Fragen und Antworten

Energie und Klima im Landkreis Heidenheim: Die Kandidaten zur Landtagswahl im Vergleich

Bei den Themenfeldern Energie und Klima gehen nicht nur in der Bevölkerung die Meinungen auseinander. Auch in der Politik werden Fragen zu Kernkraft und Erneuerbaren Energien unterschiedlich beantwortet. Die lokalen Kandidatinnen und Kandidaten für die Landtagswahl machen dabei keine Ausnahme.

Befürworten Sie grundsätzlich eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien?

Andreas Stoch (SPD): Natürlich. An dieser Energiewende führt kein Weg vorbei.

Clara Resch (Grüne): Ja, wir Grünen setzen klar auf eine Energiewende mit Erneuerbaren. Bereits heute stammt mehr als die Hälfte des im Land erzeugten Stroms aus Sonne, Wind und Biomasse. Wir treiben den Ausbau weiter voran und investieren in Netze, Speicher und intelligente Steuerung für eine saubere, sichere Versorgung.

Michael Kolb (CDU): Ja, ich befürworte die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien. Die CDU setzt auf einen ausgewogenen Mix aus Sonne, Wind, Biomasse und Wasserkraft. Wichtig ist Versorgungssicherheit und Akzeptanz. Langfristig ist Kernfusion ein großes Thema

Klara Sanwald (FDP): Ja, ich befürworte eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien, aber sie muss realistisch, bezahlbar und technologieoffen umgesetzt werden. Erneuerbare sind zentral, zugleich brauchen wir gesicherte Leistung als Backup, perspektivisch auch wasserstofffähige Kraftwerke, und wir wollen neue Kernenergie-Technologien sowie Kernfusion ohne ideologische Scheuklappen diskutieren.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Unsere Industrie beantwortet diese Frage mit Füßen und geht. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 650 TWh Strom produziert, im Jahr 2025 nur noch 440 TWh. Wir sind nicht mehr in der Lage, den Strom zu produzieren, den wir verbrauchen. Die grüne Energiewende kostet keine Eiskugel, sondern unsere Jobs.

Daniel Rolfs (Linke): Ja, die Energiewende ist alternativlos

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  EEs sind grundsätzlich eine Möglichkeit zur Stromerzeugung, benötigen allerdings immer auch konventionelle Kraftwerke, auch Atomkraft zur Stabilisierung des Stromnetzes. Die EEs müssen unter den gleichen marktwirtschaftlichen Prinzipien arbeiten wie die Konventionellen; denn die Subventionen für EEs lagen allein im vergangenen Jahr bei rund 25 Mrd. Euro.

Maurice Chesauan (BSW): Absolut, wir benötigen die Infrastruktur, um vollständig auf die erneuerbaren Energien zu switchen.

Ist die Energiewende für Sie ein zentrales politisches Thema?

Andreas Stoch (SPD): Mehr als das, denn es ist nicht nur ein einziges Thema. Energie- und Industriepolitik, Verkehrspolitik, Wohnungsbau, Klimapolitik – alles ist mit der Energiewende verknüpft.

Clara Resch (Grüne): Ja, für uns Grünen ist die Energiewende zentral, weil die Klimakrise unsere Heimat trifft: Hitze, Starkregen und Extremwetter gefährden Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität. Wir schützen, was uns erhält – unsere Natur, unsere Städte und Dörfer – und übernehmen Verantwortung für kommende Generationen. Für uns ist die Energiewende Kern unserer Wirtschafts- und Sicherheitspolitik.

Michael Kolb (CDU): Die Energiewende ist ein zentrales Zukunftsthema. Wir sehen sie aber nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Wirtschaftskraft, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit. Klimaschutz muss praktikabel bleiben, damit er im Alltag der Menschen akzeptiert wird.

Klara Sanwald (FDP): Ja, die Energiewende ist ein zentrales politisches Thema, weil sichere und bezahlbare Energie die Grundlage für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit ist. Entscheidend ist, Klimaschutz so zu organisieren, dass Versorgungssicherheit und Kosten im Blick bleiben und wir auf Innovation statt Symbolpolitik setzen.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Die verlässliche Verfügbarkeit von günstiger Energie ist für unsere gesamte Volkswirtschaft von essenzieller Bedeutung. Der Verbrauch von Energie und die Wirtschaftsleistung sind linear miteinander verknüpft: Weniger Energie, weniger Wirtschaftsleistung, weniger Wohlstand. Zentraler geht es kaum.

Daniel Rolfs (Linke): Ja. Eine Energieversorgung, die unsere Umwelt schont, ist zwingend notwendig.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  Bezahlbare und sichere Energieversorgung ist für mich ein wichtiges Thema. Sie bildet die Basis für eine erfolgreiche Gesellschaft und Wirtschaft. Ohne günstige Energie weniger Wirtschaftskraft, ohne Wirtschaftskraft droht Wohlstandsverlust. Kein Land folgt unserem Energiekurs, stattdessen gelten wir als abschreckendes Beispiel. 

Maurice Chesauan (BSW): Die Energiewende ist für mich ein sehr wichtiges Thema, allerdings gibt es bei uns in der Partei Experten, die sich damit im Detail beschäftigen und Programme entwickeln.

Der Heidenheimer SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Stoch tritt erneut an. Foto: Fionn Große

Wie kann die Energiewende für alle bezahlbar gemacht werden?

Andreas Stoch (SPD): Indem wir diese Wende begleiten, sie nicht alleine Marktmechanismen überlassen und einkommensschwächere Menschen unterstützen. Wenn nur Wohlhabende sich E-Mobile, Wärmepumpen und Passivhäuser leisten können, wird es keine echte Wende.

Clara Resch (Grüne): Bezahlbar wird die Energiewende nur im Zusammenspiel: Wir bauen Erneuerbare wie Sonne und Wind konsequent aus und investieren zugleich in Netzausbau, Speicher und intelligente Steuerung. So kommt sauberer Strom zuverlässig an, Engpässe werden vermieden und die Kosten bleiben stabil. Und wir machen uns von Diktatoren unabhängig.

Michael Kolb (CDU): Die CDU setzt auf niedrigere Strompreise durch weniger Abgaben, Netzentgelte und Umlagen. Bezahlbarkeit ist entscheidend. Effizienz, Technologieoffenheit und gezielte Förderung helfen, Haushalte und Unternehmen im Landkreis Heidenheim zu entlasten.

