Fragen und Antworten

Geflüchtete und Integration im Landkreis Heidenheim: Die Kandidaten zur Landtagswahl im Vergleich

Warum werden Kriminelle ohne deutschen Pass nicht konsequent abgeschoben? Wie können Menschen mit Migrationshintergrund stärker in das öffentliche Leben eingebunden werden? Was sind die Pläne, um Baden-Württemberg attraktiver für ausländische Fachkräfte zu machen? Unsere Leserinnen und Leser haben den Kandidaten zur Landtagswahl ihre Fragen gestellt. Hier sind die Antworten.

Wie positionieren Sie sich grundsätzlich zur zukünftigen Ausrichtung der Migrations- und Asylpolitik?

Andreas Stoch, SPD: Die irreguläre Migration ist bereits deutlich zurückgegangen. Eine geordnete Migration in gebotenem Umfang braucht unser Land aber dringend. Dazu stehen wir auch.

Clara Resch, Grüne: Wir Grünen stehen zu unserer Verantwortung als starkes Einwanderungsland. Migration braucht klare Regeln. Wir bauen das kommunale Integrationsmanagement gezielt aus mit verpflichtenden Sprachkursen, früher Arbeitsmarktintegration und festen Integrationslotsen vor Ort.

Michael Kolb, CDU: Für mich braucht Migration klare Ordnung und Humanität. Die CDU setzt auf Schutz für Verfolgte, wirksame Begrenzung irregulärer Migration und schnellere Verfahren. Wer bleibt, muss integriert werden. Wer kein Bleiberecht hat, muss unser Land wieder verlassen – das schafft Akzeptanz.

Klara Sanwald, FDP: Ich setze mich ein für eine kontrollierte und geordnete Zuwanderung. Dazu gehören Grenzkontrollen, Zurückweisungen in berechtigten Fällen und Abschiebungen, aber auch Sprach- und Integrationsangebote sowie schnelle Verfahren für diejenigen, die in unserer Gesellschaft anpacken und etwas leisten wollen.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Das 9-Punkte-Sofortprogramm der AfD sieht vor, diese existenzielle Frage allen Bürgern in Baden-Württemberg in einem Volksentscheid zur Abstimmung vorzulegen: Zurückweisung an unseren Außengrenzen? Umstellung von Geld- auf Sachleistungen? Rechtmäßige Abschiebung Ausreisepflichtiger?

Daniel Rolfs, Linke: Eine Änderung des Migrationssystems ist unabdinglich: Es ist ausgelegt auf Abschreckung, nicht auf Inklusion und Integration. Geflüchtete müssen stärke inkludiert werden, Chancen statt Hürden erhalten, und früh z. B. durch Arbeit an der Gesellschaft teilhaben dürfen. Menschen muss geholfen werden.

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Stopp der illegalen Migration, gezielte Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland und gesetzliche Grundlagen, um Menschen mit Migrationshintergrund, die unbescholten ihrer Arbeit nachgehen und sich gut integriert haben mitsamt Deutschkenntnissen, das Bleiberecht zu geben, unabhängig von der „richtigen“ Einwanderung in unser Land und dem Herkunftsland.

Maurice Chesauan, BSW: Ich bin grundsätzlich für mehr Zuwanderung von Fachkräften, die wir aufgrund des demografischen Wandels in Deutschland dringend benötigen. Wir müssen mehr Geld in Integration investieren und die Menschen in Arbeit bringen. Wer mit einem berechtigten Grund bei uns Asyl sucht, sollte dies bekommen und wer keinen hat, muss wieder gehen. Wir können nicht die ganze Welt bei uns aufnehmen.

Der Heidenheimer SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Stoch tritt erneut an. Foto: Fionn Große

Warum werden kriminelle Geflüchtete bzw. Kriminelle ohne deutschen Pass nicht konsequent abgeschoben?

Andreas Stoch, SPD: Soll „konsequent“ so viel heißen wie „sofort“ oder „ohne Rechtsmittel“? Dann ist die Antwort einfach: Weil nicht nur unsere Gesetze, sondern auch unsere Rechtssicherheit für alle Menschen gelten – ohne Ausnahme.

