Blutig wurde es zum Glück nicht, als sich am Sonntag zwei Piratenmannschaften in der Sport- und Festhalle in Mergelstetten gegenüberstanden. Denn der Konflikt, den die Musical-Gruppe „Act-and-sing“ der Klasse 5a des Schiller-Gymnasiums dort auf die Bühne brachte, konnte mit Köpfchen und Verstand, statt mit stumpfer Gewalt gelöst werden. Wäre es zu einem Blutvergießen gekommen, wäre aber immerhin jede Menge geschultes Personal vor Ort gewesen – am Sonntag hatte der DRK-Kreisverband Heidenheim zum Neujahrsempfang eingeladen.
Es sollte ein ungewohnt politischer Empfang werden, wie DRK-Präsidentin und Heidenheims Bürgermeisterin Simone Maiwald in ihrer Rede anmerkte. Denn so manche der geladenen Gäste befanden sich so kurz vor der Landtagswahl bereits im Wahlkampf. Ein guter Anlass, so Maiwald, um die Politik daran zu erinnern, was sie von Ehrenämtlern wie denen des DRK lernen könne: „Politik sollte Kompromissfähigkeit und Engagement vorleben – Werte, die nicht zuletzt das DRK vertritt. Wir brauchen dafür in der Gesellschaft wieder ein stärkeres Bekenntnis.“
Neue Helfer-vor-Ort-Gruppe in Herbrechtingen
Dass Menschen im Landkreis Heidenheim nach wie vor bereit sind, dieses Bekenntnis zum DRK abzulegen, demonstrierte Simone Maiwald in ihrem Rückblick auf das Jahr 2025. Durch eine großangelegte Werbeaktion konnte die Zahl der Fördermitglieder auf fast 9000 erhöht werden; zudem wurde in Herbrechtingen eine neue Helfer-vor-Ort-Gruppe gegründet. Dabei handelt es sich um professionelle ehrenamtliche Ersthelfer aus der Nachbarschaft, die im Ernstfall die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes oder Rettungsdienstes überbrücken.
Maiwald verwies auf die vielen Aspekte des Lebens, in denen das DRK präsent ist, darunter Rettungshundestaffel, Schulsanitätsdienst, Seniorengymnastik und Kleiderkammer, um nur einige wenige zu nennen.

Was Hund und Herrchen bei der BRH-Rettungshundestaffel in Herbrechtingen lernen können
Ein Punkt, der das DRK seit Jahren umtreibt, ist das Thema Helfergleichstellung. Damit ist die rechtliche Gleichstellung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer in Hilfsorganisationen wie dem DRK mit den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk gemeint. Das im Dezember verabschiedete Landeskatastrophenschutzgesetz hat hier an einigen entscheidenden Schrauben gedreht.

Im Jahr 2026 freut sich das DRK darüber hinaus auf abgeschlossene und stabil fortschreitende Projekte: Die neue Rettungswache in Nattheim soll spätestens im Februar eingeweiht werden, der Bau des Brenzpark-Quartiers in Heidenheim schreitet voran, und der Spatenstich für den Ersatzbau des Herbrechtinger Karl-Kaipf-Heims könnte ebenfalls noch dieses Jahr erfolgen. Diese und weitere Neuerungen sollen die Arbeit des DRK unterstützen – „damit das Rote Kreuz ein verlässlicher Anker in einer sich rasant ändernden Welt bleibt“, so Simone Maiwald.
Eine Aussage, der sich Landrat Peter Polta nur anschließen konnte: „Auf das Rote Kreuz ist Verlass, selbst wenn es oft nur leise im Hintergrund arbeitet.“ Die Kombination aus Haupt- und Ehrenamt sah Polta als essenziell an, nicht zuletzt, weil dieses Engagement nicht an Gemeindegrenzen aufhöre. Das sehe man eben an der Nattheimer Rettungswache, von der auch der Rest des Härtsfeldes inklusive Neresheim profitieren werde.
Auf das Rote Kreuz ist Verlass, selbst wenn es oft nur leise im Hintergrund arbeitet.
Peter Polta, Landrat Landkreis Heidenheim
Polta hob ebenfalls den Wert des ehrenamtlichen Engagements hervor, etwa bei den Helfern vor Ort, „einem entscheidenden Glied in der Rettungskette“, so der Landrat. Auch im Bereich Pflege schrieb Polta dem DRK den Status als „unverzichtbarer Partner“ zu.
Den großen Bogen nach Berlin schlug der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter in seiner Rede mit Verweis auf den Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz, infolgedessen zehntausende Haushalte tagelang ohne Strom blieben. „Der Wiederaufbau des Stromnetzes ist auch durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer erfolgt“, erzählte Kiesewetter, der gleichzeitig mahnte, dass Eigenvorsorge für Katastrophenfälle immens wichtig sei.
Klaus Pavel, Vizepräsident des DRK-Landesverbands, lobte, dass „die Rot-Kreuzler einfach da sind, ohne groß Fragen zu stellen“. Es gebe weltweit keine Organisation, die humanitär so wichtig sei wie die internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung.

Hans-Joachim Seuferlein, Geschäftsführer der AOK-Bezirksdirektion Ostwürttemberg, sprach Entwicklungen an, die im Landkreis Heidenheim zuversichtlich stimmen können, darunter die Neufassung des Landesrettungsdienstgesetzes. „Unsere Notfallversorgung wird sich wandeln“, prognostizierte Seuferlein. Dazu gehöre etwa die Einführung des Telenotarztsystems, bei dem eine Notärztin oder ein Notarzt per Bildschirm zugeschaltet werden kann, wenn Rettungskräfte vor Ort ärztliche Unterstützung benötigen.

Erste Hilfe per App: Wie Ersthelfer in der Region Heidenheim alarmiert werden
Ehrungen von Förder- und Bereitschaftsmitgliedern
Beim Neujahrsempfang wurden mehrere Menschen für ihre langjährige Unterstützung des DRK ausgezeichnet. 13 Bereitschaftsmitglieder wurden für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt, seit 40 Jahren dabei sind Harald Batari, Kai Katzer, Inge Koch und Volker Mehrsteiner.
Mehrere Fördermitglieder wurden ebenfalls geehrt. 25 Jahre Mitgliedschaft können 17 Menschen für sich verzeichnen, seit 40 Jahren dabei sind Christine Marianek und Gisela Puck. Ganze 50 Jahre Mitglied ist Willi Pfalz.