Klara Sanwald (FDP): Bezahlbar wird die Energiewende, wenn wir die Stromkosten spürbar senken, Netze, Speicher und Erzeugung koordiniert ausbauen und das Energiesystem digitalisieren. Dazu gehören Smart Meter und flexible Tarife, damit Verbrauch in günstige und netzdienliche Zeiten verschoben werden kann, und zugleich braucht es steuerbare Kapazitäten, bis ausreichend verlässlicher Ersatz aufgebaut ist.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Selbst der Präsident der IHK Ostwürttemberg, Markus Maier, bestätigt mittlerweile, dass die Energiepolitik viele Mittelständler in existenzielle Schwierigkeiten bringt und die Kosten dieser Politik – Zitat – „kaum tragbar“ seien. Die korrekte Frage scheint, wie man die Energiewende revidieren kann.

Daniel Rolfs (Linke): Energie- und Wasserversorgung muss in öffentliche Hand. Energiekonzerne müssen in Gemeineigentum überführt werden. Sozialtarife für Wärme- und Energie sollen Menschen mit niedrigem Einkommen entlasten. Eine landesweite Förderung soll energetische Sanierungen aller Immobilien sichern und ermöglichen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  Bezahlbar kann die Energie nur werden, wenn die Ziele nach der wirtschaftlichen und finanziellen Machbarkeit ausgerichtet werden. Solange wir einen Großteil unserer Energie noch durch fossile Energieträger generieren, kann das vorgegebene Tempo nicht eingehalten werden und zeigt, dass wir es nicht nur mit EEs schaffen. Die CO2-Abgabe muss gesenkt, am besten abgeschafft werden, das bringt eine spürbare finanzielle Entlastung für alle.

Maurice Chesauan (BSW): keine Antwort

Kann das Land eine Ertüchtigung der Stromnetze befördern, damit mehr Photovoltaik- und Windkraftanlagen angeschlossen werden können?

Andreas Stoch (SPD): Wir meinen ja. Der Netzbetreiber Terranets bw könnte vom Land zu einer richtigen Infrastrukturgesellschaft ausgebaut werden, die sich aktiv und effizient um zukunftsfähige Netze kümmert – vom Wasserstoff bis zum Smartgrid.

Clara Resch (Grüne): Ja, wir investieren gezielt in Stromleitungen, moderne Verteilnetze, Speichertechnologien und intelligente Steuerung. Mit einem klugen Netzausbau schaffen wir die Voraussetzungen, damit mehr Photovoltaik- und Windkraftanlagen angeschlossen und erneuerbarer Strom zuverlässig eingespeist werden kann.

Michael Kolb (CDU): Ja, das Land kann den Netzausbau deutlich beschleunigen. Die CDU fordert schnellere Genehmigungen und bessere Koordination. Nur mit leistungsfähigen Stromnetzen können Photovoltaik und Windkraft auch im ländlichen Raum wie im Kreis Heidenheim sinnvoll genutzt werden.

Klara Sanwald (FDP): Ja, das Land kann die Ertüchtigung der Stromnetze befördern, indem es Verfahren beschleunigt, Bürokratie abbaut und den Ausbau konsequent priorisiert. Im Wahlprogramm ist dafür auch eine Task Force „Stabile Netze“ vorgesehen, die Ausbau und Ertüchtigung vorantreiben soll.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Der freie Markt sollte über diese Frage entscheiden, keine Planwirtschaft die nahezu immer monetäre Ressourcen fehlallokiert. Mit wetterabhängigen Energien kann kein Industriestandort gesichert werden. Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts, wie Erhard trefflich bemerkte.

Daniel Rolfs (Linke): Ja, z.B. durch Digitalisierung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, sowie vorausschauende Planung von Trassenrouten.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): In BW leben wir in einer windschwachen Region, nur wenige Standorte sind aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll. Daher sollte der Ausbau nicht mehr gefördert werden. Solaranlagen haben wir ausreichend in BW und sollten vor allem von den Betreibern für den Eigenbedarf genutzt werden ohne weitere Förderung.

Maurice Chesauan (BSW): keine Antwort

Die Heidenheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Clara Resch geht 2026 als Kandidatin für das Direktmandat ins Rennen. Foto: Elias Blumenzwerg

Wo bleibt das Klimageld?

Andreas Stoch (SPD): Gute Frage. Offenbar gab es im Bund Probleme mit der Umsetzung und der Abrechnung. Und es wird natürlich auch gestritten, ob man das Geld direkt auszahlen oder die Entlastungen anders umsetzen soll.

Clara Resch (Grüne): Das Klimageld ist in erster Linie eine Frage der Bundespolitik. Für uns ist aber klar: Die Transformation muss sozial gerecht gestaltet werden. Damit Klimaschutz dauerhaft akzeptiert wird, braucht es einen sozialen Ausgleich. Das Klimageld ist dafür ein zentrales Instrument. Klimaschutz darf niemanden überfordern – deshalb verbinden wir ökologische Verantwortung mit bezahlbarer Energie.

Michael Kolb (CDU): Das Klimageld muss kommen, um Menschen zu entlasten. Die CDU drängt auf eine unbürokratische Rückgabe der CO₂-Einnahmen. Gerade Familien und Pendler im Landkreis Heidenheim brauchen spürbare Entlastung statt zusätzlicher Belastungen.

Klara Sanwald (FDP): Klimageld ist grundsätzlich richtig, weil Einnahmen aus CO₂-Bepreisung bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen sollten. Die konkrete Auszahlung liegt vor allem beim Bund, und wir setzen uns dafür ein, dass die Rückgabe schnell, transparent und unbürokratisch erfolgt.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Die korrekte Frage muss lauten, wo die Abschaffung der planwirtschaftlichen CO2-Bepreisung bleibt. Wir leben erdgeschichtlich in einer CO2-armen Epoche. CO2 ist ein essentielles Spurengas, ohne welches es kein Pflanzenwachstum und keinen Sauerstoff zum Atmen gäbe. Photosynthese, Stoff der Klasse 7.

