Umfrage unter Teilnehmenden

Diese Hoffnung verbinden Jugendliche mit der Heidenheimer Michaelskirche

Bei den Arbeiten an der Michaelskirche in Heidenheims Innenstadt sind viele fleißige Jugendliche, aus Deutschland und der Slowakei, bemüht, der Kirche neues Leben einzuhauchen. Das sind ihre Antriebsgründe.

An fleißigen Helfern mangelt es dieser Tage nicht, die sich um die Michaelskirche bemühen. Wir haben uns umgehört, mit welcher Motivation sie ans Werk gehen und was sie sich für die Zukunft wünschen.

Michae Hammel
Michae Hammel Karin Fuchs

Micha Hammel (15) aus Bolheim: „Die Kirchengemeinde Bolheim hatte dafür Werbung gemacht und dann sind wir aus der Kirchengemeinde einfach zum Helfen gekommen“, sagt er. Die Idee begeisterte ihn sofort und er findet, dass der Jugendreferent Stefan Hörz mit viel Leidenschaft bei dem Projekt dabei ist. Schon vor der Projektwoche, die gerade während der Ferien läuft, hat er bei der Umgestaltung der Michaelskirche mitgeholfen. Vor allem das gemeinsame Arbeiten auf einer Augenhöhe und dass jeder seine Ideen zur Neugestaltung der Kirche einbringen kann, findet er sehr toll. Wenn das Projekt zu Ende ist, hat er vor, nach der Schule vorbeizukommen, dort zu essen, etwas für die Schule zu machen oder sich mit Freunden zu treffen. Für ihn soll die Michaelskirche ein Ort werden, an dem Jugendliche wieder Berührungspunkte mit dem Glauben haben, welche es inzwischen immer weniger gibt.

Anja und Nina Rieck
Karin Fuchs

Anja und Nina Rieck (beide 17): Die Zwillinge sind seit 2022 beim Jugendwerk in Heidenheim engagiert und haben dort von dem Projekt erfahren. Jugendreferent Stefan Hörz kannten sie schon von einer kirchlichen Veranstaltung, weshalb sie sich doppelt freuten, mitzuhelfen. Ihre Aufgabe ist das Schleifen von alten Tischen und alten Skateboards, die zu Ablageflächen umgewandelt werden sollen. Das benötigte Wissen hat eine der Schwestern an der Technischen Schule in Heidenheim gelernt und gibt ihr Wissen weiter. Ihr Ziel für das Projekt ist es: „Einen Ort für Jugendliche zu kreieren, an dem sie mit ihren Freunden abhängen können und gleichzeitig eine Verbindung zum Glauben haben.“ Nina ergänzt: „Kirchen sollten nicht nur am Sonntag besucht werden. Man sollte viel mehr Zeit dort verbringen.“

Justin Braulik
Justin Braulik Karin Fuchs

Justin Braulik (18) aus Burgberg kümmert sich gemeinsam mit Stefan Hörz um die Erstellung digitaler Inhalte. Aber nicht nur das. Deshalb nennen ihn einige der Jugendlichen „Mädchen für alles“. Gerade arbeitet er an alten Tonnen, die zu Stehtischen verwandelt werden. Zudem beantwortet er Fragen der anderen und hat ein Auge darauf, dass alle Akkus immer vollgeladen sind. Ideen für die Zukunft hat Justin noch viele. Unter anderem möchte er eine Art Gaming-Ecke auf der Empore kreieren. Zusammen mit dem Jugendreferenten will er einen Podcast erstellen, in dem sie über die Umgestaltung der Michaelskirche berichten. „Früher gab es mehr solcher Treffpunkte für Jugendliche. Es ist der Startschuss für Jugendliche, in ihrer Freizeit mit der Kirche in Verbindung zu kommen und dabei Gleichgesinnte zu finden“, sagt Justin. Und das, obwohl er die Kirche als Kind langweilig fand. Über den Kindersommer in Bolheim und das Jugendwerk Heidenheim habe er zum Glauben gefunden. Trotz seiner langen Anreise aus Burgberg will er in Zukunft die Michaelskirche besuchen, um anderen bei Schulaufgaben zu helfen und um sich mit Freunden zu treffen.

Ben Rödner (rechts) und Dominik Neuser.
Ben Rödner (rechts) und Dominik Neuser. Karin Fuchs

Ben Rödner (13) aus Langenau und Dominik Neuser (17) aus Bolheim: Wie so viele andere kommen die beiden von der Kirchengemeinde aus Bolheim und finden das Projekt faszinierend. Sie wollen auf keinen Fall, dass die Michaelskirche leer steht und verwahrlost. Dabei war für beide die Michaelskirche so unbekannt, dass sie zuerst zur falschen Kirche gelaufen sind. „Ich finde es sehr cool, dass die Slowaken uns helfen. Vor allem, weil ich nie über das Land oder die Religion dort nachgedacht habe“, sagt Dominik. Für Ben hat es außerdem noch einen weiteren Vorteil: „Es ist die perfekte Gelegenheit für mich, mein Englisch über die Ferien etwas aufzufrischen.“ Ihre Hauptaufgabe sind die Säuberungsarbeiten im Hinterhof der Kirche, damit die bemalte Telefonzelle und selbstgebauten Möbel in Zukunft dort einen Platz finden. Die beiden wünschen sich, dass die Michaelskirche zu einem Sammelpunkt für Jugendliche wird, an dem man sich zurückziehen kann, mit Freunden den Glauben ausleben und vor allem viel Spaß haben kann. Sie fügen aber auch hinzu: „Man muss natürlich nicht unbedingt einen Glauben haben, um zu helfen oder die Kirche in der Zukunft zu besuchen.“

David Marecek und Jana Kovakcikova
Karin Fuchs

David Marecek und Jana Kovakcikova sind als Verantwortliche mit den slowakischen Jugendlichen angereist. David fährt den Bus, mit dem die Slowaken von ihrer Unterkunft zur Michaelskirche kommen. Beide sind in ihren Gemeinden in der Slowakei sehr engagiert und sind Teil von zwei verschiedenen evangelischen Jugendzentren. Zweimal bereits waren Heidenheimer in der Slowakei für Workcamps, halfen beim Bau eines Spielplatzes an einer Jugendherberge und eines Gehwegs. „Dieses Jahr sind wir nach Deutschland gekommen, um uns zu revanchieren, damit der Austausch nicht nur einseitig ist“, sagt Jana Marecek.

Gemeinsam stark: Über 20 junge Menschen, darunter auch Gäste aus der Slowakei, werkeln in der Faschingswoche rund um die Michaelskirche. Neben dem Möbelbau steht auch die Aufwertung des Außenbereichs auf dem Programm.

Wie die Heidenheimer Michaelskirche zum Gemeinschaftsort junger Christen wird

Hämmern, Sägen und Upcycling statt Stille: In der Faschingswoche verwandelt sich die Heidenheimer Michaelskirche in eine lebendige Werkstatt. Mehr als 20 Jugendliche gestalten den Innenraum um, um Glaube und moderne Lebenswelt zusammenzubringen.
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