Einmal mehr zeigt sich, dass die Sorgen der Anwohner seit Jahren bekannt sind. Doch die Reaktionen der Stadtverwaltung, des Gemeinderats und von Oberbürgermeister Michael Salomo bleiben halbherzig und enttäuschend. Immer wieder schildern die Menschen im Hagen dieselben Probleme: zu viel Durchgangsverkehr, überhöhte Geschwindigkeit, Lärmbelästigung, zugeparkte Gehwege und eine zunehmende Unsicherheit für Kinder auf ihrem Schulweg. Hinzu kommt, dass Spaziergänge im eigenen Wohngebiet längst nicht mehr das Gefühl von Ruhe und Sicherheit vermitteln, das ein Wohngebiet eigentlich auszeichnen sollte.
Die Antworten der Stadt bestehen aus Fahrbahnmarkierungen, einem aufgemalten Tempo-30-Piktogramm, gelegentlichen Kontrollen und Verkehrszählungen, die zu Zeiten durchgeführt werden, in denen der Verkehr fließt, und nicht dann, wenn sich die Autos Stoßstange an Stoßstange durch den Hagen quälen. Wer die tatsächliche Belastung erfassen will, muss messen, wenn die Probleme auftreten, und nicht dann, wenn sie am geringsten sind. Alles andere vermittelt den Eindruck, dass die Realität nicht ehrlich abgebildet werden soll.
Ebenso unverständlich ist, dass seit Jahren keine ausreichenden Parkmöglichkeiten geschaffen werden. Stattdessen werden Gehwege regelmäßig zugeparkt. Fußgänger, Familien mit Kinderwagen und Schulkinder werden dadurch auf die Straße gedrängt. Das kann niemand ernsthaft als akzeptablen Zustand bezeichnen. Doch was passiert eigentlich, wenn einmal ein Notfall eintritt? Muss erst ein schwerer Unfall passieren, bevor gehandelt wird? Wie sollen die Feuerwehr oder der Rettungsdienst schnell helfen, wenn Straßen und Zufahrten durch parkende Fahrzeuge blockiert sind?
Warum die Menschen im Schnaitheimer Hagen unter dem Verkehr leiden und von der Stadtverwaltung enttäuscht sind
Auch der Freiraum für freilaufende Tiere wird immer kleiner. Ein Wohngebiet muss Platz für Menschen und Tiere bieten und nicht ausschließlich für immer mehr Verkehr. Der Hagen war einmal eines der schönsten Wohngebiete Heidenheims. Heute leidet er unter Fehlentscheidungen und einer Stadtplanung, die die Interessen der Anwohner nicht mehr in den Mittelpunkt stellt. Die Lebensqualität ist in den vergangenen Jahren spürbar gesunken. Viele Menschen fühlen sich in ihrem eigenen Wohngebiet nicht mehr wohl und gehen mit einem unguten Gefühl vor die Haustür. Das darf nicht der Anspruch einer Stadt sein, die sich als lebens- und familienfreundlich bezeichnet.
Die Forderungen der Bürgergemeinschaft sind keine überzogenen Wünsche, sondern vernünftige und berechtigte Anliegen. Der Hagen braucht keine Symbolpolitik mehr. Er braucht entschlossenes Handeln. Viele Bürger haben das Vertrauen verloren, weil auf Ankündigungen seit Jahren keine wirksamen Taten folgen. Heidenheim braucht eine andere Führung. Eine Führung, die den Bürgern zuhört, ihre Sorgen ernst nimmt und endlich den Mut hat, notwendige Entscheidungen zu treffen. Wer Verantwortung trägt, muss handeln und nicht verwalten.
Birgit Schulz, Schnaitheim