Kulturschiene

Kracher und Lacher: Wie „Die Physikanten“ Heidenheim (beinahe) auf den Kopf stellten

Explosiv, gewagt, urkomisch: „Die Physikanten“ sorgten mit ihrer Mischung aus Physik, Chemie, Mathematik und Comedy im Heidenheimer Lokschuppen für Kracher und Lacher.

Spektakuläre Experimente versprachen am Donnerstag „Die Physikanten“, bekannt aus Fernsehsendungen wie „Wer weiß denn sowas XXL“, dem ZDF-Fernsehgarten oder „Galileo“. 300 Besucher im ausverkauften Lokschuppen wollten diese interaktive Show mit dem Namen „Ich hab’ da mal was vorbereitet“ sehen, einen Mix aus Physik, Chemie, Mathematik und Comedy. Gerüchte, dass die Lokation in Schutt und Asche gelegt werden könnte, waren natürlich vollkommen unbegründet. Der Kopf des Entschärfungskommandos, Marcus Weber, zeigte eine bunte, ungemein kurzweilige Abfolge an Experimenten, erklärte diese mit reichlich Hintergrundwissen und sorgte mit seiner lockeren, ungezwungenen Art nicht nur für Kracher, sondern auch für zahlreiche Lacher.

Publikum dient als Versuchskaninchen

Am Beispiel eines vollen Sektglases erläuterte Weber die radiale Zentrifugalkraft, auch bekannt als Fliehkraft. Sie entsteht durch Rotation und war eine erste echte Belastungsprobe für die Besucher der ersten Reihe. Wie man mit einer einfachen Kunststoffflasche die oberste Kerze eines Weihnachtsbaumes ausbläst, war Gegenstand eines weiteren spannenden Experimentes.

Das Publikum wurde immer wieder in die Show einbezogen und fungierte als Versuchskaninchen. Da gab es schonmal den ein oder anderen skeptischen Blick, ob der Versuch tatsächlich auch unfallfrei vonstattengeht. Beim Coandă-Effekt erzeugt Strömungsluft einen Staudruck. Dabei umströmt Gas durch den direkten Kontakt an einem konvexen oder gekrümmten Gegenstand selbigen und lässt ihn, ganz simpel gesagt, durch die Luft schweben. Weber verdeutlichte diesen Umstand anhand eines Wasserballes und eines Schraubenziehers.

Bisweilen explosiv ging es bei der Show zu.
Bisweilen explosiv ging es bei der Show zu. Foto: Rudi Penk

Im Anschluss wurde es explosiv: Weber brachte flüssigen Stickstoff zum Sieden, dessen Siedepunkt bei frostigen minus 196 Grad Celsius liegt. Doch es geht auch wärmer: Nach dem Motto „Learning by Burning“ zauberte Weber zwei Rijke-Röhren hervor und erhitzte diese mit seinem Bunsenbrenner. Im unteren Bereich der Röhren befindet sich ein kleines Heizgitter, durch welches die erhitzte Luft aufsteigt und eine senkrechte Strömung erzeugt. Der Effekt war faszinierend und so entstand das Röhren-Orchester, mit welchem Weber Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ anstimmte.

Die Umwandlung von unpolarisiertem in polarisiertes Licht mithilfe eines Polarisationsfilters und Reflexion durfte ebenso wenig fehlen wie der Einsatz von Helium, mit welchem Marcus Weber überdimensionale Seifenblasen über die Köpfe des Publikums schweben ließ. Zum Schluss der Show wurde es nochmals spektakulär, indem Weber flüssigen Stickstoff in rauen Mengen einsetzte.

Appell: Physikkoffer rausholen

Marcus Weber hat mit seinem Programm alle Altersklassen gleichermaßen abgeholt. Die Jüngsten unter den jungen Besuchern wurden dazu animiert, den Physikkoffer herauszuholen und für explosive Vorweihnachtsstimmung zu sorgen. Die Eltern wurden parallel dazu veranlasst, einen genaueren Blick in ihre Gebäude- und Hausratsversicherung zu werfen. Schüler aller Jahrgangsstufen dürften noch nie spannenderen und vor allen Dingen humorvolleren Physikunterricht genossen haben und auch die Erwachsenen kamen aus dem Staunen kaum mehr heraus und haben etwas fürs Leben gelernt.  Mit clever eingespielten Clips sorgte der Diplom-Physiker zusätzlich für Erheiterung. 

Der nächste Auftritt in der Kulturschiene

Bereits am kommenden Mittwoch, 3. Dezember, wird der renommierte Schauspieler, Regisseur und Lyriker Kai Wiesinger („Kleine Haie“, „Der bewegte Mann“, „Comedian Harmonists“) sein neues Buch „Zurück zu ihr“ im Rahmen der Kulturschiene vorstellen. Die Lesung um einen Trip in die Vergangenheit beginnt um 20 Uhr im Lokschuppen.