Clara Resch, Grüne: Abschiebungen erfolgen nach Recht und Gesetz, wenn die Voraussetzungen vorliegen. In der Praxis scheitern sie häufig an fehlenden Papieren, ungeklärter Identität, mangelnder Kooperation der Herkunftsstaaten oder laufenden Gerichtsverfahren. Wenn die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen, müssen Rückführungen konsequent erfolgen.

Michael Kolb, CDU: Abschiebungen scheitern oft an langen Verfahren oder fehlender Mitwirkung von Herkunftsstaaten. Die CDU setzt sich für schnellere Entscheidungen und klare Zuständigkeiten ein. Straftäter ohne Bleiberecht müssen konsequent zurückgeführt werden, um den Rechtsstaat glaubwürdig zu halten.

Klara Sanwald, FDP: Das hat viele Ursachen. Manche Herkunftsländer nehmen ihre Staatsbürger einfach nicht zurück, in vielen Fällen fehlen Ausweisdokumente. In vielen anderen Fällen funktionieren der Staat und seine Abläufe auch nicht gut genug. Wir setzen uns für mehr Rücknahmeabkommen mit Herkunftsländern ein.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Mit einem positiven Votum aus der Volksabstimmung könnte dieser wichtigen Frage wieder höheres Gewicht, auch in der Bundespolitik, verschafft werden. Entwicklungshilfe sollte z. B. klar an politische Forderungen zu unserem Nutzen verbunden werden.

Daniel Rolfs, Linke: Weil es nicht geht. Wenn man nicht weiß, wohin, kann man nicht abschieben. Auch eine Kooperation des Abschiebelandes ist notwendig. Kriminelle sollen zur Rechenschaft gezogen werden. Eine Strafe tritt in mutmaßlichen Herkunftsländern oft nicht ein.

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Es gibt dafür unterschiedliche Gründe: Staaten, die ihre Staatsbürger nicht mehr zurücknehmen wollen, strikte Vorgaben wie, wann und mit was Personen in ihre Heimatländer zurückgebracht werden dürfen. Die Politik ist hier seit vielen Jahren gefordert und nur sehr wenig ist geschehen.

Maurice Chesauan, BSW: Oft werden die Geflüchteten nicht wieder von Ihrem Heimatland aufgenommen, ich bin aber auch für eine konsequente Abschiebung von kriminellen Geflüchteten. Wer als Gast bei uns straftätig wird, hat sein Gastrecht verwirkt.

Die Heidenheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Clara Resch geht 2026 als Kandidatin für das Direktmandat ins Rennen. Foto: Elias Blumenzwerg

Stimmen Sie der Auffassung zu, dass Migration nach Deutschland vollständig beendet werden sollte und es zu einer umfassenden Remigration kommen muss?

Andreas Stoch, SPD: Überhaupt nicht. Und es würde keine Woche dauern, bis unser Land ohne Migranten völlig aufgeschmissen wäre.

Clara Resch, Grüne: Nein. Wir sind ein starkes Einwanderungsland und auf Fachkräfte aus dem In- und Ausland angewiesen. Migration pauschal zu beenden, würde unserem Land schaden. Der Begriff „Remigration“ ist ausgrenzend und diskriminierend, weil er Menschen pauschal infrage stellt. Das widerspricht unserem Verständnis von Rechtsstaat, Integration und gleichen Rechten für alle.

Michael Kolb, CDU: Eine vollständige Beendigung von Migration lehne ich ab. Deutschland braucht Zuwanderung, aber geordnet. Die CDU steht für ein klares Nein zu illegaler Migration, für Integration und für Rückführung ohne Bleiberecht – nicht für pauschale Remigrationsforderungen.