Daniel Rolfs (Linke): Das wüssten wir auch gerne. Wir setzen uns dafür ein, den Nutzer von Anfang an nicht zu belasten.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  Nicht eine weitere Subvention namens Klimageld ist die Lösung, sondern eine Senkung bzw. Abschaffung der CO2-Abgabe. Diese Abgabe schlägt sich auf alle Produkte durch, verteuert beständig die Kosten für Lebensmittel und Wirtschaftsgüter und reißt ein immer größeres Loch in unsere Geldbeutel.

Maurice Chesauan (BSW): Diese Frage stelle ich mir auch. Wir als BSW sind für eine Abschaffung der CO2 Steuer, die jedes Jahr das Leben unserer Menschen verteuert.

Was wird getan, um Ladeinfrastruktur – auch im ländlichen Raum – auszubauen?

Andreas Stoch (SPD): Eine ganz erhebliche Rolle spielen hier die lokalen Energieversorger, und beispielsweise die Stadtwerke Heidenheim unternehmen allerhand. Das Land könnte helfen, Ladepunkte vorzufinanzieren – sonst haben wir die alte Henne-Ei-Problematik.

Clara Resch (Grüne): Wir bauen die Ladeinfrastruktur konsequent weiter aus, setzen uns für günstigen Ladestrom ein und ermöglichen bidirektionales Laden. So schaffen wir verlässliche Rahmenbedingungen für E-Mobilität im ganzen Land – mit dem Ziel, dass klimafreundliche Mobilität alltagstauglich und bezahlbar wird.

Michael Kolb (CDU): Die CDU treibt den Ausbau der Ladeinfrastruktur voran. Neben Förderprogrammen braucht es einfachere Genehmigungen und Kooperationen mit Kommunen und Unternehmen. Auch kleinere Orte im Landkreis Heidenheim müssen verlässlich Ladeangebote erhalten.

Klara Sanwald (FDP): Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur setzen wir vor allem auf private Investitionen statt auf immer neue Förderprogramme. Dafür braucht es schnellere Genehmigungen, weniger Auflagen und verlässliche Rahmenbedingungen, damit Ladepunkte flächendeckend wirtschaftlich entstehen können.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Die AfD lehnt jede Planwirtschaft ab. Der Markt sollte entscheiden, ob sich E-Mobilität auf Batteriebasis durchsetzt oder z. B. die Methanol-Brennstoffzelle, für die die bestehende Infrastruktur weiterhin genutzt werden könnte. Woher sollen die Rohstoffe für ein flächendeckendes Ladenetz herkommen?

Daniel Rolfs (Linke): Wir sind für das Verbrenneraus. Einerseits sorgt das für Planungssicherheit, die Nachfrage und Produktion von E-Autos begünstigt, und an sich eine Erweiterung der Ladeinfrastruktur hervorruft. Andererseits sind wir bereit mit Beteiligungen der öffentlichen Hand den Ausbau zu beschleunigen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  Die Ladeinfrastruktur braucht mehr Zeit, um flächendeckend anzukommen und sollte von privaten Unternehmen ausgebaut werden ohne Subventionen und am Markt orientiert. Wir können auch das nicht staatlich verordnet übers Knie brechen.

Maurice Chesauan (BSW): Dafür braucht es deutlich mehr Förderung, um die Attraktivität von E-Autos zu stärken und für Menschen ohne Einfamilienhaus zu ermöglichen. Die Ladeinfrastruktur muss außerdem im öffentlichen Raum ausgebaut werden.

Michael Kolb will für die CDU im Wahlkreis Heidenheim in den Landtag einziehen. Foto: Ingrid Hertfelder

Was wollen Sie unternehmen, um Deutschland und Baden-Württemberg unabhängiger von Energieimporten zu machen?

Andreas Stoch (SPD): Energie im Land erzeugen! Dass wir im Südwesten bei der Windkraft unter Grün-Schwarz kaum vorankommen, ist ja leider ein Allgemeinplatz. Aber auch bei der Photovoltaik machen uns die Bayern etwas vor. Und für die Industrie müssen wir jetzt schon an den Wasserstoff denken.

Clara Resch (Grüne): Wir setzen konsequent auf Erneuerbare wie Sonne, Wind und Biomasse und treiben deren Ausbau weiter voran. Mit Investitionen in Stromleitungen, Speichertechnologien und intelligente Steuerung stärken wir eine verlässliche, dezentrale Energieversorgung – und machen uns so unabhängiger von Importen.

Michael Kolb (CDU): Unabhängigkeit entsteht durch eigene Energieerzeugung. Wir setzen auf heimische erneuerbare Energien, Speichertechnologien und Wasserstoff. Gleichzeitig müssen Netze und Infrastruktur ausgebaut werden, damit Baden-Württemberg krisenfester wird.

Klara Sanwald (FDP): Unabhängiger von Energieimporten werden wir, wenn wir heimische Erzeugung stärken, Netze und Speicher ausbauen und den Wasserstoffhochlauf beschleunigen. Bei Importen ist Diversifizierung wichtig und zugleich müssen wir dort, wo es wirtschaftlich und umweltverträglich ist, auch über heimische Förderung und zusätzliche Bezugsquellen sprechen.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Mit Verlaub: Es ist paradox, grundlastfähige Energieinfrastruktur aus reiner Ideologie heraus zu zerstören und sich danach zu fragen, wo unser Strom herkommen soll. Wollte unser Land unabhängig von Energieimporten werden, müsste zu dem breite Energiemix der Vergangenheit zurückgekehrt werden.

Daniel Rolfs (Linke): Einerseits sind erneuerbare Energien ein großer Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Andererseits ist ein EU-Weites Netz, um regionale Dunkelflauten abzufangen, durchaus etwas gutes, um Versorgungssicherheit und Effizienz sicherzustellen. Die Vernetzung muss verstärkt werden.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  Wir sind ein energiearmes Land, daher sind wir auf Energieimporte angewiesen. Eine breite Aufstellung in Sachen Energieversorgung ein Grundpfeiler, die Nutzung eigener Ressourcen umso wichtiger.

Maurice Chesauan (BSW): Wir müssen die erneuerbaren Energien ausbauen, solange die Erneuerbaren nicht ausreichend Energie liefern, können wir aber auf fossile Energieträger nicht verzichten. Eine exportstärke Industrie braucht wettbewerbsfähige Energiepreise und Versorgungssicherheit.

Welche Rolle können Agri-Solar-Projekte spielen?

