Leserbrief

Lassen Sie uns auf Fakten schauen und nicht mit Polemik argumentieren

Leserbrief zm Leitartikel von Guido Bohsem "Kompliziertes Verbot" über Karl Lauterbach und die Homöopathie vom 8.2.2024 im überregionalen Teil der HZ, den die Südwestpresse Ulm verantwortet.


Sehr geehrter Herrn Bohsem, wir haben Verständnis dafür, wenn Sie Dinge pointiert ausdrücken möchten. Wir haben allerdings kein Verständnis, wenn Sie respektlos gegenüber anderen sind, die anderer Meinung sind. Indem Sie Homöopathie als "Quatsch" bezeichnen, diskreditieren Sie die über 50 Millionen Menschen in Deutschland, die nach der neuesten repräsentativen Umfrage von Allensbachs die Homöopathie nutzen (entsprechend 60% der Gesamtbevölkerung).

Außerdem diskreditieren sie 60.000 Ärztinnen und Ärzte, die homöopathische Medikamente für ihre Patientinnen und Patienten anwenden. Alle diese Ärzte haben neben der universitären Ausbildung und Facharztweiterbildung zusätzlich eine Ausbildung in ihrem jeweiligen komplementärmedizinischen Gebiet und sind damit doppelt qualifiziert.

Auch wir persönlich als Fachärzte für Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Integrativmediziner und leitende Ärzte der Klinik für Integrative Medizin am Heidenheimer Klinikum, fühlen uns durch Ihren Leitartikel persönlich in eine Ecke gestellt und herabgewürdigt.

Wir verwenden die konventionelle Medizin wie auch die Komplementärmedizin so, wie es der einzelne Mensch braucht. Nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch." Das "Beste aus beiden Welten", wie die WHO die Integrative Medizin definiert. Wir erleben täglich am Krankenbett die Wirksamkeit homöopathischer Medikamente und anderer komplementärer Therapieverfahren. Genauso sind wir von der konventionellen Medizin überzeugt. Für beides sind wir dankbar und möchten auf keines der beiden verzichten.

An dieser Stelle sei kurz auf die wissenschaftliche Beurteilung der Homöopathie eingegangen. Sie referieren, dass keine Wirksamkeit nachgewiesen sei. Wer so etwas behauptet, beachtet unseres Erachtens nicht die aktuelle Studienlage. Kürzlich ist in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift "Systematic Reviews" eine systematische Zusammenfassung mit hohen wissenschaftlichen Standards veröffentlicht worden, die eine Wirksamkeit der Homöopathie klar nachgewiesen hat.

Zusätzlich gibt es eine sehr gute Grundlagenforschung, bei der reproduzierbar die Wirkung homöopathischer Medikamente auf Organismen gezeigt wird. Eine Zusammenfassung der Studien findet sich auf der Homepage der Universität Bern, die zu dem Ergebnis kommt: "…dass homöopathische Präparate spezifische Wirkungen zeigen, die sich von Placebo unterscheiden, wenn sie adäquat eingesetzt werden."

Für homöopathische Medikamente gibt es also eine gute wissenschaftliche Grundlage, die Patienten schätzen sie und viele Ärzte verschreiben sie zusätzlich zur konventionellen Medizin. Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, die Vielfalt, die wir glücklicherweise bei den gesetzlichen Krankenkassen in geringem Maße noch haben, weiter einzuschränken. Lassen Sie uns auf Fakten schauen und nicht mit Polemik argumentieren. Davon haben wir schon genug in unserer Gesellschaft.

Dr. med. Ulrich Geyer, Dr. med. Tobias Daumüller, Dr. med. Andreas Laubersheimer, Landkreis Heidenheim