut geht, kann für sein Mittagessen ein paar Euro mehr bezahlen und die Aktion der Kirchen unterstützen.

Darüber freuen sich die Organisatoren der Giengener Vesperkirche schon vor dem Start
Mittlerweile ist die Vesperkirche eine etablierte Veranstaltung, getragen von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden und unterstützt von Unternehmen. Anfangs war der Gedanke, dass in der Kirche Essen aufgetragen werden soll, für manche auch sehr gewöhnungsbedürftig. Im Kern führt die Aktion aber die Kirche zurück an ihren Ursprung. Wenn man ganz pathetisch sein will, könnte man sogar sagen: zurück zum Abendmahl, bei dem Jesus das Brot mit seinen Jüngern teilte.

Was es bei der Heidenheimer Vesperkirche zum Auftakt am 18. Januar zu essen gibt
An anderer Stelle soll sich in Heidenheim auch ein Kirchengebäude stark verändern, zumindest im Inneren: Der neue evangelische Jugendreferent Stefan Hörz will die Michaelskirche zu einem Treffpunkt für junge Menschen machen. Eine Bar und eine Kletterwand in einem sakralen Gebäude? Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht genauso befremdlich, wie es die Idee des Mittagstischs anfangs auch war.
Jedoch müssen sich die Kirchen natürlich die Frage stellen, wie sie junge Menschen wieder für sich gewinnen können und an den Glauben heranführen wollen. Dass die Gottesdienste am Sonntag dafür nicht ausreichen, sieht man an den Besucherzahlen.

Halfpipe und Boulderwand: Wie die Michaelskirche in Heidenheim zum trendigen Ort für Jugend und Glauben werden soll
Was in der Ende des 15. Jahrhunderts direkt am Schlossberg erbauten Kirche alles möglich ist, wurde in den vergangenen drei Jahren beim Festival „Auf geht’s, Michael“ getestet. Und es zeigte sich: Es geht vieles, vom Technofestival über Tango bis zum Tattoostudio, Kunst, Konzerte und Vorträge ohnehin. Wenn das Experiment Michaelskirche jetzt gelingt, wäre das in doppelter Hinsicht ein Erfolg: Es gäbe nicht nur eine neue Attraktion für junge Menschen, sondern auch eine dauerhafte Wiederbelebung für das historische Kirchengebäude, das zuvor kaum mehr genutzt worden war.