Klara Sanwald, FDP: Nein! Hinter Remigration verbirgt sich sogar der Wille, unliebsame Deutsche aus dem Land zu treiben. Mit extremistischem Gedankengut haben wir nichts zu tun.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Eine vollständige Unterbindung von Migration ist weder möglich noch sinnvoll. Arbeits- und integrationswillige Menschen sind nach einem international üblichen Punktesystem zu identifizieren. Migration in unsere Sozialsysteme ist hingegen zu beenden. Remigration konsequent nach Recht und Gesetz.

Daniel Rolfs, Linke: Nein. Das ist eine unmenschliche, unsolidarische und zutiefst faschistische Position, die wir in allen Punkten ablehnen!

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Illegale Migration muss beendet werden. Eine umfassende Remigration ist nicht sinnvoll. Dadurch würden wir viele Fachkräfte verlieren. Leider werden aber genau diese gut integrierten Menschen immer wieder zwangsweise in ihre Heimatländer zurückgebracht. Arbeitsunwillige oder straffällig gewordene Migranten brauchen wir nicht in unseren Sozialsystemen.

Maurice Chesauan, BSW: Nein, dem stimme ich nicht zu, da wir durch den demografischen Wandel dringend qualifizierte Fachkräfte auf unserem Arbeitsmarkt benötigen.

Klara Sanwald ist das Gesicht der FDP im Wahlkreis Heidenheim. Foto: privat

Warum wird nicht mehr Geld für bessere Integration ausgegeben statt für Abschiebungen und ähnliche Maßnahmen?

Andreas Stoch, SPD: Berechtigte Frage. Leider geht es da oft nur um Symbolpolitik. Ein Beispiel ist die jetzt von Innenminister Dobrindt angekündigte Streichung von Integrationskursen, die wir heftig kritisieren.

Clara Resch, Grüne: Wir setzen auf Integration mit Weitblick, weil sie Zusammenhalt schafft und Chancen eröffnet. Integrationsmanager begleiten Menschen im Alltag, fördern Austausch und Teilhabe. Wer hier lebt, soll ankommen und mitwirken können – das stärkt unser Land mehr als reine Symbolpolitik.

Michael Kolb, CDU: Integration und Rückführung sind kein Widerspruch. Die CDU setzt auf frühe Sprachförderung, Bildung und Arbeit für Bleibeberechtigte. Gleichzeitig braucht es konsequente Abschiebungen bei abgelehnten Anträgen. Beides zusammen stärkt Zusammenhalt und Akzeptanz in der Gesellschaft.

Klara Sanwald, FDP: Beide Seiten der Medaille sind wichtig. Eine Integration derer mit Bleiberecht sowie eine Abschiebung derer ohne solches.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Wie skizziert, sollte die „Schwarmintelligenz“ des Volkes in einer landesweiten Volksabstimmung über diese wichtige Frage entscheiden. Wie der Ex-Wirtschaftsweise Prof. Raffelhüschen vor kurzem berechnete, kostet uns die Migration 5,8 Billionen Euro. Ist der Steuerzahler bereit dies zu bezahlen?

Daniel Rolfs, Linke: Das fragen wir uns auch. Die Linke lehnt Abschiebungen ab.

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Die hohe Zahl an Menschen, die seit 2015 in unser Land geströmt sind, übersteigt die personellen und finanziellen Möglichkeiten, denn für unsere Bevölkerung benötigen wir ebenfalls diese Ressourcen. Eine gelungene Integration setzt aber auch den Willen voraus, sich integrieren zu lassen.

Maurice Chesauan, BSW: Das sollte Priorität haben. Wir müssen Menschen, die zu uns kommen, schnell integrieren und vor allem arbeiten lassen. Arbeit ist auch eine Form von Integration, wo man die Sprache und Kultur kennenlernt. Ansonsten entstehen weiterhin Parallelgesellschaften.

Michael Kolb will für die CDU im Wahlkreis Heidenheim in den Landtag einziehen. Foto: Ingrid Hertfelder

Flüchtlinge aus der Ukraine werden im Friedensfall in ihrer Heimat gebraucht: Sind wir darauf vorbereitet, sie dann ziehen zu lassen? Und wie soll dieser Übergang gestaltet werden?

