Am Sonntag, 25. Januar 2026

Heidenheimerin ruft zum Gedenken an die Opfer der staatlichen Gewalt im Iran auf

In Heidenheim soll am Sonntag, 25. Januar, auf das brutale Vorgehen der iranischen Machthaber gegen die Teilnehmer an den landesweiten Protesten aufmerksam gemacht werden.

Ende Dezember 2025 begannen im Iran Massendemonstrationen gegen die anhaltende Wirtschaftskrise im Land. Sie waren auch Ausdruck der Sehnsucht nach persönlichen Freiheiten und demokratischen Rechten. Die Machthaber reagierten mit Verhaftungen und einer Internetsperre. Sie schlugen die Proteste mit brutaler Gewalt nieder. Tausende Menschen verloren dabei ihr Leben.

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Für die Heidenheimerin Sanaz Kateby (49), die vor 31 Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam, ist diese Situation kaum zu ertragen. Sie ruft deshalb für Sonntag, 25. Januar, zu einer Solidaritätsveranstaltung auf, die dem Gedenken an die Gewaltopfer gewidmet ist. Sie findet von 11 bis 14 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz neben der Stadtbibliothek statt. „Das schulde ich den Menschen, die ihr Herz in die Hand genommen haben und auf die Straße gegangen sind“, sagt Kateby.

Angst vor Repressalien

Sie hat aus freien Stücken die Initiative ergriffen, weil von den ihrer Schätzung zufolge rund 60 in und um Heidenheim lebenden Personen, die aus dem Iran stammen, bislang niemand den Mut fand, öffentlich auf den Gewaltexzess aufmerksam zu machen. Verständlicherweise hätten viele Angst vor Repressalien für ihre Angehörigen im Iran, sagt Kateby, „aber ich kann meinen Mund nicht halten, denn ich habe in Deutschland das freie Denken gelernt und die Fähigkeit erworben, über den Tellerrand hinauszuschauen“.

Zu Freunden und Verwandten ihres Mannes, der wie sie aus dem Iran stammt, hat Sanaz Kateby aufgrund der gekappten Kommunikationswege seit Wochen keinen Kontakt. In dem Land am Persischen Golf werde den Menschen unablässig eingetrichtert, Angst haben zu müssen, sagt sie. Dabei träumten sie von den Freiheiten, die sie selber habe: „Unsere Kinder sind hier geboren, sie können studieren, und wir sprechen Deutsch miteinander.“

Zeichen der Solidarität

Die Kundgebung am Sonntag soll ein Zeichen der Solidarität sein – mit Fotos getöteter Demonstranten, Kerzen und spontanen Redebeiträgen. Kateby selbst will einige Gedichte vortragen. Sie weiß, dass die von ihr initiierte Veranstaltung nichts an der Lage im Iran zu ändern vermag. Dennoch will sie mit Blick auf die anderen globalen Brandherde der Machtlosigkeit größtmögliche Aufmerksamkeit entgegenstellen, „denn leider scheint es so zu sein, dass die geografische Lage maßgeblich bestimmt, als wie wichtig eine Krise eingestuft wird“.

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