Andreas Stoch (SPD): Ich fände es prima, wenn wir den Gegensatz „Solarfeld oder Landwirtschaft“ aufheben könnten. Und hier wäre eben das Land gefragt: Agri-PV kostet beim Bau etwas mehr, das kann man ausgleichen und so deutlich bessere Lösungen finden.

Clara Resch (Grüne):  Agri-Solar kann Landwirtschaft und Energiewende verbinden. Durch die Doppelnutzung von Flächen für landwirtschaftliche Produktion und Photovoltaik stärken wir regionale Wertschöpfung, erzeugen saubere Energie vor Ort und erhöhen die Unabhängigkeit – ohne zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen.

Michael Kolb (CDU): Agri-Solar kann Landwirtschaft und Energieerzeugung verbinden. Die CDU unterstützt solche Projekte, wenn sie regional angepasst sind und Flächen doppelt nutzen. Auch im Landkreis Heidenheim bietet das Chancen für Landwirte und die Energiewende.

Klara Sanwald (FDP): Agri-PV kann eine wichtige Rolle spielen, weil landwirtschaftliche Nutzung und Stromerzeugung kombiniert werden und so Flächenkonflikte reduziert werden. Wir wollen deshalb Agri-PV sowie Dach-, Parkplatz- und Infrastrukturlösungen priorisieren, statt einseitig auf großflächige Freiflächenanlagen zu setzen.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Ein weiterer Ausbau der nicht grundlastfähigen wetter- und tageszeitabhängigen Energieerzeugung wird das energetische Gesamtbild nicht ändern, egal ob Schafe unter den Panels weiden oder nicht. Über das EEG bezahlt der Steuerzahler für solche Anlagen oft noch höhere Vergütungssätze an die Betreiber.

Daniel Rolfs (Linke): Agri-Solar ist ein Baustein der Energiewende. Die doppelte Flächennutzung erhält Ackerland und verbraucht nicht weitere Flächen. Die Kosten im Moment sind aber noch hoch, daher muss dies gezielt eingesetzt werden. Innerhalb von Energiegenossenschaften können wir uns eine breite Verwendung vorstellen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  Auch hier gilt, dass Projekte nur bei gegebener Wirtschaftlichkeit in Angriff genommen werden sollten.

Maurice Chesauan (BSW): Agri Solar-Projekte müssen Vorrang vor Freiflächen-Solar auf wertvollen Böden haben.

Daniel Rolfs kandidiert für die Linke im Wahlkreis Heidenheim. Foto: Florian Thierer Photographie

Werden zusätzliche Förderprogramme zur Sanierung von Altbauten auf Landesebene bereitgestellt?

Andreas Stoch (SPD): Wenn Sie die SPD wählen, schon. Wir sehen ein gewaltiges Potenzial, nicht nur gegen die Wohnungsnot, sondern auch für die Zukunft von Ortskernen gerade auf dem Land. Und Förderung heißt hier auch: Weg mit unnötigen bürokratischen Hindernissen.

Clara Resch (Grüne): Wir fördern energetische Sanierungen in allen Gebäudetypen. Ziel ist, den gesamten Bestand energieeffizienter zu machen, Energieverbrauch und Kosten zu senken und unsere Gebäude konsequent auf Klimaneutralität auszurichten.

Michael Kolb (CDU): Zusätzliche Sanierungsförderung ist sinnvoll. Die CDU setzt sich für verlässliche Programme ein, die Eigentümer unterstützen. Gerade ältere Gebäude im Landkreis Heidenheim brauchen praxisnahe Förderung statt ständig wechselnder Vorgaben.

Klara Sanwald (FDP): Bei zusätzlichen Sanierungsförderprogrammen bin ich zurückhaltend, weil sie häufig Bürokratie und Mitnahmeeffekte erzeugen.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Wenn sich Bauen und Sanieren, wie zuvor bereits erörtert, wieder wirtschaftlich für die Investoren lohnen würde (im Sinne ökonomischer aber auch emotionaler Rendite der Bewohner bzw. Eigentümer), müsste diese Frage nicht gestellt werden. Bauen ist aufgrund zu vieler Auflagen viel zu teuer geworden.

Daniel Rolfs (Linke): Ja, Förderungen zur energetischen Sanierung müssen bereitgestellt werden.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  Die derzeitigen Förderprogramme sind ausreichend und der Altbestand von Häusern sollte erhalten bleiben.

Maurice Chesauan (BSW): Ich bin definitiv dafür, gerade in Altbauten wo die gewünschte Wärmepumpe nicht so einfach installiert werden kann, aufgrund von nicht gedämmten Außenwänden, dort muss es höhere Förderungen geben, um dies nachzurüsten. Denn aktuell lohnen sich oft die Kosten einer Dämmung der Außenfassade nicht, da man für das Geld sehr lange heizen könnte.

Wie gehen Sie mit Fällen um, in denen bestehende, effiziente Heizsysteme (z. B. Gasthermen in Niedrigenergiehäusern) kaum sinnvoll durch Wärmepumpen ersetzt werden können?

Andres Stoch (SPD): Wir haben erlebt, wie das Heizungsgesetz an die Wand gefahren wurde. Eine echte Heizungswende wird dauern, sie wird nach und nach vollzogen und sie wird Härtefälle vermeiden. Und je mehr sich Wärmepumpen durchsetzen, desto mehr wird es auch Lösungen geben, wo es bisher noch keine gibt.

Clara Resch (Grüne): Wir setzen auf kommunale Wärmeplanung als zentrale Grundlage. Sie zeigt, wo individuelle Lösungen sinnvoll sind und wo Nahwärmenetze entstehen können. Nicht jedes effiziente Heizsystem muss sofort ersetzt werden. Entscheidend sind verlässliche Rahmenbedingungen und praktikable Übergänge zur klimaneutralen Wärmeversorgung.

Michael Kolb (CDU): Technologieoffenheit ist mir wichtig. Wo effiziente Heizsysteme gut funktionieren, braucht es vernünftige Übergangsfristen. Die CDU lehnt einen pauschalen Austauschzwang ab und setzt auf individuelle Lösungen, die Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz verbinden.

Klara Sanwald (FDP): Wir wollen technologieoffene Lösungen ermöglichen und Strom, Wärme und Gase gemeinsam denken, inklusive grüner Gase und Wasserstoff.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Die AfD ist die Partei der Freiheit. Politik ist kein Selbstzweck und hat nur moralische Legitimation, wenn sie den Menschen dient (vgl. Art. 1 unserer Landesverfassung). Warum also sollte man den Menschen vorschreiben, wie sie ihre Wohnungen zu heizen haben? Das Heizungsgesetz ist abzuschaffen.

