Neues Stück

Mit „Ich Romeo, Du Julia“ traut sich das Schnaitheimer Sasse-Theater an waschechte Shakespeare-Texte heran

Die erste Sasse-Inszenierung 2026 heißt „Ich Romeo, Du Julia“. Mit dem Zwei-Personen-Stück wagt sich das Schnaitheimer Theater an Shakespeare-Texte heran und versucht den Spagat zwischen Komik und Melancholie.

O Romeo, Romeo, warum bist du Romeo? Und vor allem: Wer bist du? Und wie viele? Fragen über Fragen, die sich William Shakespeare seinerzeit nur partiell stellte. Das Sasse-Theater tut das hingegen vollumfänglich und bis ins kleinste Detail sezierend. Mit „Ich Romeo, Du Julia“ startet das Ensemble aus Schnaitheim am 7. März in die diesjährige Spielsaison. Die Komödie orientiert sich – nach eigenen Angaben – „soso lala“ an Shakespeares unvermeidlicher Tragödie „Romeo und Julia“.

Zur Handlung: Während oben, im fürs Publikum unsichtbaren Theaterhaus, die wohl berühmt-berüchtigtste Liebesgeschichte der Welt gespielt wird, treffen sich direkt darunter in der Theaterkantine zwei Bekannte. Der eine (Benjamin Hessenauer) hat als Statist im Stück nur zwei Zeilen Dialog aufzusagen und fristet die Wartezeit in der Kantine. Der andere (Markus Beuther) feiert just an diesem Tag seinen 40. Geburtstag. Gemeinsam beginnen die beiden, einige Szenen aus „Romeo und Julia“ aufzuführen. Schließlich wissen sie viel besser als die buchstäblich „da oben“, wie so eine Inszenierung auszusehen hat. Was als Ulk beginnt, entwickelt sich rasch zu einem intensiven Wechselspiel und -bad der Gefühle.

Marion Hessenauer und Lars Helfert führen bei dem Stück Regie.
Marion Hessenauer und Lars Helfert führen bei dem Stück Regie. Foto: Natascha Schröm

Das Sasse-Stück bringen die beiden Regie-Veteranen Marion Hessenauer und Lars Helfert auf die Schnaitheimer Bühne. Gerade letzterer hat schon seit gut 20 Jahren den Wunsch gehegt, „Ich Romeo, Du Julia“ aufzuführen. „Das ist eine Komödie mit sehr viel Liebe zum Theater und sehr viel Liebe zum Detail“, erläutert Helfert. Dieses Jahr hat sich ganz besonders für die Aufführung angeboten, denn 2026 feiert das Sasse-Theater 50-jähriges Bestehen. Das Jahresprogramm wird anlässlich dessen mit so einigen großen Besonderheiten aufwarten. Entsprechend stark ist der Verein in die Jubiläumsplanung eingebunden, entsprechend „ressourcenschonend“ müssen die regulären Spielzeiten vorbereitet werden.

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Folglich wird mit „Ich Romeo, Du Julia“ ein Zwei-Personen-Stück auf die Bühne gebracht. Zuletzt war das 2022 mit „Kerle auf Kur“ der Fall gewesen, als im Zuge der Coronapandemie sparsam agiert werden musste. Keinesfalls soll ein vergleichsweise kleines Ensemble jedoch bedeuten, dass hier an Qualität gespart wird. „Vor den beiden Schauspielern muss man den Hut ziehen“, lobt Marion Hessenauer. Zum einen lastet die schauspielerische Leistung natürlich auf deren beider Schultern, zum anderen ist das Stück textlich alles andere als einfach gestrickt.

Das ist eine Komödie mit sehr viel Liebe zum Theater und sehr viel Liebe zum Detail.

Lars Helfert, Teil des Sasse-Regie-Duos

Neben dem regulären Dialog der Charaktere zitieren die beiden das gesamte Stück über regelmäßig und oftmals minutenlang Shakespeare in seiner Gänze. „Um diese Texte dem Publikum zu vermitteln, muss man sich stark in sie hineinversetzen, damit man sie zunächst einmal selbst versteht“, so Hessenauer.

Beide Sasse-Schauspieler verkörpern neben ihren Hauptrollen abwechselnd sämtliche Figuren aus „Romeo und Julia“. Somit schlüpft jeder der Akteure in rund zehn verschiedene Rollen und wechselt oftmals rapide zwischen ihnen hin und her. „Eine anspruchsvolle Aufgabe“, weiß auch Lars Helfert. Die Aufgabe des Regie-Duos liegt hingegen unter anderem darin, die Komödie nicht in den Slapstick abdriften zu lassen – „obwohl die Verlockung da ist“, gibt Hessenauer zu. Von Anfang an sei ihr und Helfert klar gewesen, das Stück nicht als eine für die Sasse übliche Verwechslungskomödie zu inszenieren.

Sämtliche Requisiten zweckentfremdet

Eines Sasse-Markenzeichens darf sich „Ich Romeo, Du Julia“ dann aber doch bedienen: Die Inszenierung nutzt den begrenzten Raum der Bühne äußerst effektiv. Sämtliche Requisiten und Kulissenelemente der Theatertaverne werden dabei genutzt und umgebaut, zweckentfremdet und umfunktioniert. Dabei zeigt sich etwa: So ein Lampenschirm eignet sich ganz hervorragend als die Haube der Amme. Noch so eine Frage, die sich Shakespeare vermutlich nie gestellt hat, und die Sasse doch beantwortet.

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Aufführungstermine und Kartenverkauf

Premiere feiert „Ich Romeo, Du Julia“ am Samstag, 7. März, ab 20 Uhr. Weitere Aufführungstermine: 14., 15., 21., 22., 27., 28. und 29. März sowie 11., 12., 18., 19., 25. und 26. April. Karten sind unter anderem im Pressehaus in Heidenheim sowie online unter hz-ticketshop.de erhältlich.