Vor drei Wochen habe ich einen Brief nach Dänemark abgeschickt, der leider immer noch nicht angekommen ist. In Dänemark stellt die Post seit Jahresbeginn keine Briefe mehr zu, das macht jetzt ein privates Unternehmen. Ob die lange Laufzeit meines Briefs aber nun am dänischen Dienstleister liegt oder die deutsche Post sich auf dem Weg bis zur Landesgrenze viel Zeit gelassen hat, weiß ich natürlich nicht.
Was aber gewiss ist: Dass die Königsbronner ab März erst mal einen weiteren Weg zurücklegen müssen, falls sie eine Postfiliale benötigen. Dem Betreiber des kleinen Geschäfts im dortigen Rewe, der zum 1. März schließt, kann man keinen Vorwurf machen, er ist ein privater Unternehmer, der für sich eine Entscheidung getroffen hat. Die Post setzt mittlerweile ausschließlich auf private Partner und betreibt selbst keine Filialen mehr. Dadurch ist sie auch abhängig von den Dienstleistern und deren Entscheidungen.

Warum die Königsbronner Postfiliale zum Ende des Monats schließt
Mitte der 1990er-Jahre wurde die Deutsche Post privatisiert, um die Effizienz zu steigern und Kosten zu sparen. Auf dem Weg von der staatlichen Institution zur Aktiengesellschaft ging aber leider auch vieles an Service verloren, was man früher noch nicht einmal Service genannt hätte, sondern als Selbstverständlichkeit verstanden hat. Mittlerweile müssten alle erkannt haben, dass der Markt nicht alles regelt und es unternehmerisch immer dort schwierig wird, wo Dienstleistungen oder Infrastruktur nicht rentabel sind.
Nun lässt sich das Rad aber nicht mehr zurückdrehen und es hat sich auch vieles an den äußeren Umständen verändert seit Mitte der 1990er-Jahre. Der Briefverkehr ist massiv zurückgegangen. In Dänemark sollen es um 90 Prozent weniger Briefe als zur Jahrtausendwende sein, auch in Deutschland werden immer weniger Briefe verschickt – und Hand aufs Herz: Wann haben Sie den letzten (privaten) Brief geschrieben? Zugenommen hat aber die Menge der Pakete, und dafür braucht man eben auch Postfilialen, denn die Packstationen, für die man mittlerweile auch noch ein Smartphone und eine App benötigt, sind oft eine Zumutung.
Hoffen wir, dass es in Königsbronn bald weitergeht mit der Postagentur, damit es Ansprechpartner vor Ort und nicht nur stählerne Schrankwände gibt.

