Als besondere Auszeichnung für Studierende und Anerkennung wissenschaftlicher Arbeiten wurden auch in diesem Jahr die Hanns-Voith-Stiftungspreise in den Kategorien Antriebstechnik, Digitalisierung, Papier- und Werkstofftechnik und Wasserkraft vergeben. Sie wurden erstmals im Jahr 2013 auf Initiative von Dr. Michael Rogowski, dem damaligen Stiftungsratsvorsitzenden, ausgelobt, sind mittlerweile in Deutschland etabliert und genießen ein hohes Renommee in Wissenschaftskreisen. Die Jury unter dem Vorsitz von Professor Dr. Dr. h.c. Michael Kaschke hat folgende Preisträger ausgewählt:
Mohit Jain erhielt den Preis in der Kategorie Digitalisierung für seine Masterarbeit an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Darin geht er der Frage nach, wie sich komplexe Simulationen von Planetengleitlagern in Windkraftgetrieben deutlich beschleunigen lassen, ohne an Genauigkeit zu verlieren. Hierfür entwickelt er besonders effiziente Ersatzmodelle, die das Lagerverhalten in solchen Getrieben schnell und zuverlässig abbilden. Das Thema ist wichtig für moderne Windenergieanlagen, da Planetengleitlager kompaktere Getriebe ermöglichen und so höhere Leistungen auf engem Raum übertragen können.
Der Stiftungspreis in der Kategorie Papier- und Werkstofftechnik ging an Julian Sachsenweger. Ziel seiner Diplomarbeit an der Technischen Universität Dresden ist es, alternative und nachhaltigere Rohstoffe für die Zellstoffproduktion zu erschließen – und damit die Abhängigkeit von Holz zu verringern. Im Mittelpunkt stehen landwirtschaftliche Reststoffe wie Gersten- oder Sojastroh. Diese Pflanzen sind allerdings schwer aufzuschließen, da ihre Struktur besonders widerstandsfähig ist. In umfangreichen Experimenten untersucht Sachsenweger, wie verschiedene Vorbehandlungsschritte die Verarbeitung beeinflussen – zum Beispiel hinsichtlich Papierqualität und des Einsatzes von Chemikalien wie Wasserstoffperoxid.
KI für bessere Turbinen
Preisträger Simon Eyselein (Kategorie Wasserkraft) beschäftigte sich in seiner Masterarbeit an der Universität Stuttgart mit der Optimierung von Turbinen mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Wasserkraftwerke müssen individuell an ihre Umgebung angepasst werden – etwa an die verfügbare Fallhöhe und Wassermenge. Entsprechend komplex ist die Auslegung der Turbinenräder. Eyselein setzt hier auf Reinforcement Learning, eine Form des maschinellen Lernens, bei der ein Algorithmus durch Ausprobieren schrittweise bessere Lösungen findet.
Mit dem Stiftungspreis in der Kategorie Antriebstechnik wurde Quentin S. Koplin bedacht. Seine Masterarbeit am Karlsruher Institut für Technologie schrieb er zur „Entwicklung einer Stromimpuls-Injektionsstrategie zur Anpassung der Magnetisierung in permanentmagnetunterstützten geschalteten Reluktanzmaschinen während des Betriebs“. Koplin widmete sich also der Frage, ob ein Elektromotor seine Eigenschaften an die jeweilige Fahrsituation oder Belastung anpassen kann. Die Ergebnisse zeigen: Wenn die Magnetisierung gezielt verändert wird, können Leistung, Effizienz und Laufruhe der Maschine deutlich verbessert werden.
Alle Arbeiten wurden von den jeweiligen Institutionen mit der Note 1,0 bewertet. Die Hanns-Voith-Stiftungspreise sind jeweils mit 5000 Euro dotiert.