Daniel Rolfs (Linke): Interessante Konstellation. In solchen Fällen soll eine Versorgung durch Fernwärme sichergestellt werden.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Diese Häuser benötigen auch weiterhin die Versorgung mit Gas. Wir können nicht alles abreißen und neu bauen. Das wäre weder sinnvoll noch bezahlbar.

Maurice Chesauan (BSW): Ich bin der Meinung, es muss nicht in jedem Haus eine Wärmepumpe installiert werden, gerade wenn das alte Heizsystem noch voll funktionsfähig ist. Warum sollte man eine funktionierende Heizung gegen eine Wärmepumpe ersetzen?

Dr. Jürgen Müller ist der AfD-Kandidat für die Landtagswahl im Landkreis Heidenheim. Foto: privat AfD

Werden frühere Investitionen in energieeffizientes Bauen ausreichend berücksichtigt?

Andreas Stoch (SPD): Nicht wirklich. Die Förderpolitik des Bundes könnte nachhaltiger und vor allem ergebnisorientierter sein. Letztlich geht es darum, DASS wir Energie sparen, und nicht WIE.

Clara Resch (Grüne): Energieeffizientes Bauen ist ein fester Bestandteil der Landesstrategie für Energie- und Klimaschutz in Baden-Württemberg. Es gibt Programme, Fördermittel und auch nachhaltige Finanzierungsinstrumente, die frühere Investitionen reflektieren und weiterentwickeln. Die Bewertung der Wirkung früherer Investitionen ist derzeit noch nicht vollständig systematisch erfasst oder öffentlich ausgewiesen.

Michael Kolb (CDU): Frühere Investitionen müssen anerkannt werden. Die CDU setzt sich dafür ein, dass energieeffizientes Bauen nicht entwertet wird. Wer bereits vorgesorgt hat, darf nicht benachteiligt werden – das ist eine Frage der Fairness.

Klara Sanwald (FDP): Wer bereits investiert hat, darf nicht durch ständig neue Vorgaben oder nachträgliche Verschärfungen benachteiligt werden.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Normen, energetische Standards, Zuschüsse, Steuern: Der Bausektor in Deutschland gilt unter Ökonomen und Branchenexperten als ein negatives Musterbeispiel für einen hochgradig regulierten Markt, in dem die freie Marktwirtschaft durch staatliche Steuerung fast vollständig ausgehebelt wird.

Daniel Rolfs (Linke): Nein. Diese müssen besser ausgebaut und verfügbar gemacht werden.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): keine Antwort

Maurice Chesauan (BSW): Frühere Investitionen in energieeffizientes Bauen sollte ausreichend berücksichtigt werden bei gesetzlichen Vorgaben.

Sollten Kommunen für eigene Klimaschutzprojekte mehr finanzielle Unterstützung erhalten?

Andreas Stoch (SPD): Sie müssen es sogar. Klimaschutz wird auch in Städten gemacht, sogar in kleineren Gemeinden. Und dort dürfen gute Projekte nicht am Geld scheitern.

Clara Resch (Grüne): Ja. Wir stärken starke Kommunen und sichern die Finanzierung zentraler Zukunftsaufgaben. Klimaschutz ist eine gemeinsame Aufgabe von Land und Kommunen – deshalb brauchen Städte und Gemeinden verlässliche finanzielle Unterstützung, um eigene Projekte umsetzen zu können.

Michael Kolb (CDU): Ja, Kommunen brauchen mehr Unterstützung. Die CDU will Städte und Gemeinden finanziell stärken, damit sie eigene Klimaschutzprojekte umsetzen können. Auch im Landkreis Heidenheim entstehen gute Lösungen oft direkt vor Ort.

Klara Sanwald (FDP): Kommunen sollen bei Klimaschutzprojekten unterstützt werden, aber zielgerichtet, bedarfsorientiert und ohne zusätzliche Bürokratie.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Klima hat sich und wird sich immer ändern. Das CO2 als kausale Ursache darzustellen, ist das Geschäftsmodell der entsprechenden linken Politik. Die Bürger sollten hierfür nicht mit höheren Steuern bezahlen müssen. Mehr „Unterstützung“ heißt entweder noch mehr Steuern oder noch mehr Schulden.

Daniel Rolfs (Linke): Ja, wenn sie sinnvoll sind. Eigentlich sollte die finanzielle Unterstützung bereits durch andere Förderungen abgedeckt, oder die Kommune durch andere Maßnahmen soweit entlastet werden, dass sie die Kosten stemmen kann.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Kommunen leisten viel Arbeit, bekommen jedoch zu wenig Geld dafür. Die finanziell bessere Ausstattung unserer Kommunen für die Projekte, die wichtig und sinnvoll für die Einwohner sind, ist ein guter Weg.

Maurice Chesauan (BSW): Ja, Kommunen sollten eigene Projekte unterstützen und die Freiheit haben diese mit Landesmittel fördern zu können.

Petra Hackl tritt für das Bündnis Deutschland im Wahlkreis Heidenheim an. Foto: Fröscher

Was tun Sie persönlich für die Energiewende?

Andreas Stoch (SPD): Ich will jetzt keine selbstgefällige Aufzählung abgeben. Ich tue noch zu wenig.

Clara Resch (Grüne): Wir haben eine PV-Anlage mit Speicher installieren lassen, fahren viel Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel und ein E-Auto, haben das Haus energetisch sanieren lassen, die Fenster ausgetauscht und senken unseren Energieverbrauch. In unserem alltäglichen Konsum achten wir auf Nachhaltigkeit. Ich kaufe gern regionale und biologische Lebensmittel und wähle GRÜN.

Michael Kolb (CDU): Ich unterstütze die Energiewende durch verantwortungsvolle Entscheidungen, Dialog und Augenmaß. Als Stadtrat und Kandidat höre ich zu und setze mich für Lösungen ein, die für Bürger und Betriebe im Landkreis Heidenheim tragfähig sind. Auf dem Dach meines Hauses befindet sich eine Solarthermie-Anlage.

