Die Heidenheimer Feuerwehr hat ein Problem, dass auch vielen anderen Firmen, Vereinen und Institutionen in Deutschland zu schaffen macht: Es fehlt an Personal. „Steigende Belastungen im Berufsleben, Fachkräftemangel und zunehmender Zeitdruck wirken sich auf die Verfügbarkeit und das Engagement im Ehrenamt aus“, bilanzierte am Freitagabend der Kommandant der Wache, Rainer Spahr, im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr im Kasino der Firma Hartmann.
Zwar seien die Personalzahlen in den verfügbaren Statistiken der letzten Jahre „nicht sehr verlässlich“, so Rainer Spahr, da durch Krankheit, örtliche oder zeitliche Abwesenheit und Doppelmitgliedschaften starke Schwankungen auftraten. Trotzdem ist ein klarer Trend erkennbar: „Die Mitgliederzahlen in Heidenheim und speziell in der Feuerwehrabteilung Heidenheim nehmen immer weiter ab“. So gab es vor etwa 30 Jahren noch mehr als 60 aktive Mitglieder. Zehn Jahre später war diese Zahl bereits auf 50 gesunken, „aktuell liegen wir bei knapp 40 Frauen und Männer. Das ist zu wenig“.
Er erinnerte daran, dass es Ehrenamtliche seien, die das Rückgrat der kommunalen Gefahrenabwehr bilden würde. Die Rekrutierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre wie beispielsweise ein Tag der offenen Tür, Veranstaltungen in der Fußgängerzone sowie Besuche in Schulen und Kindertagesstätten „haben nur wenig Wirkung gezeigt“. Und auch der eigene Nachwuchs aus der Jugendfeuerwehr kann den Abgang der Einsatzkräfte personell momentan nicht ausgleichen.

Um aber die immer umfangreicher werdenden Aufgaben auch zukünftig adäquat erledigen zu können, „müssen wir jetzt reagieren“, warnte der Feuerwehrkommandant eindringlich. Es habe sich deshalb bereits im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe gebildet. Das Ergebnis der Beratungen: Man sucht sich jetzt „professionelle Hilfe“, wie Rainer Spahr ausführte.
Imagekampagne gegen die Personalnot
Um die richtigen Zielgruppen anzusprechen und Kinder und Jugendliche sowie Quereinsteiger aus allen Bevölkerungsschichten für ein Engagement in der Heidenheimer Freiwilligen Feuerwehr zu motivieren, wurde beschlossen, eine Imagekampagne zu starten. Über eine externe Werbeagentur soll die einheimische Bevölkerung angesprochen werden. Wie so etwas aussehen könnte, soll im Rahmen der nächsten Sitzung des Heidenheimer Gemeinderates präsentiert werden.
Erste Gespräche bezüglich der Imagekampagne mit einem infrage kommenden Dienstleister seien bereits geführt worden, sagte Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo in seinem Grußwort. Ein erstes Angebot habe man bereits erhalten, das dem Gemeinderat noch vor der Sommerpause vorgestellt werden soll. Seitens der Stadt wolle man dafür 50.000 Euro zur Verfügung stellen, „weil sich keiner von uns vorstellen möchte, was passiert, wenn man die 112 anruft und es kommt keiner“.
Salomo zeigte sich zudem erfreut darüber, dass man in diesem Jahr an die Feuerwehr in Großkuchen einen neuen Mannschaftstransportwagen und ein neues Löschfahrzeug an die Abteilung Heidenheim übergeben werde. Zudem sei nun auch die Ausstattung der Einsatzabteilungen mit neuer Einsatzkleidung abgeschlossen, insgesamt 230 Sätze seien beschafft worden.
Der scheidende Kreisbrandmeister Michael Zimmermann bedankte sich in seinem Grußwort bei der Feuerwehr Heidenheim „für knapp sechs Jahre Unterstützung in meinem Amt“. Angesichts der aktuellen Herausforderungen, sagte er, dass diese das „Spiegelbild unserer Gesellschaft“ seien. „Alles, was dort passiere, habe Auswirkungen, „wir sind da keine abgeschlossene Blase“. Doch angesichts der Tatsache, dass der Bevölkerungsschutz vor großen Herausforderungen stehe, betonte er, dass Resignation noch nie etwas gewesen sei, „was am Ende Lösungen erbracht habe“.
Bezüglich der Novellierung des Feuerwehrgesetzes im baden-württembergischen Landtag noch in diesem Jahr zeigte sich Hans-Frieder Eberhardt, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, erfreut, dass auch Standpunkte aus dem Landkreis Heidenheim in eine Stellungnahme des Landesfeuerwehrverbandes geflossen seien. So sprach man sich beispielsweise dafür aus, das Ende der aktiven Feuerwehrzeit an das jeweils aktuell gültige Renteneintrittsalter zu koppeln.
Ein Feuerwehrjahr in Zahlen
2025 rückte die Heidenheimer Feuerwehr zu insgesamt 467 Einsätzen aus, das waren 34 mehr als im Jahr davor. Davon waren 89 Einsätze Brände, bei denen vier Personen gerettet wurden, es gab ein Brandopfer. Insgesamt zählten die Einsatzabteilungen im letzten Jahr 202 Mitglieder, sechs weniger als noch im Jahr 2024. Erfreulicherweise stieg die Zahl der Mitglieder der Jugendfeuerwehr von 42 auf 51.

