Nur keine Zeit verlieren: Das neue Jahr war noch keine 40 Stunden alt, da befand sich die Heidenheimer CDU bereits mitten im politischen Alltagsgeschäft. Der Neujahrsempfang des Kreisverbands markierte den offiziellen Beginn des Wahlkampfs für die Landtagswahl am 8. März, aus der Spitzenkandidat Manuel Hagel als neuer baden-württembergischer Ministerpräsident hervorgehen möchte. Am Freitagnachmittag warb der 37-Jährige im Konzerthaus für sich, für seine Partei und für Michael Kolb, der sich im Kreis Heidenheim um ein Mandat bewirbt.
Dass das politische Geschäft einer Langdistanz mit vielen Zwischenhalten ohne großes Warmlaufen gleicht, bekam Hagel gleich am zweiten Tag des Jahres zu spüren: vormittags Hechingen auf der Zollernalb, abends Schwäbisch Gmünd, dazwischen Heidenheim auf der Ostalb. Und dort mussten sich die etwa 150 Interessierten etwas gedulden, ehe der Mann, der die nächste Regierung im Land anführen möchte, die Anfahrt hinter sich gebracht hatte und ans Rednerpult trat.
Anhaltender Applaus
Als wolle er sich für die Geduld der Wartenden revanchieren, lieferte er im Schnelldurchgang einen Überblick über die aktuelle Weltlage, das Programm seiner Partei und seine persönlichen Überzeugungen. Lang anhaltender Applaus signalisierte ihm, dass er damit bei den CDU-Anhängern auf große Zustimmung stößt.
Hagel sprach mit Blick auf die USA von einer Dekade der Abschottung, während sich China gleichzeitig durch maximale Öffnung hervortue. Das Projekt der „neuen Seidenstraße“ stelle eine Kampfansage auch an Deutschland dar. Wie darauf reagieren? Hagels Antwort: „Wir müssen uns aufs Schaffen konzentrieren, um auch in Zukunft Wohlstand zu haben.“ Würde stets nur verteilt, dann sei irgendwann nichts mehr vorhanden.

Jetzt mitmachen: Eure Fragen an die Landtagskandidaten
„Wir sind schon froh, wenn es nicht noch schlechter wird. Mut- und Antriebslosigkeit sind ein Drama. Was ist nur aus unserem Land geworden?“, formulierte Hagel eine rhetorische Frage, um anschließend mehrfach den „Lothar-Späth-Geist“ zu beschwören: Probleme durch Innovationen lösen, die sich dann weltweit verkaufen lassen; politische Ziele vorgeben, die Umsetzung aber der Wirtschaft überlassen; Verlässlichkeit statt ständiger Strukturdebatten.
Hagel warb mit Blick auf die frühkindliche Bildung für ein verpflichtendes und kostenloses letztes Kindergartenjahr: „Erst Deutsch, dann erste Klasse – das ist weder rechts noch links, sondern gesunder Menschenverstand.“ Anschließend könnten sich die Grundschulen wieder auf Lesen, Rechnen und Schreiben konzentrieren. Eine kostenlose Meisterausbildung soll das Handwerk attraktiver machen, mittels einer Landesanleihe ein günstigerer Baden-Württemberg-Stromtarif verwirklicht werden, alle Normen ein Verfallsdatum erhalten, nach dessen Erreichen eine Erfolgskontrolle zu erfolgen hat.
Land soll wieder anders wahrgenommen werden
Am Ende werde das Land wieder anders wahrgenommen, prophezeite Hagel: „Man wird sehen, dass wir nicht nur diejenigen sind, die den Bahnhof nicht fertigkriegen.“
Michael Kolb betonte, in Heidenheim geboren zu sein, wollte diesen Hinweis aber nicht taktisch verstanden wissen: „Heimat ist kein Wort aus dem Wahlkampf, Heimat ist Verpflichtung.“ Er sagte zu, die für ihn mit dem Landkreis verknüpften Attribute – Fleiß, Zusammenhalt, Innovationskraft, starke Werte, Verlässlichkeit – auch in der Landespolitik vertreten zu wollen.
Vertrauen in die Politik als Ziel
„Politik sollte so gestaltet werden, dass die Menschen Vertrauen in die politisch Handelnden haben“, formulierte er seine Richtschnur. Umgesetzt sehen will der 51-Jährige diesen Anspruch vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Sicherheit und Bildung. Konkret: Politik und Ökonomie müssten dieselbe Sprache sprechen, Regelungen möglichst einfach gehalten werden; das subjektive Empfinden sei entscheidend für das Wohlgefühl; Bildungschancen müsse es für alle Bürger geben.
Mitmach-Aktion zur Landtagswahl
Am 8. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Im Landkreis Heidenheim haben dann mehr als 90.000 Menschen das Recht, zur Wahlurne zu gehen. Während der Mitmach-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“ sammelt die Heidenheimer Zeitung Fragen der Bürgerinnen und Bürger an die Kandidierenden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können bis Ende Januar aus zehn Themenfeldern bis zu drei auswählen und dazu Fragen formulieren, mit denen wir die Kandidierenden konfrontieren werden.
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