Rittersaal

Opernfestspiele Heidenheim: So war die Premiere von Giuseppe Verdis „Otello“

Psychologisch dicht, musikalisch famos: Bei den Opernfestspielen Heidenheim hatte „Otello“ Premiere. Rosetta Cucchi verlegt Giuseppe Verdis Spätwerk in eine zeitlose Gegenwart.

„Il fazzoletto! Il fazzoletto!“ Ob ein weißes Stück Stoff im – schätzungsweise – Format 30 mal 35 Zentimeter jemals zuvor mehr Leid und Elend verursacht hat? Wohl kaum. Das berüchtigtste Taschentuch der Literaturgeschichte wandert von Otellos Händen in die der Desdemona und letztlich in die Klauen desjenigen, der den Tod des Liebespaares instrumentalisiert. Ein Stück Stoff als umstrittenes Beweisstück? Gab es schon Jahrhunderte vor O. J. Simpson und jenem blutverschmierten Handschuh. Bei Shakespeare, natürlich, und später bei Verdi, natürlich. Und nun auch in Heidenheim, wo die Opernfestspiele Otello lieben, (ver)zweifeln und letztlich sterben lassen, natürlich.

Um Anfang und Ende dieser „Otello“-Inszenierung gleich vorwegzugreifen: Einen „Mohren“ sucht man in Heidenheim vergeblich. Und das Ableben des venezianischen Feldherrn erfolgt nicht auf Zypern. Rosetta Cucchi verfrachtet das Dramma lirico ins Hier und Heute. Das Wo bleibt gewollt vage, der Handlungsort dieses „Otello“ ist namenlos, staatenlos.