Sexuelle Gewalt, Belästigung und Übergriffe gehören für viele Menschen zum Alltag – auch hier in der Region. Die Heidenheimer Zeitung möchte deshalb durch eine Umfrage genauer verstehen, wo Betroffene im Landkreis gefährliche Situationen wahrnehmen und wie sich öffentliche Sicherheit darstellt.
Die jüngsten Zahlen der Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ulm zeigen, wie präsent das Thema ist. Denn in der Kriminalstatistik 2025 stiegen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Landkreis Heidenheim von 170 auf 179 Fälle. Sorge bereitet der Polizei dabei vor allem der digitale Bereich. Hier wurden in elf Fällen Kinder über Messenger-Dienste zu sexuellen Handlungen aufgefordert oder mit pornografischem Material konfrontiert. Ein kleiner Lichtblick in diesem Deliktsbereich: Die Zahl der sexuellen Belästigungen im öffentlichen Raum sank von zwölf auf sieben Fälle.
Auch die Staatsanwaltschaft Ellwangen befasst sich mit einer großen Zahl an Verfahren: Von 2020 bis 2025 wurden dort jährlich im Durchschnitt 343 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Sexualdeliktes bearbeitet. Die Zahl der durch Anklage oder Strafbefehlsantrag abgeschlossenen Verfahren lag dabei zwischen 40 und 57 pro Jahr, teilte Pressesprecher und Staatsanwalt Maximilian Adis auf Anfrage der HZ mit.
Erfahrungen gefragt
Anhand dieser Zahlen wird deutlich, wie groß die Zahl der Betroffenen tatsächlich ist – und zugleich, dass viele Übergriffe nie öffentlich werden oder strafrechtlich gar nicht bis zu einem Urteil gelangen. Deshalb will die Heidenheimer Zeitung durch eine Umfrage nun aufdecken, wo Bürgerinnen und Bürger im öffentlichen oder digitalen Raum Unsicherheit empfinden, welche Orte sie meiden und welche Situationen sie erlebt haben.
Die Teilnahme ist unkompliziert: In wenigen Minuten lassen sich die eigenen Beobachtungen und Erfahrungen anonym eintragen. Ausschließlich Angaben zum Alter, Geschlecht und zur Postleitzahl sind dabei verpflichtend anzugeben. Wer möchte, kann zusätzlich eine E-Mail-Adresse hinterlassen. So besteht für unsere Volontärin Jana Durner die Möglichkeit, sich bei Interesse an einer vertiefenden persönlichen Geschichte zurückzumelden. Ansonsten verläuft die Umfrage anonym.
Hier geht's direkt zur Teilnahme:
Willkommen im Crowd-Newsroom
Die Umfrage basiert auf einem Crowd-Newsroom – einem Werkzeug, das es ermöglicht, viele Menschen an Recherchen zu beteiligen. So kann die Redaktion systematisch erfassen, welche Situationen im Landkreis Heidenheim als gefährlich, belastend oder prägend wahrgenommen werden. Je mehr Menschen teilnehmen, desto klarer zeichnet sich ab, wie es um das Sicherheitsgefühl in den Städten und Gemeinden tatsächlich steht.
Die Heidenheimer Zeitung wird die Auswertung nicht in der Schublade verschwinden lassen. Im Gegenteil: Auffällige Hinweise und dringliche Themen werden bereits während der laufenden Umfrage recherchiert. Zugleich sollen Expertinnen und Experten sowie kommunale Verantwortliche mit den gesammelten Erfahrungen konfrontiert werden – mit der Bitte um Einordnung, Zahlen und Fakten, Stellungnahmen und Lösungsansätze.
Warum machen wir das?
Öffentliche Sicherheit lebt davon, dass Probleme erkannt und benannt werden. Viele Menschen schildern jedoch Übergriffe oder bedrohliche Situationen nicht direkt bei Behörden oder Hilfsstellen. Mit dieser Recherche möchten wir sichtbar machen, was Betroffene und Beobachtende bewegt – und so ein realistisches, von den Menschen vor Ort geprägtes Bild der Lage im Landkreis Heidenheim zeichnen.
Macht Ihr mit? Hier klicken und direkt an der Umfrage teilnehmen.
Bei persönlicher Belastung:
Für viele kann das Thema auch Erinnerungen oder Erfahrungen hervorholen, die etwas in einem auslösen. Bei Hilfe kann man bei folgenden Ansprechpartnern Hilfe finden:
Das Hilfetelefon für Beratung und Hilfe für Frauen ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 116 016 und via Online-Beratung werden Betroffene 365 Tage im Jahr rund um die Uhr unterstützt. Die Beratung ist anonym und kostenfrei.
Das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ ist ein Angebot für Männer, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 0800 1239900 können Männer montags bis donnerstags von 8 bis 13 und 15 bis 20 Uhr sowie freitags von 8 bis 15 Uhr via Online-Beratung Unterstützung bekommen. Die Beratung ist kostenlos und anonym.
Bei der Nummer gegen Kummer können sich Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Bezugspersonen kostenlos und anonym beraten lassen. Es gibt die Möglichkeit eines Kinder- und Jugendtelefons unter Tel. 116 111, das Elterntelefon unter Tel. 0800 111 0550 sowie eine Online-Beratung für Kinder und Jugendliche.