Klara Sanwald (FDP): Jede und Jeder kann und sollte seinen eigenen Energieverbrauch hinterfragen. Ich achte im Alltag darauf Energie zu sparen. Ebenso achte ich darauf Wege in der Stadt zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Wie zuvor dargestellt, schadet die Energiewende unserer Volkswirtschaft massiv. Das inflationsbereinigte BIP in Baden-Württemberg stagniert bereits seit 8 Jahren um die 650 Mrd. Euro. Die Industrie stimmt hierüber mit Füßen ab und verlässt das Land. Voith, Edelmann, Osram, Lohse, TDK lassen grüßen.

Daniel Rolfs (Linke): Mein Stromanbieter auf einen Nachhaltigen Anbieter gewechselt. Ich versuche meinen  Vermieter zu motivieren, dass eine Wärmepumpe installiert wird, sowie Photovoltaik auf dem Dach. Ich arbeite an einem Umstieg zu einem E-Auto bzw. kein Auto zu besitzen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Der sinnvolle und sparsame Umgang mit allen Ressourcen ist mir ein Anliegen. Das Eigenheim wurde nach und nach immer weiter saniert, so dass der Energiebedarf deutlich gesenkt werden konnte.

Maurice Chesauan (BSW): Ich persönlich habe kein Auto, sondern nutze die ÖPNVs und fahre viel Fahrrad. Deshalb bin ich auch für die Förderung des Deutschland Tickets, um für mehr Menschen ÖPNV attraktiv zu machen und eine Alternative fürs Auto zu haben.

Wie stehen Sie zur Forderung nach einer Rückkehr zur Kernkraft trotz ungelöster Endlagerfrage?

Andreas Stoch (SPD): Es geht nicht nur um die Endlagerfrage, nicht nur um das Risiko eines Störfalls. Es geht darum, dass Atomkraft absolut nicht zu den Erneuerbaren passt, nicht zu einem Smartgrid, nicht zu dezentraler Versorgung. Sie beantwortet eine Frage, die unser Energiemarkt gar nicht mehr stellt.

Clara Resch (Grüne): Eine Rückkehr zur Kernkraft lehnen wir klar ab. Unser Weg ist klar: Ausbau von Sonne, Wind und Biomasse sowie Investitionen in Netze, Speicher und intelligente Steuerung. So sichern wir eine verlässliche, saubere und bezahlbare Energieversorgung – ohne neue Abhängigkeiten. Die Endlagerfrage ist nach wie vor weltweit ungeklärt. Das hat mit verantwortlichem Handeln nichts zu tun.

Michael Kolb (CDU): Eine Rückkehr zur bisherigen Kernkraft wird es nicht geben. Die CDU setzt auf neue Technologien wie Kernfusion.

Klara Sanwald (FDP): Zur Kernkraft bin ich für eine ehrliche, ergebnisoffene Debatte, die neue Technologien wie Small Modular Reactors und Kernfusion berücksichtigt. Wir sollten Forschung und industrielle Entwicklungen wie in den USA anerkennen und auch in BW die Voraussetzungen für Forschung und Entwicklung dieser Technologien ermöglichen.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Was wir als Atommüll bezeichnen, ist in Wahrheit für die Reaktoren der 4. Generation ein Brennstoff, der uns für Hunderte Jahre mit billigem Strom versorgen kann. Zurückbleiben würde ein Bruchteil des Abfalls, für den durch Transmutation zudem die radioaktive Zerfallskette beschleunigt werden kann.

Daniel Rolfs (Linke): Subventionskosten für Photovoltaik und Windenergie zzgl. Akkuspeicher pro kWh sinken signifikant. Im Gegensatz dazu steigen die Kosten pro kWh bei Kernkraft an. Ökonomisch lässt sich (neue) Kernkraft in Europa nicht mehr verteidigen. Wir sind gegen Kernkraft und für erneuerbare Energien.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland):  Warum sollen wir energiegeladene Brennstäbe endlagern, die nach einer Wiederaufbereitung in Atomkraftwerken noch jahrelang und sehr effizient genutzt werden könnten? Die anschließende Endlagerung, z. B. in Schweden mit nur noch wenig Reststrahlung würde sich stark vereinfachen. Kernkraft wurde auch weiterentwickelt und sollte wieder Bestandteil eines Energiemixes sein.

Maurice Chesauan (BSW): Ich bin dagegen, man hätte die letzten Kernkraftwerke weiterlaufen lassen können, statt sie zu zerstören und frühzeitig abzuschalten. Allerdings sind neue Kernkraftwerke zu teuer und die Endlagerfrage ist wie in der Frage bereits erwähnt, noch nicht gelöst.

Klara Sanwald ist das Gesicht der FDP im Wahlkreis Heidenheim. Foto: privat

Wie bewerten Sie das Dilemma, dass Wind- und Solaranlagen teilweise in Natur und Landschaft eingreifen?

Andreas Stoch (SPD): Ich weiß, was Sie meinen. Ich weiß aber auch, dass der Eingriff in erster Linie ein rein optischer ist. Und ich weiß: Jedes Windrad, das eines Tages nicht mehr gebraucht wird, wird ruckzuck und spurlos verschwinden. Probieren Sie das mal bei einem Atomkraftwerk.

Clara Resch (Grüne): Wir nehmen den Schutz von Natur und Artenvielfalt sehr ernst. Gleichzeitig treiben wir den Ausbau von Sonne und Wind voran. Unser Ansatz ist: Klimaschutz und Naturschutz zusammen denken, Flächen sorgfältig abwägen und Eingriffe so gering wie möglich halten – denn die Klimakrise bedroht unsere Lebensgrundlagen.

Michael Kolb (CDU): Dieses Spannungsfeld nehme ich ernst. Wir setzen auf sorgfältige Abwägung, Bürgerbeteiligung und naturverträgliche Planung. Klimaschutz braucht Akzeptanz – Eingriffe in Landschaft müssen so gering wie möglich gehalten werden.

Klara Sanwald (FDP): Wind- und Solarausbau sind notwendig, aber sie müssen mit sorgfältiger Planung, Artenschutz und vernünftigen Standortentscheidungen zusammengehen. Ich halte es für wichtig, dass Kommunen viel Mitsprache erhalten.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Die AfD steht für sinnvollen Umweltschutz, lehnt jedoch unrealistischen Klimaschutz ab. Dass besonders Windkraftanlagen massiv in die Natur eingreifen (Waldrodung, Bodenversiegelung, Abrieb der Rotorblätter, Infraschall, ungelöste Entsorgungsfrage) ist kein Dilemma, sondern unbestreitbar ein Faktum.