Andreas Stoch, SPD: Selbst nach dem Ende des Angriffskriegs auf die Ukraine werden sicher nicht alle Geflüchteten sofort nachhause gehen – in welche Häuser? In welche Fabriken? Umgekehrt hätten wir sicher ein Problem, wenn alle Arbeitskräfte aus der Ukraine sofort unser Land verlassen würden.

Clara Resch, Grüne: Viele Ukrainerinnen und Ukrainer arbeiten heute in Pflege, Handwerk oder Industrie. Wenn größere Gruppen gleichzeitig gehen, entstehen Lücken. Deshalb braucht es frühzeitige Planung: Beratung zur freiwilligen Rückkehr, klare Übergangsregelungen und Strategien zur Fachkräftesicherung hier vor Ort.

Michael Kolb, CDU: Der Schutz für Ukrainer ist zeitlich begründet. Im Friedensfall braucht es Rückkehrperspektiven mit Übergangsfristen. Die CDU setzt auf freiwillige Rückkehr, Unterstützung beim Wiederaufbau und klare Regelungen, damit der Übergang fair und geordnet verläuft.

Klara Sanwald, FDP: Erfreulich viele Ukrainerinnen und Ukrainer gehen inzwischen hier einer Beschäftigung nach. Leider ist bislang kein Ende des Krieges in der Ukraine in Sicht. Doch was Betreuungsplätze, Mietwohnungen sowie Arbeitsplätze angeht, werden diese privatwirtschaftlichen Verträge sicherlich zwischen den Parteien rechtskonform abgewickelt.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Im sehr zu begrüßenden Friedensfall sollte es selbstverständlich sein, dass die ukrainischen Bürger nicht nur über Weihnachten wieder nach Hause fahren, sondern für immer in ihre Heimat zurückkehren. Deutsche Politik sollte sich fragen, warum jedes Jahr ca. 270.000 Deutsche unser Land verlassen.

Daniel Rolfs, Linke: Es wird sich zeigen, wie groß der Anteil der Rückkehrer tatsächlich sein wird. Nach fast vier Jahren ist hier für viele eher ein Zuhause, als der zerstörte Heimatort. Es wird aber einen Teil der Rückkehrer geben. Da wir für Beschäftigungsgarantien und für Zuwanderungen sind, sehen wir kein Problem.

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Wir brauchen weiterhin Fachkräfte in vielen Bereichen und können nicht warten, bis uns Ukrainer wieder verlassen. Die entsprechenden Weichen nicht nur im Bildungsbereich müssen jetzt endlich gestellt werden. Auch aus den fast 10 Millionen Menschen, die Sozialleistungen erhalten, sollten wir die benötigten Fachkräfte entwickeln bzw. wieder in die Berufstätigkeit zurückholen.

Maurice Chesauan, BSW: Wir müssen uns darauf vorbereiten, um schnelle Abläufe zu gewährleisten und die Ukrainer, sobald es Frieden gibt in ihre Heimat zurücklassen, um das Land wieder aufzubauen.

Maurice Chesauan ist Direktkandidat des BSW im Wahlkreis Heidenheim. Foto: Trinkhaus Fotografie

Wie können Menschen mit Migrationshintergrund besser erreicht und stärker in das öffentliche Leben eingebunden werden?

Andreas Stoch, SPD: Staaten mit besserer Integration machen es uns vor: Mehr Sprachkurse, mehr Betreuung. Zu einer offenen Gesellschaft gehört auch, dass wir Menschen mit Migrationshintergrund besser in unsere Vereine und ehrenamtlichen Strukturen integrieren.

Clara Resch, Grüne: Wir stärken Integrationsmanagement vor Ort und begleiten Menschen im Alltag. Bildung und Sprachförderung sind zentrale Schlüssel für Teilhabe. Wir fördern Austausch, Ehrenamt und Orte des Miteinanders und eröffnen Chancen in Schule, Ausbildung und Arbeit.

