Landtagswahlkampf

Großer Zulauf: So lief der Auftritt von Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir im Heidenheimer Lokschuppen ab

War das der Auftritt des nächsten Ministerpräsidenten des Landes? Das wird die Wahl entscheiden. Das Interesse an Cem Özdemir im Lokschuppen war jedenfalls sehr groß. Mancher musste sich die Nase plattdrücken.

Drinnen: ein in grün ausgeleuchteter Lokschuppen, in dem so viele Platz fanden, wie die Kapazität hergab. Draußen: ein paar Dutzend Menschen, die trotz immer noch winterlicher Temperaturen 80 Minuten ausharrten, um zuzuhören, oder sich, um visuell dabei zu sein, die Nasen an die Scheiben drückten. Kurzum: Der Ansturm auf den Wahlkampfauftritt des Spitzenkandidaten der Grünen, Cem Özdemir, war groß.

Nicht alle konnten rein: Das Interesse am Auftritt war groß. Dennis Straub

Clara Resch, die Grünen-Landtagsabgeordnete im Landkreis, redete zu Beginn am Sonntagnachmittag auch nicht um den heißen Brei herum und kündigte Özdemir, dessen Wahlkampftournee ihn zwischen einem Auftritt in Aalen und dem Schwaben-Derby in der Arena auf dem Schlossberg in den Lokschuppen führte, als den „nächsten Ministerpräsidenten des Landes“ an.

Ob der 60-Jährige tatsächlich Landesvater wird, dürfte sich am 8. März entscheiden. Der Polit-Profi hat aber natürlich genaue Vorstellungen, wie er regieren würde und welche Akzente er setzen will: Sein Machtanspruch ist, das betonte er mehrfach, mit einem Miteinander verknüpft. „Ideen werden zu oft danach bewertet, von wem sie sind, und nicht danach, ob sie gut oder schlecht sind. Das muss sich ändern. Es muss nur darum gehen, was gut fürs Land ist. Alles andere stärkt die radikalen Kräfte. Im Ringen um gute Lösungen brauchen wir einander“, sagte der Spitzenkandidat.

Man fragt sich bei den Nachrichten aus der Welt schon manchmal, wo die falsch abgebogen sind.

Cem Özdemir

Özdemir, der den Wahlkampf nicht so führen wolle wie einst Friedrich Merz – „alles allen versprechen und dann Schulden machen wie der Weltmeister“ –, spannte bei seinem Auftritt an der Brenz einen weiten thematischen Bogen: Er streifte die Weltlage, redete über Probleme und Lösungen auf europäischer Ebene und sprach über die Finanzierung von Vorhaben in den Kommunen.

Wärmepumpe, Stromtrassen. Spracherwerb bei Migration, Altersgrenze für soziale Netzwerke, Entbürokratisierung, Lobbyismus, Putin, Trump, China: Das alles brachte Özdemir unter, fast ausschließlich ernst und staatstragend, selten mit Seitenhieben – wobei die Pointen gegen Scheuer, Dobrindt, Reiche oder Merz durchaus saßen.

Einen Schwerpunkt setzte er beim Thema Bildung: Hier gelte es, schon vor der Schule anzusetzen, weshalb das letzte Kindergartenjahr verpflichtend und kostenfrei sein müsse. Alle Kitajahre ohne Gebühren anzubieten, sei zwar wünschenswert, aber nicht finanzierbar. „Ob Eltern arm oder reich sind, darf nicht über die Bildungschancen eines Kindes entscheiden“, so der Grünen-Kandidat.

Wirtschaftsministerin Reiche möchte sich nur an ihrem Vorgänger rächen.

Cem Özdemir

Es gab viel Applaus im Lokschuppen, am Ende gar im Stehen. Am ausdauerndsten war das Klatschen, als Özdemir auf eine Frage aus dem Publikum antwortete, in der es um ein Ja oder Nein zu einem AfD-Verbot ging. Das Thema, so der Befragte, sei zu wichtig, um damit Wahlkampf zu machen. Sollte er die Wahl gewinnen, werde er sich aber dafür einsetzen, dass parteiübergreifend über ein Verbot diskutiert wird. Es gelte, für die Werte des Landes einzustehen.

Clara Resch: Standort Heidenheim trägt das Land

Für die Grünen-Kandidatin des Landkreises, Clara Resch, stellt sich bei der Wahl am 8. März die Frage, ob das Land mit einem Ministerpräsidenten der Grünen „klaren Kurs“ hält, oder im anderen Fall in die Richtungslosigkeit steuert.

Die Landtagsabgeordnete will am 8. März ein Mandat von den Wählenden für Stuttgart erhalten und dort, wie bisher, „für Heidenheim Ergebnisse“ erzielen. Im Landtag in Stuttgart wolle sie sich weiter für das einsetzen, was den Landkreis präge: Industrie, Mittelstand, Handwerk sowie die Menschen, die an einem Standort leben, der Baden-Württemberg „trage“. „Heidenheim ist nur auf der Landkarte am Rand. Hier zeigt sich exemplarisch, was das Land zu bieten hat“, so die Grünen-Kandidatin, die im Lokschuppen den Klimaschutz als das prägende Investitionsthema des Jahrzehnts bezeichnete.

Die Kandidierenden für die bevorstehende Landtagswahl am 8. März 2026. Von links oben nach rechts unten: Andreas Stoch, Clara Resch, Klara Sanwald, Michael Kolb, Maurice Chesauan, Daniel Rolfs, Petra Hackl, Dr. Jürgen Müller.

Mobilität, Bildung, Wohnen, Gesundheit: Hier gibt es alle Antworten der Kandidaten zur Landtagswahl im Überblick

Bei der HZ-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“ haben Leserinnen und Leser ihre Fragen zur Landtagswahl am 8. März an die Kandidaten stellen können. Mobilität, Bildung, Wohnen und Gesundheit sind nur einige der Themenbereiche, zu denen die Kandidaten Fragen beantwortet haben. Hier gibt es noch einmal alle Fragen und Antworten zu den unterschiedlichen Themenfeldern im Überblick:
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Landkreis Heidenheim
HZ-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“