Daniel Rolfs (Linke): Wir sehen dort kein Dilemma. Ein optischer Eingriff benötigt nicht viel Zeit zur Anpassung, die Weiterverwendung von fossilen Energien hingegen zerstört die Umwelt wesentlich. Sie vernichtet die Artenvielfalt und Lebensgrundlagen. Die Entscheidung fällt uns daher nicht schwer.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Wälder sind Naturraum und brauchen Schutz statt Wärmeinseln und steigende Belastung durch PFAS aufgrund von Abrieb. Fruchtbarer Ackerboden wird für unsere Ernährung benötigt und nicht als Fläche für Solaranlagen. Alle Vor- und Nachteile der sog. Erneuerbaren brauchen Abwägung anstatt ideologischer Bevorzugung.

Maurice Chesauan (BSW): Gerade bei uns in Baden-Württemberg zeigen sich die Grenzen der Windkraft. Der aktuelle Genehmigungsboom gefährdet Landschaftsbild, Artenvielfalt und Akzeptanz vor Ort. Wir brauchen eine strengere Standortprüfung bei Windkraft.

Warum werden synthetische Kraftstoffe nicht stärker verfolgt, um bestehende Fahrzeuge und Heizungen weiter nutzen zu können?

Andreas Stoch (SPD): Synthetische Kraftstoffe können nur mit Unmengen Energie erzeugt werden und sind deswegen absurd teuer – so teuer, dass sie als Ersatz von fossilen Brennstoffen heute nicht infrage kommen. Vielleicht ändert sich das in 50 Jahren, aber dann hilft dies heutigen Heizungen und Autos wohl nicht mehr.

Clara Resch (Grüne): Wir setzen auf erneuerbaren Strom und effiziente Technologien. Die Zukunft des Pkw ist elektrisch, weil der E-Motor die effizienteste Antriebsart ist. Deshalb investieren wir in E-Mobilität, Ladeinfrastruktur und Batteriewertschöpfung, um Klimaschutz wirksam und wirtschaftlich voranzubringen. China, der größte Automobilmarkt der Welt, fordert E-Autos.

Michael Kolb (CDU): Synthetische Kraftstoffe sind ein wichtiger Baustein. Wir setzen uns dafür ein, diese Technologie stärker zu fördern. Wichtig sind synthetische Kraftstoffe vor allem im Flugverkehr.

Klara Sanwald (FDP): Synthetische Kraftstoffe und E-Fuels können helfen, bestehende Fahrzeugflotten und bestimmte Anwendungen klimafreundlicher zu machen, ohne dass alles sofort ersetzt werden muss. Dafür brauchen wir Regulierung, die Technologieoffenheit ermöglicht und Rahmenbedingungen für einen schnellen Markthochlauf setzt.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Öl und Gas stehen noch für Jahrzehnte zur Verfügung, d. h. die weitere Nutzung der bestehender Fahrzeuge ist nicht abhängig von E-Fuels, deren Herstellung aufgrund einer sehr schlechten Effizienz sehr viel Energie verbraucht. Letztlich muss dies aber der Markt und der Verbraucher entscheiden.

Daniel Rolfs (Linke): Elektrifizierung ist deutlich und signifikant günstiger für Busse, LKW, PKW, Roller/Motorräder oder auch Heizungen in fast jeder Region auf der Welt und wird deshalb synthetische Kraftstoffe verdrängen. Für Flugzeuge oder Containerschiffe könnte möglicherweise Methanol tatsächlich eine Rolle spielen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Die Forschung im Bereich der synthetischen Kraftstoffe geht weiter. Bisher ist die Herstellung noch recht teuer, in zehn Jahren kann sich auch in diesem Bereich allerdings viel verändern. Vernünftige Politik sollte dafür offen sein und nicht mit immer mehr Verboten agieren.

Maurice Chesauan (BSW): keine Antwort

Maurice Chesauan ist Direktkandidat des BSW im Wahlkreis Heidenheim. Foto: Trinkhaus Fotografie

Halten Sie die Einführung einer Steuer zur Reduzierung von Verpackungsmüll für einen guten Ansatz und würden Sie weitere Städte bei der Einführung einer solchen Steuer unterstützen? 

Andreas Stoch (SPD): Unsere Kommunen brauchen mehr Hilfe vom Land – beim Erheben von Steuern aber eher nicht. Ich denke, wir werden sehen, wie sich die unterschiedlichen Modelle auswirken. Und die Steuer, die funktioniert, wird bestimmt von vielen Kommunen übernommen.

Clara Resch (Grüne): Die Einführung einer Verpackungssteuer obliegt der jeweiligen Kommune. Wir setzen allgemein auf Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und weniger Abfall, beginnend beim Produktdesign

Michael Kolb (CDU): Ich lehne kommunale Verpackungssteuern ab. Besser sind Anreize, Mehrwegsysteme und weniger Bürokratie. Die CDU setzt auf praktikable Lösungen statt zusätzlicher Belastungen für Bürger und Betriebe, auch im Einzelhandel vor Ort.

Klara Sanwald (FDP): Eine Verpackungssteuer halte ich nicht für sinnvoll, weil sie oft vor allem Bürokratie schafft und die Ursachen nicht wirksam adressiert. Besser sind Innovationen, eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und praktikable Regeln, die Abfall vermeiden helfen. Ebenfalls sinnvoll sind Anreizsysteme wie „ReCup“, bei denen Verbraucher davon profitieren, wenn sie sich für Mehrwergverpackungen entscheiden.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Grüne Studentenstädte wie Tübingen oder Freiburg haben einen solchen kommunalen Bürokratieaufbau eingeführt. Die betroffenen Betriebe (z. B. Bäckereien) berichten von hohem zusätzlichen Aufwand, was zu einer marktwirtschaftlichen Verzerrung im Vergleich zu Betrieben außerhalb des Stadtgebietes führe.

Daniel Rolfs (Linke): Ja, kurzfristig ist das sinnvoll. Der Umstieg auf eine bedarfsorientierte, nachhaltige Wirtschaft sollte diese Steuer ablösen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Immer mehr Steuern belasten uns alle und führen nicht zu einem besseren Umgang bzw. der Vermeidung von Plastikmüll. Eigenverantwortung braucht mehr Freiräume, weniger staatliche Vorgaben. 