Michael Kolb, CDU: Teilhabe gelingt vor Ort. Die CDU setzt auf Vereine, Ehrenamt, Sprachförderung und kommunale Integrationsarbeit. Auch im Landkreis Heidenheim zeigt sich: Wer Menschen anspricht, einbindet und Verantwortung ermöglicht, stärkt Zusammenhalt und demokratisches Engagement.

Klara Sanwald, FDP: Spracherwerb, eine Arbeitstätigkeit sowie ehrenamtliches Engagement sind nach meinem Dafürhalten drei zentrale Punkte, mit Hilfe derer eine Integration in die Gesellschaft sehr gut gelingen kann. Integration ist aber auch keine Einbahnstraße.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Integration ist eine Bringschuld der Neubürger: Spracherwerb, Leistungswille und die Akzeptanz der Leitkultur sind die Voraussetzungen für echten gesellschaftlichen Zusammenhalt und innere Sicherheit. Je heterogener eine Gesellschaft, umso größer die potenziellen Spannungen zwischen den Gruppen.

Daniel Rolfs, Linke: Vor allem ist die Arbeitserlaubnis wichtig: Wir sprechen uns gegen ein Arbeitsverbot für Geduldete aus. Zusätzlich Zugang zu kostenlosen Sprach- und Integrationskurse für alle Geflüchtete, Integrationsbeauftragte, und bedarfsgerechte und finanzierte von Beratungsstellen für jede Kommune und mehr.

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Es gibt viele Angebote für diese Menschen, eine Teilnahme ist jedoch immer freiwillig. Die Bereitschaft, Angebote wahrzunehmen muss aber auch vorhanden sein.  

Maurice Chesauan, BSW: Durch bessere Sprachförderung in der Kita/Schule und Chancengleichheit. Und durch Arbeitsmarktintegration, in dem wir die ausländischen Abschlüsse schneller anerkennen und die Menschen in Arbeit bringen. Außerdem sehe ich soziale Teilhabe in Vereinen, Kulturzentren und Nachbarschaftsprojekte als essenziell an.

Daniel Rolfs kandidiert für die Linke im Wahlkreis Heidenheim. Foto: Florian Thierer Photographie

Kann man Flüchtlinge bzw. Asylsuchende zu gemeinnütziger Arbeit heranziehen, um Kommunen zu entlasten?

Andreas Stoch, SPD: Es gibt sicher Fälle, in denen das geht, aber so viele gemeinnützige „Hilfsarbeiten“ für Ungelernte haben unsere Kommunen oft gar nicht mehr.

Clara Resch, Grüne: Asylsuchende können bereits heute zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen werden. Dieses Instrument sollte sinnvoll genutzt werden. Klar ist aber auch: Unser Grundgesetz setzt hier klare Grenzen – verpflichtende gemeinnützige Tätigkeiten sind möglich, jede Form unverhältnismäßiger oder pauschaler Arbeitspflicht jedoch ausgeschlossen.

Michael Kolb, CDU: Ja, das halte ich für sinnvoll. Die CDU unterstützt gemeinnützige Arbeit für Asylbewerber, etwa in Kommunen oder Vereinen. Das entlastet Städte und Gemeinden, fördert Integration und vermittelt frühzeitig Verantwortung und Struktur im Alltag.

Klara Sanwald, FDP: Das ist rechtlich möglich. Der konkrete Nutzen muss von den Zuständigen im Einzelfall beurteilt werden. Wir wollen da keine verbindlichen Vorgaben machen, die am Ende vor Ort zu erheblichen Nachteilen führen könnten.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Dies ist begrüßenswert und bereits nach geltendem Recht möglich. Eine grundlose Ablehnung seitens der Flüchtlinge ist zu sanktionieren. Die praktischen Probleme (hoher Verwaltungsaufwand, Versicherungsfragen) halten Kommunen leider immer wieder davon ab.

Daniel Rolfs, Linke: Flüchtlinge sollten allgemein unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus arbeiten und teilhaben dürfen. Dies allein ist eine Entlastung für Kommunen.

