Mit Handschlag begrüßt Oberbürgermeister Michael Salomo jeden Jugendlichen im Jugendzentrum „Treff 9“ persönlich, bevor die Fragerunde und damit die Diskussion über die Stadt der Zukunft beginnt. Wie stellen sich junge Menschen ihr Heidenheim vor?
Die Schülerinnen und Schüler sind gut vorbereitet. Denn im Rahmen des Aktionstags „Schule trifft Rathaus“ haben die beiden 9. Klassen des Hellenstein-Gymnasiums bereits konkrete Fragen erarbeitet und sich im Vorfeld mit den Freuden und Tücken der Kommunalpolitik beschäftigt.
Da sich das Rathaus momentan im Umbau befindet, wurde der Aktionstag in das Jugendzentrum „Treff 9“ verlegt. Die 15- bis 16-Jährigen einigten sich demokratisch auf mehrere Themenkomplexe, über die sie debattieren wollten. Immer zwei Schüler stellen ihr Thema vor und konfrontieren den OB mit ihren Anliegen, die größtenteils mitten aus dem Leben sprechen.
Wunsch nach mehr jugendfreundlichen Plätzen in Heidenheim
Auf die Frage nach der geplanten Picknickwiese am Rathausplatz und nach mehr jugendfreundlichen Plätzen stellte Salomo den Umbau des Rathauses vor. 48 große Bäume sollen den Rathausplatz säumen, zudem sollen sowohl ein Spielplatz als auch eine große Wiese angelegt werden. Spätestens bis 2027 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Auch beim Wunsch nach mehr Sportanlagen und einer größeren Vielfalt an Gastronomie in der Innenstadt verweist der Bürgermeister auf die sich im Umbau befindliche Innenstadt. Zudem haben Jugendliche unter 15 Jahren freien Eintritt in den Brenzpark und die Möglichkeit, mit Freunden etwa den Jugendtreff „Treff 9“ zu besuchen. Fast eine Million Euro kostet die Instandhaltung der Jugendeinrichtungen, die momentan jedoch wenig nachgefragt seien.
Beim Wunsch nach dem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zeigten sich die Tücken des Föderalismus. Denn für die Busanbindungen innerhalb des Landkreises sei nicht die Stadt, sondern der Landkreis verantwortlich, so Salomo. Zudem erklärt er, dass momentan aus Kostengründen eher eine Reduzierung als eine Ausweitung des ÖPNV in Sicht ist.
Ich kann zwar das Gebäude an jemanden vermieten, aber ich kann niemandem vorschreiben, welche oder wie teuer Produkte verkauft werden.
Michael Salomo, Oberbürgermeister
Die Frage der Zuständigkeit spiegelt sich auch im Wunsch nach einem Kiosk wider, der speziell für Schüler kostengünstige Lebensmittel anbieten soll. „Ich kann zwar das Gebäude an jemanden vermieten, aber ich kann niemandem vorschreiben, welche oder wie teuer Produkte verkauft werden“, erklärte Salomo und beantwortete damit auch die beliebte Frage nach dem Döner für einen Euro und warum das Rathaus das nicht organisieren kann. Der Treff 9 biete aber zweimal die Woche ein Mittagessen für unter einem Euro an, bei dem jeder gerne vorbeikommen kann.
Eine Absage muss der OB auch dem Vorschlag einer Rutsche vom Schloss hinunter in die Stadt erteilen. Nicht nur wegen der dadurch entstehenden Kosten, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass das Schloss nicht direkt der Stadt, sondern dem Land Baden-Württemberg gehört.
Diese Idee für den Rathausplatz kam von Jugendlichen
Zwar ist nicht alles möglich, was sich die Jugendlichen wünschen, aber Organisatorin Carolin Schmid hält den Austausch zwischen dem Oberbürgermeister und den Jugendlichen für sehr wichtig. Viele junge Leute fühlten sich von der Politik nicht gehört und hätten hier die Möglichkeit, ihre Anregungen weiterzugeben. So sei die Idee eines Trinkbrunnens am neuen Rathausplatz an einem solchen Aktionstag entstanden. Auch dem Ruf nach mehr Angeboten jenseits der Fußballplätze habe man entsprochen – etwa mit einer Pumptrack-Strecke und einem Gamingtreff zum gemeinsamen Spielen von Computerspielen.
Die anwesenden Lehrkräfte bestätigen die Wichtigkeit solcher Aktionstage. Die Jugendlichen nähmen deutlich mehr aus diesem Vormittag mit als in der einen Stunde Gemeinschaftskunde pro Woche. Es sei wichtig, ihnen zu vermitteln, dass man für Demokratie auch aktiv etwas tun müsse. Im Gegenzug bieten solche Treffen auch der Stadtverwaltung eine andere Perspektive, die sonst selten gehört werde. Man nehme die Politik darüber hinaus konkret in die Verantwortung, sich für ihre Wünsche stark zu machen.
Neben dem Hellenstein-Gymnasium nimmt mit der Eugen-Gaus-Realschule auch erstmals eine Realschule an den jährlich stattfindenden Aktionstagen teil. Die Schulen müssen proaktiv auf die Stadt zukommen, um einen solchen Tag zu gestalten. Um ein breiteres Gesellschaftsbild abzudecken, bräuchte es solche Aktionstage auch an Gesamtschulen, betont Carolin Schmid und hofft, dass in Zukunft weitere Schulen auf sie zukommen werden.

Das hat die Stadt für die Jugend in Schnaitheim geplant
Aktionstag als Beitrag zur Demokratiebildung
Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LPB) bietet den Aktionstag „Schule trifft Rathaus“ für Kommunen im Land an. Mitarbeitende erklären den Jugendlichen die wichtigsten Eckpunkte der Kommunalpolitik und erarbeiten gemeinsam mit ihnen realistische Vorschläge für die Diskussion mit dem Stadtoberhaupt.
Organisiert wird der Aktionstag in Heidenheim von Carolin Schmid. Sie ist Leiterin des Jugendreferats der Stadt und betreut zudem weitere Jugendeinrichtungen. Sie sieht die Auseinandersetzung Jugendlicher mit Kommunalpolitik als wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung. Gleichzeitig entstehe dabei ein besseres Verständnis dafür, warum man als Stadt auf manche Dinge auch gar keinen Einfluss nehmen könne.

