Es genügt ein Blick aus dem Fenster, um festzustellen, dass wir das finale Aufbäumen des Winters noch lange nicht erreicht haben. Und doch: Eines fernen Tages wird es wieder Sommer sein, und dann steht ohne Frage einmal mehr ein pralles Kulturprogramm bevor. Bei zwei Schwergewichten der hiesigen Kulturszene, dem Naturtheater und den Opernfestspielen, hat der Vorverkauf dafür vor einigen Wochen begonnen. Und so viel lässt sich knapp ein halbes Jahr vor den diversen Premieren sagen: Tickets für die Spektakel auf dem Schlossberg sind begehrt.
„Eigentlich sagen wir jedes Jahr, dass das nicht mehr zu toppen ist“, erzählt Thomas Schirm, Vorsitzender des Naturtheaters. „Und dann wird es doch getoppt.“ Gemeint ist damit der Ansturm, den das Theater am 1. Dezember erlebt, dem traditionellen Vorverkaufsstart. Mehr als 11.000 Karten wurden in den ersten 24 Stunden verkauft und reserviert. Bis vergangene Woche gingen knapp 20.970 Tickets über die sprichwörtliche Theke, das bedeutet eine Auslastung von rund 43 Prozent. 2025 waren es zu dieser Zeit etwa 37 Prozent.
Eigentlich sagen wir jedes Jahr, dass das nicht mehr zu toppen ist. Und dann wird es doch getoppt.
Thomas Schirm, Vorsitzender des Heidenheimer Naturtheaters
Zugpferd der Sommerspielzeit scheint dabei das Kinderstück „Vorstadtkrokodile“ zu werden. 12.400 Karten wurden dafür bislang erworben und reserviert. „Good Bye, Lenin!“, das Erwachsenenstück, kann bis dato 7500 Tickets für sich verzeichnen – das sind etwas weniger als beim Vorjahresstück „Die drei Musketiere“ um diesen Zeitraum. Und doch: angesichts des für eine Freilichtbühne eher ungewöhnlichen Stückes mehr als erwartet.
„Das bedeutet vielleicht auch, dass unser Publikum nicht mehr so sehr nach dem Titel auswählt, wie es in den vergangenen Jahren oft der Fall gewesen ist“, findet Thomas Schirm. Das Naturtheater habe sich den Ruf eines Qualitätslieferanten erarbeitet, der sich im Hinblick auf die Stückauswahl auch etwas traue.
Für die hauseigene Musicalshow „The Sound of Music“ wurden bislang rund 400 Karten verkauft, für den Poetry-Slam auf der Freilichtbühne sind es 320 Stück, für die externe „Musical Night“ wurden 350 Tickets erworben – Zahlen, die vergleichbar mit dem Vorjahr sind.
Gestiegene Nachfrage nach Operntickets
Einen spürbaren Sprung nach oben haben die Vorverkaufszahlen der diesjährigen Opernfestspiele gemacht. Für die Hauptoper „Otello“ wurden – Stand vergangene Woche – bisher 1600 Karten verkauft, das entspricht einer Auslastung von 31 Prozent. Reserviert, und damit de facto verkauft, sind allerdings bereits 3292 Tickets, also 65 Prozent der verfügbaren Plätze.
2025 war das Ticketkontingent im Januar zu rund 53 Prozent ausgelastet. Allerdings stand mit der Doppeloper „Gianni Schicchi“ und „Elektra“ auch eindeutig ein gewagtes Experiment auf dem Programm, dem gegenüber sich das Publikum zumindest in der Vorverkaufszeit noch etwas zögerlich zeigte. Ein Vergleich, der etwas weniger hinkt: 2024 lag die Auslastung bei „Madama Butterfly“ zu diesem Zeitpunkt bei 61 Prozent.
Die zweite Verdi-Oper in diesem Jahr, „Macbeth“, ist derzeit zu 82 Prozent ausgelastet, das entspricht 1652 belegten Plätzen. Als im Vorjahr „Attila“ gegeben wurde, waren es 81 Prozent.
Verdi muss man in Heidenheim nicht mehr buchstabieren.
Matthias Jochner, Leiter des Fachbereichs Kultur
Dass der italienische Komponist hierzulande zieht, ist wenig überraschend. Findet auch der Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur, Matthias Jochner: „Verdi muss man in Heidenheim nicht mehr buchstabieren. Zudem haben wir dieses Jahr zwei Opern im Programm, die als solche bekannt sind. Das merkt man im Vorverkauf.“
Zum zweiten Mal in Folge wird sich die Junge Oper in der Stadtbibliothek präsentieren. „Holle!“ orientiert sich ebenso wie die vorjährige Kinderoper „Aschenputtel räumt auf“ an der Märchenvorlage der Brüder Grimm. Während die Januars-Auslastung bei „Aschenputtel“ bei 57 Prozent lag, ist „Holle!“ bereits zu 76 Prozent ausgebucht. Woran liegt’s? „Der Wechsel vom Opernzelt in den Margarete-Hannsmann-Saal war für manche Besucherinnen und Besucher wohl der Grund, etwas vorsichtiger beim Ticketkauf zu sein“, mutmaßt Matthias Jochner. Inzwischen habe sich aber herumgesprochen, dass der neue Aufführungsort wunderbar funktioniere, auch für die Junge Oper.
Jazzgala muss mit Fußball-WM konkurrieren
In Sachen Sinfoniekonzerte bewegen sich die Vorverkaufszahlen überwiegend auf dem Vorjahreslevel. Einzig die Jazzgala könnte man momentan als Sorgenkind der Festspiele beschreiben. 2025 waren zu dieser Zeit 579 Plätze belegt, dieses Jahr sind es bislang nur 175. „Mit Götz Alsmann hatten wir vergangenes Jahr einen grandiosen Headliner am Start“, erklärt Jochner. Alsmann als Haushaltsname und Garant für guten Jazz habe ebenso wie Fola Dada und die SWR Big Band „gezogen“. Diesen Sommer tritt das Electro-Jazz-Quartett „Toytoy“ gemeinsam mit der NDR Big Band auf – „ein wunderbares Programm“, so Jochner, aber eben auch eines, das sich womöglich etwas gezielter an ein bestimmtes Publikum richte.
Dazu kommt, dass die Jazzgala am 14. Juni mit dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft konkurrieren muss. Matthias Jochner nimmt’s gelassen: „Mit dem Fußball leben wir und wir leben gut mit ihm. Terminüberschneidungen gibt es immer wieder.“

Zauberspiel, Doppel-Verdi, Lenin: Was das Kulturjahr 2026 in Heidenheim alles zu bieten hat
Tickets und das gesamte Programm
Eintrittskarten für die Veranstaltungen der Opernfestspiele und im Naturtheater gibt es im Vorverkauf im Pressehaus in Heidenheim und unter hz-ticketshop.de. Detaillierte Informationen zum Gesamtprogramm sind unter opernfestspiele.de sowie unter naturtheater.de erhältlich.