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Ja, gemeinnützige Arbeit ist eine sinnvolle Methode, um Flüchtlingen oder Asylsuchende zu beschäftigen. Dabei zeigt sich auch der Wille, sich für das Land, in das man geflüchtet ist, zu arbeiten. Allerdings wird dadurch auch Personal der Behörden oder Unternehmen gebunden. 

Maurice Chesauan, BSW: Ja, ich denke es ist vernünftig, wenn Flüchtlinge bzw. Asylsuchende, die aktuell nicht arbeiten dürfen für die Stadt gemeinnützige Arbeit leisten, um die Kommunen zu entlasten.

Petra Hackl tritt für das Bündnis Deutschland im Wahlkreis Heidenheim an. Foto: Fröscher

Warum werden Menschen trotz Arbeits- oder Ausbildungsplatz abgeschoben und Kinder aus Schule oder Kindergarten gerissen, obwohl wir dringend junge Menschen brauchen?

Andreas Stoch, SPD: So unsinnig es klingt: Oft werden die abgeschoben, die am besten integriert sind, weil man die auch am besten finden kann. Das ist wieder diese Symbolpolitik. Menschen abzuschieben, die sich gut integrieren und arbeiten, ist nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern auch ökonomisch unsinnig.

Clara Resch, Grüne: Wenn Menschen hier arbeiten oder eine Ausbildung machen und ihre Kinder in Schule oder Kita integriert sind, darf so etwas nicht leichtfertig passieren. Wir stehen für verlässliche, rechtsstaatliche Verfahren mit Augenmaß – und für Integration, die Perspektiven eröffnen, statt sie abrupt zu zerstören.

Michael Kolb, CDU: Solche Fälle belasten Vertrauen. Die CDU setzt sich für klarere Regeln ein, damit gut integrierte Menschen in Ausbildung oder Arbeit eine verlässliche Perspektive bekommen. Entscheidungen müssen schneller fallen, damit Familien und Betriebe Planungssicherheit haben.

Klara Sanwald, FDP: Es werden ausschließlich rechtskräftige und vollziehbare Abschiebeanordnungen vollstreckt. Das ist in unserem Rechtsstaat glücklicherweise garantiert. Leider sind Menschen, die einer Arbeit nachgehen, dort zu Betriebszeiten im Regelfall aufhältig und daher leichter für die Behörden aufzufinden. Gewiss, es trifft in einigen Fällen die Falschen, dennoch haben wir Vertrauen in den Rechtsstaat.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Kinder haben im deutschen Recht keinen eigenständigen Aufenthaltsstatus, der von dem der Eltern losgelöst wäre. Der Staat sollte bei der Arbeitsmigration nach wirtschaftlichem Bedarf entscheiden, wen er ins Land lässt. Ausbildungs- oder Beschäftigungsduldung sind in begründeten Fällen möglich.

Daniel Rolfs, Linke: Parolen nach mehr Abschiebungen, oft mit Forderung nach hohen Zahlen, rufen ein Quotierungsverhalten hervor. Das heißt, um die Forderungen einzuhalten, werden einfach Menschen zum Abschieben herangezogen, die durch Behörden leicht gefunden werden können.

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Diese Frage treibt mich auch seit längerem um. Sicheres Herkunftsland ist eine Begründung, eine andere ist, dass die Betroffenen nicht mit dem „richtigen“ Antrag eingereist seien und daher die rechtliche Grundlage, sie in Deutschland zu halten, fehlt. Die Politik ist aber dafür da, für solche Fälle die Gesetze zu machen, damit wir nicht Fachkräfte mitsamt ihren integrierten Familienangehörigen abschieben, sondern sie dauerhaft in Deutschland bleiben können.

Maurice Chesauan, BSW: Es sollte definitiv Ausnahmen geben und gerade bei Menschen, die sich hier bei uns besonders gut integriert haben, diese sollten nicht abgeschoben werden, denn wir brauchen qualifizierte Fachkräfte.