Maurice Chesauan (BSW): Nein das halte ich für einen falschen Ansatz: Eine Steuer für Verpackungen trifft nur die Menschen, die sich ohnehin nicht täglich das Essen auswärts leisten können und macht es für sie noch teurer. Die Menschen, die genügend Geld haben, interessiert die Steuer nicht und Sie werden genauso weiter konsumieren.

Wie kann man die Bevölkerung in Baden-Württemberg vor der Atomgefahr aus der Schweiz schützen? Kommt es in einem der Uralt-Reaktoren dort zu einem schweren Unfall, würde die radioaktive Wolke mit hoher Wahrscheinlichkeit über Baden-Württemberg ziehen.

Andreas Stoch (SPD): Das ist das Problem mit Atomkraft: Bei einem GAU gibt es keinen Schutz. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Schweiz ihren eingeschlagenen Kurs beibehält, keine neuen Reaktoren mehr baut und die laufenden Anlagen im kommenden und übernächsten Jahrzehnt ausmustert.

Clara Resch (Grüne): Wir drängen auf Einbindung Deutschlands bei Planung des Schweizer Endlagers und bei sicherheitstechnischen Diskussionen zu grenznahen Reaktoren. Zusätzlich bauen wir grenzüberschreitenden Katastrophenschutz aus.

Michael Kolb (CDU): Die Sicherheit der Bevölkerung hat höchste Priorität. Die CDU fordert eine enge Zusammenarbeit mit der Schweiz und transparente Information. Die Schweiz ist ein Hochtechnologie-Land. Baden-Württemberg und die Schweiz sind enge Partner und Freunde.

Klara Sanwald (FDP): Sicherheit erreicht man am besten durch grenzüberschreitende Abstimmung, transparente Information, regelmäßige Notfallschutzübungen und einen leistungsfähigen Katastrophenschutz. Pauschale Aussagen, es gebe gar kein Risiko, halte ich für angreifbar; sinnvoller ist es, Vorsorge und Zusammenarbeit zu stärken.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Im Schnitt sind die vier Schweizer Atomkraftwerke seit 50 Jahren im Betrieb. Aus den Berichten der Betreiber lässt sich errechnen, dass jährlich bis zu 700 Mio. CHF für Instandhaltung und Sicherheit der Anlagen investiert wird. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat überwacht die Anlagen.

Daniel Rolfs (Linke): Während dies in Teilen eine berechtigte Sorge ist, ist das schwierig zu verhindern. Wir können der Schweiz nicht verbieten, Atomkraftwerke zu betreiben. Am besten hilft es, politisch mit gutem Beispiel voranzugehen, Erfolge vorzuweisen und zum Nachahmen zu animieren.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Die Sicherheitsvorkehrungen sind in Atomkraftwerken ständig verbessert worden. Sehr gute Wartung ist dafür die Grundlage und diese ist in der Schweiz gegeben. Die Anlagen können viele Jahrzehnte (80 Jahre) sicher betrieben werden. 

Maurice Chesauan (BSW): keine Antwort

Wollen Sie Kleinwasserkraftwerke (< 100 KW) in BW zukünftig fördern?

Andreas Stoch (SPD): Nicht nur fördern, sondern sie vor allem auch erst einmal nicht mehr verhindern. In Baden-Württemberg wird bisher noch ein Gegensatz zwischen Artenschutz und Wasserkraft aufgemacht, der dem Stand der Technik (fischfreundliche Turbinen u.ä.) schlicht hinterherhinkt

Clara Resch (Grüne): Kleinwasserkraftanlagen unter 100 kW fallen nach den aktuellen Kriterien nicht in den Förderbereich, es sei denn, sie sind sogenannte „Altfälle“ (Bereiche, die vor der Einstellung des früheren Programms aktenkundig waren, ab 40 kW). Kleinwasserkraftanlagen sind wirtschaftlich wenig effizient.

Michael Kolb (CDU): Kleinwasserkraft kann einen Beitrag leisten. Die CDU unterstützt bestehende Anlagen und maßvolle Förderung, wenn Umweltauflagen eingehalten werden. Gerade im ländlichen Raum kann sie Teil eines regionalen Energiemixes sein.

Klara Sanwald (FDP): Kleinwasserkraft kann als wetterunabhängige Energiequelle einen Beitrag leisten, wenn sie ökologisch verträglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Wir sollten solche Projekte technologieoffen prüfen und dort ermöglichen, wo Natur- und Gewässerschutz eingehalten werden und der Nutzen nachvollziehbar ist.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Zusammen mit dem zuvor besprochenen Bausektor gehört die Energiewirtschaft zu den am stärksten regulierten Bereichen der deutschen Volkswirtschaft. Ersterer fällt durch zu wenig Wohnraum auf, letzterer durch die höchsten Energiepreise in Europa. Wie also sollte noch mehr staatlicher Eingriff helfen?

Daniel Rolfs (Linke): Es Spricht spricht nichts dagegen, Wasserkraft zu fördern und modernisieren. Wasserkraft hat in Deutschland nahezu keine Relevanz. Die Energiewende ist ein gewaltiger Kraftakt, den man nicht unterschätzen sollte. Daher sollte das Geld dort investiert werden, wo es am sinnvollsten ist.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Eine Förderung von Kleinwasserkraftwerken halte ich nicht für sinnvoll.

Maurice Chesauan (BSW): Ja.

Die Kandidierenden für die bevorstehende Landtagswahl am 8. März 2026. Von links oben nach rechts unten: Andreas Stoch, Clara Resch, Klara Sanwald, Michael Kolb, Maurice Chesauan, Daniel Rolfs, Petra Hackl, Dr. Jürgen Müller.

Mobilität, Bildung, Wohnen, Gesundheit: Hier gibt es alle Antworten der Kandidaten zur Landtagswahl im Überblick

Bei der HZ-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“ haben Leserinnen und Leser ihre Fragen zur Landtagswahl am 8. März an die Kandidaten stellen können. Mobilität, Bildung, Wohnen und Gesundheit sind nur einige der Themenbereiche, zu denen die Kandidaten Fragen beantwortet haben. Hier gibt es noch einmal alle Fragen und Antworten zu den unterschiedlichen Themenfeldern im Überblick:
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HZ-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“