Der Heidenheimer Faltschachtel-Hersteller Carl Edelmann hat im September 2025 verkündet, dass rund 100 Stellen am Standort Heidenheim abgebaut werden sollen. Dies betrifft die Produktion, in der knapp 400 Mitarbeitende beschäftigt sind. Jetzt wächst laut Mitteilung von Betriebsrat und Gewerkschaft Verdi die Kritik am Vorgehen der Geschäftsleitung. Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung ziehen sich die Gespräche mit der Arbeitgeberseite seit Monaten hin, ohne dass zentrale Fragen ausreichend beantwortet würden. Der Betriebsrat spricht von widersprüchlichen Informationen, mangelnder Transparenz und wiederholter Missachtung von Mitbestimmungsrechten.
Laut Arbeitnehmervertretung hat die Geschäftsführung im Januar ein Programm zur freiwilligen Aufhebung von Arbeitsverträgen gestartet. Dies ist aus Sicht des Betriebsrats deshalb kritikwürdig, weil bei einer Betriebsänderung, also einer tiefgreifenden Umstrukturierung eines Unternehmens, volles Mitbestimmungsrecht gelte. Maßnahmen dieser Größenordnung dürften deshalb nicht einseitig umgesetzt werden, sondern seien üblicherweise Ergebnis von Verhandlungen zu Interessenausgleich und Sozialplan.
Kritik an Freiwilligenprogramm
Gegen dieses Freiwilligenprogramm ist die Arbeitnehmervertretung offenbar vor Gericht gezogen, damit aber gescheitert: Wie die Edelmann-Pressestelle auf HZ-Anfrage mitteilt, wurde ein Antrag auf gerichtliche Untersagung des Programms am 10. Februar vom Arbeitsgericht Aalen abgewiesen. Unternehmenssprecherin Claudia Winter erklärt, das Programm solle „zum sozialverträglichen und einvernehmlichen Personalabbau“ beitragen. Es habe „sehr großen Anklang in der Belegschaft gefunden“. Für die überwiegende Zahl der Stellen, die Edelmann „aus zwingenden wirtschaftlichen Gründen leider abbauen“ müsse, gebe es bereits sozialverträgliche Lösungen. Für 25 Stellen suche man gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern nach einer Einigung.

Uwe Väth steht neu an der Spitze der Heidenheimer Edelmann-Gruppe
In den Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung sowie Gewerkschaft und Betriebsrat gab es in den vergangenen Monaten mehrere Runden. Zuletzt saßen beide Seiten offenbar am vergangenen Mittwoch an einem Tisch. In diesen Gesprächen forderte die Arbeitnehmerseite nach eigenen Angaben mehrmals Daten und Informationen ein.
Betriebsrat vermisst Informationen
Der Betriebsrat fühlt sich in dem Verfahren generell nicht ausreichend informiert, das wird aus der Mitteilung deutlich. Ein Fragenkatalog von September 2025 sei bis heute nicht ausreichend beantwortet worden. Antworten würden wiederholt korrigiert und seien teilweise widersprüchlich. Erschwerend komme laut Betriebsrat hinzu, dass sich die Verhandlungskommission auf Arbeitgeberseite häufig änderte – einschließlich wechselnder Verhandlungsführer. Das werfe Fragen nach Zuständigkeiten und Betriebskenntnis auf.
Von diesen Vorwürfen zeigt man sich in der Unternehmenszentrale an der Steinheimer Straße „sehr überrascht“. Die Geschäftsführung, bestehend aus dem Geschäftsführer Uwe Väth, dem Finanzvorstand Rainer Veith und dem Vertriebsvorstand Meino Adam, habe im Rahmen der Gespräche und Verhandlungen „umfangreiche Informationspakete und Wirtschaftlichkeitsanalysen zur Verfügung gestellt“. Laut Arbeitgeberseite ist man „nach wie vor in konstruktiven Gesprächen.“
Gewerkschaft und Betriebsrat kritisieren in ihrer gemeinsamen Erklärung auch geplante oder bereits vollzogene Verlagerungen der Produktion, unter anderem an einen nahegelegenen Standort in Osteuropa. Dazu gebe es keine belastbaren Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Generell fehlt dem Betriebsrat die Perspektive der zukünftigen Ausrichtung. Kritisiert wird auch, dass hochqualifizierte und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunehmend nur als Kostenfaktor betrachtet würden.
Trotz der Verhandlungen werde regelmäßig Mehrarbeit am Wochenende verlangt. „Ein massiver Stellenabbau und gleichzeitig anhaltende Forderungen nach Wochenendarbeit passen nicht zusammen“, so der Betriebsrat. Die Zielsetzung sei, für Beschäftigte, die das Unternehmen verlassen müssen, bestmögliche Bedingungen zu erreichen. Für die am Standort verbleibenden Beschäftigten gehe es „um eine nachhaltige Unternehmensentwicklung mit einer realen Zukunftsperspektive für Heidenheim“.
„Teil einer umfassenden Strategie“
In der Frage der teilweisen Produktionsverlagerung möchte Edelmann seiner Erklärung vom September nichts hinzufügen. Damals hieß es, Maßnahmen wie diese seien „Teil einer umfassenden Strategie, die unter anderem Investitionen in Innovation und Technologie, die Stärkung der Unternehmenskultur sowie die Förderung standortübergreifender Zusammenarbeit umfasst“.
Das 1913 in Heidenheim gegründete Familienunternehmen entwickelt, produziert und vertreibt unter anderem Faltschachteln und Packungsbeilagen. Neben sechs deutschen Standorten ist Edelmann auch in Polen, Ungarn, Brasilien, Indien und Mexiko vertreten.