Dr. Jürgen Müller ist der AfD-Kandidat für die Landtagswahl im Landkreis Heidenheim. Foto: privat AfD

Wegen des demografischen Wandels brauchen wir mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland: Wie wollen Sie Baden-Württemberg für ausländische Fachkräfte attraktiver machen?

Andreas Stoch, SPD: Wir brauchen eine viel schnellere Prüfung bzw. Anerkennung von ausländischen Qualifikationen, professionellere Betreuung (berufsspezifische Sprachkurse) und Assistenzen beim ganz normalen Ankommen im Land. Und wir fordern schon lange die Abschaffung der Studiengebühren für ausländische Studierende.

Clara Resch, Grüne: Wir vereinfachen und beschleunigen Verfahren über die Landesagentur für Zuwanderung, schließen internationale Kooperationen und werben gezielt Fachkräfte an. Gleichzeitig stärken wir Sprachförderung, Anerkennung von Abschlüssen, Kinderbetreuung und gute Arbeitsbedingungen – damit Ankommen und Bleiben gelingen.

Michael Kolb, CDU: Die CDU setzt auf schnellere Anerkennung von Abschlüssen, weniger Bürokratie, gute Willkommensstrukturen und bezahlbares Wohnen. Auch der Landkreis Heidenheim profitiert, wenn Fachkräfte bleiben und hier ihre Zukunft sehen.

Klara Sanwald, FDP: Beispielsweise durch Strukturen, die ihnen eine Arbeitsaufnahme hier möglichst einfach machen und schnell ermöglichen. Dazu gehört auch, unsinnige bürokratische Vorgaben zu beseitigen. Darüber hinaus werden tatkräftige und motivierte Arbeitskräfte von der Gesellschaft auch entsprechend aufgenommen.

Dr. Jürgen Müller, AfD: Ob wir angesichts der aktuellen Insolvenz- und Verlagerungswelle unserer Industrie wirklich mehr ausländische Arbeitskräfte benötigen, ist eine gute Frage. Fachleute vertreten darüber hinaus die Meinung, dass die kommende KI-Revolution in naher Zukunft leider weitere Arbeitskräfte freisetzen wird.

Daniel Rolfs, Linke: Durch ein Migrationssystem, das Inklusion, Integration und Perspektive hervorhebt.

Petra Hackl, Bündnis Deutschland: Der erste Schritt muss doch sein, junge Menschen aus unserem Land gut auszubilden. Erst dann sollten wir auf ausländische Fachkräfte zugehen. Denn diese fehlen dann in ihrem Herkunftsland. Dazu gehört: Zügige Anerkennung der Ausbildung des Herkunftslandes, schnellere und damit unbürokratischere Möglichkeit für geeignete Mitarbeiter zu engagieren, insgesamt attraktivere Bedingungen durch weniger Regulierungen schaffen. 

Maurice Chesauan, BSW: In dem wir mehr Wohnraum in Baden-Württemberg haben, attraktive Arbeitsbedingungen und durch Programme zur Förderung von qualifizierten Fachkräften für Unternehmen.

Die Kandidierenden für die bevorstehende Landtagswahl am 8. März 2026. Von links oben nach rechts unten: Andreas Stoch, Clara Resch, Klara Sanwald, Michael Kolb, Maurice Chesauan, Daniel Rolfs, Petra Hackl, Dr. Jürgen Müller.

Mobilität, Bildung, Wohnen, Gesundheit: Hier gibt es alle Antworten der Kandidaten zur Landtagswahl im Überblick

Bei der HZ-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“ haben Leserinnen und Leser ihre Fragen zur Landtagswahl am 8. März an die Kandidaten stellen können. Mobilität, Bildung, Wohnen und Gesundheit sind nur einige der Themenbereiche, zu denen die Kandidaten Fragen beantwortet haben. Hier gibt es noch einmal alle Fragen und Antworten zu den unterschiedlichen Themenfeldern im Überblick:
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Landkreis Heidenheim
HZ-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“