Im Alter von 88 Jahren

Frühere Heidenheimer Stadträtin Eva Oppermann gestorben

Jahrzehntelang setzte sich Eva Oppermann ehrenamtlich für ihre Mitmenschen ein. Jetzt ist die frühere Heidenheimer Stadträtin im Alter von 88 Jahren gestorben.

Ihre Abschiedsworte auf kommunalpolitischer Bühne hallten lange nach: Als Eva Oppermann 2007 aus dem Heidenheimer Gemeinderat ausschied, gab sie den Mitgliedern des Gremiums den Rat, öfter den kleinen Dienstweg zu wählen und auf Selbstdarstellung während der öffentlichen Sitzungen zu verzichten.

Das sagte eine Frau, die selbst immer wieder einmal laut wurde und kurzzeitig aus der Haut fahren konnte, wenn sie ihr Gerechtigkeitsempfinden verletzt sah. Dabei ging es ihr allerdings nicht um ihre Person, sondern stets um Menschen, die sich aus einer Position der Schwäche heraus behaupten mussten, die nicht selbstbewusst für ihre Anliegen streiten konnten, die einer engagierten Fürsprache bedurften. Und genau deshalb durfte sich Eva Oppermann ihre konstruktiv gemeinte Mahnung herausnehmen.

Mit Herz und Verstand

Diese Stimme, die manchmal wie ein mahnender Zeigefinger daherkam, niemals aber verletzend, ist nun verstummt: Eva Oppermann ist am 6. Mai im Alter von 88 Jahren gestorben. Was in Erinnerung bleiben wird, sind unzählige Momente, in denen sie für ihre Überzeugungen stritt. Entschieden, aber respektvoll. Streng, aber verlässlich mit einem Schuss Humor. Und ohne theatralisches Gewese, wenn eine Angelegenheit auch ohne Bohei erledigt werden konnte.

Weil Eva Oppermann Konfrontationen nicht scheute, dabei mit einer großen Lebenserfahrung an die Dinge heranging und nicht ideologiegetrieben auf Maximalforderungen beharrte, genoss sie große Wertschätzung. Mitunter übertrafen sich Kommentatoren in ihren wertschätzenden Formulierungen. Von der Mutter Courage war dann die Rede, und von der Grande Dame der Heidenheimer Sozialdemokratie.

Gelernte Krankenschwester

Heidenheims einstiger Rathauschef Helmut Himmelsbach attestierte der gelernten Krankenschwester einmal eine Mischung aus Biss und Charme, der ehemalige Landrat Hermann Mader nannte sie das personifizierte Gewissen im Landkreis, und der frühere Heidenheimer Oberbürgermeister Bernhard Ilg bescheinigte ihr, früher als andere begriffen zu haben, „dass eine Gesellschaft auseinanderbricht, wenn sie sich in Verteilungskämpfen einer Klientelpolitik erschöpft“.

Eva Oppermann hinterließ ihre Spuren in zahlreichen ehrenamtlichen Rollen. Sie war 18 Jahre lang Mitglied der SPD-Fraktion im Heidenheimer Gemeinderat, saß zudem neun Jahre im Kreistag. Als Gründungsmitglied stand sie an der Spitze des Kreisseniorenrats, gehörte zum Vorstand der Awo, des Stadtseniorenrats, des Trägervereins Werkstatt für psychisch Kranke im Landkreis Heidenheim, des Fördervereins Altenzentrum, engagierte sich beim Kinderschutzbund, im Frauenforum, beim Täter-Opfer-Ausgleich, im Bund der Antifaschisten, bei den Naturfreunden, beim Frauen- und Kinderhaus, bei der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft im Landratsamt, als Jugendschöffin beim Heidenheimer Amtsgericht, war Mitinitiatorin des Eugen-Loderer-Zentrums.

Zahlreiche Auszeichnungen

Lang ist die Liste der Auszeichnungen, die Eva Oppermann zuteilwurden: Bundesverdienstkreuz, Goldene Ehrennadel, Bürgermedaille und Römischer Adler der Stadt Heidenheim, außerdem seitens des Landkreises das Mammut in Gold. Heidenheim verliert mit Eva Oppermann eine Frau, die durch ihren Einsatz für die Benachteiligten in der Gesellschaft unvergessen bleiben wird. Sie hinterlässt einen Satz, der vielen Mahnung und Ansporn zugleich sein sollte: „Einer allein kann gar nichts bewegen.“