Leitartikel Klartext

Vesperkirche und Jugendraum: neues Leben in alten Mauern

Essen im Giengener Gotteshaus und eine Kletterwand in der Heidenheimer Michaelskirche: Wenn Kirchen weiterhin relevant sein wollen, müssen sie sich für neue Ideen öffnen, meint HZ-Redaktionsleiterin Silja Kummer.

Am Sonntag werden die Pauluskirche in Heidenheim und die Stadtkirche in Giengen wieder für einige Wochen zur Vesperkirche. Wer wenig Geld hat, kann dort eine günstige Mahlzeit bekommen, wer sich in den Wintermonaten einsam fühlt, mit anderen gemeinsam essen. Wer seine Solidarität mit denen zeigen möchte, denen es weniger gut geht, kann für sein Mittagessen ein paar Euro mehr bezahlen und die Aktion der Kirchen unterstützen.

Am kommenden Sonntag startet die 19. Auflage der Vesperkirche in Giengen.

Darüber freuen sich die Organisatoren der Giengener Vesperkirche schon vor dem Start

Unter dem Motto „ZusammenHalten“ startet am Sonntag die 19. Auflage der Giengener Vesperkirche. Die letzten Vorbereitungen laufen, die Vorfreude ist groß.
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Giengen
19. Auflage

Mittlerweile ist die Vesperkirche eine etablierte Veranstaltung, getragen von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden und unterstützt von Unternehmen. Anfangs war der Gedanke, dass in der Kirche Essen aufgetragen werden soll, für manche auch sehr gewöhnungsbedürftig. Im Kern führt die Aktion aber die Kirche zurück an ihren Ursprung. Wenn man ganz pathetisch sein will, könnte man sogar sagen: zurück zum Abendmahl, bei dem Jesus das Brot mit seinen Jüngern teilte.

Seit Montag sind die Vorbereitungen für die Heidenheimer Vesperkirche im Gange.

Was es bei der Heidenheimer Vesperkirche zum Auftakt am 18. Januar zu essen gibt

Am kommenden Sonntag, 18. Januar, beginnt die 17. Heidenheimer Vesperkirche. Was dann aufgetischt wird, und was im Rahmenprogramm geboten ist.
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Heidenheim
Vorbereitungen laufen

An anderer Stelle soll sich in Heidenheim auch ein Kirchengebäude stark verändern, zumindest im Inneren: Der neue evangelische Jugendreferent Stefan Hörz will die Michaelskirche zu einem Treffpunkt für junge Menschen machen. Eine Bar und eine Kletterwand in einem sakralen Gebäude? Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht genauso befremdlich, wie es die Idee des Mittagstischs anfangs auch war.
Jedoch müssen sich die Kirchen natürlich die Frage stellen, wie sie junge Menschen wieder für sich gewinnen können und an den Glauben heranführen wollen. Dass die Gottesdienste am Sonntag dafür nicht ausreichen, sieht man an den Besucherzahlen.

Dekan Gerd Häußler (links) und Jugendreferent Stefan Hörz präsentieren die ersten Ergebnisse des Umbaus in der Michaelskirche. Die Bar (ganz rechts) und die Sitzgruppen wurden gemeinsam mit Jugendlichen aus Heidenheim gestaltet.

Halfpipe und Boulderwand: Wie die Michaelskirche in Heidenheim zum trendigen Ort für Jugend und Glauben werden soll

Die Bar unter der Empore ist fast fertig, die Sofas laden zum Chillen ein: Gemeinsam mit Jugendlichen erfindet Jugendreferent Stefan Hörz die Heidenheimer Michaelskirche neu. Die Ideen sind außergewöhnlich und verbinden Action mit Spiritualität.
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Heidenheim
Kirche neu gedacht

Was in der Ende des 15. Jahrhunderts direkt am Schlossberg erbauten Kirche alles möglich ist, wurde in den vergangenen drei Jahren beim Festival „Auf geht’s, Michael“ getestet. Und es zeigte sich: Es geht vieles, vom Technofestival über Tango bis zum Tattoostudio, Kunst, Konzerte und Vorträge ohnehin. Wenn das Experiment Michaelskirche jetzt gelingt, wäre das in doppelter Hinsicht ein Erfolg: Es gäbe nicht nur eine neue Attraktion für junge Menschen, sondern auch eine dauerhafte Wiederbelebung für das historische Kirchengebäude, das zuvor kaum mehr genutzt worden war.