Bürgerspaziergang mit OB Michael Salomo

Die Heidenheimer Stadtverwaltung hat eine neue Radwegtrasse auf die Reutenen im Blick

Bewohner der Mergelstetter Reutenen beklagen eine schlechte Anbindung ans Radwegenetz. Die Heidenheimer Stadtverwaltung hat jetzt eine bestimmte Route im Blick.

Trifft sich Oberbürgermeister Michael Salomo in der Kernstadt und den Teilorten mit Bürgerinnen und Bürgern, um Probleme zu besprechen, dann kommen diese Veranstaltungen naturgemäß selten einem leichten Aufgalopp gleich. Dass sich der jetzt auf den Mergelstetter Reutenen anberaumte Spaziergang jedoch zunächst zu einem argumentativen Gewaltmarsch entwickeln sollte, überraschte nicht nur den Rathauschef.

Macht auch beim engagierten Austausch über strittige Fragen bekanntermaßen der Ton die Musik, so prägten zunächst offenbar bewusst seitens einiger weniger Anwesender forcierte Dissonanzen die Diskussion. Manche Einlassung verlor sich im Klein-Klein persönlicher Befindlichkeiten, gleichzeitig verliefen sich sachliche Erörterungen immer wieder in unangebrachter Polemik, die darin gipfelte, dass sich die Wortführer untereinander angingen.

Verwaltung sagt Antworten zu

„Ich bemerke bei manchen Personen hier eine Grundaggressivität“, hielt Salomo nach einiger Zeit fest und erntete dafür zustimmendes Nicken etlicher der rund 40 Anwesenden. Sie gaben der Veranstaltung schließlich einen angemessenen Rahmen und demonstrierten, wie ein Gedankenaustausch ohne Konfrontation und dennoch zielgerichtet ablaufen kann. Schließlich notierten die Vertreter der Verwaltung die vorgebrachten Anliegen und sagten eine Antwort des Rathauses nach Prüfung des jeweiligen Sachverhalts zu.

Breiten Raum nahm die Frage ein, wie die von vielen als unzureichend empfundene Anbindung ans Radwegenetz verbessert werden könnte. Ralf Käpplinger, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Umwelt und Vermessung, erläuterte, weshalb dies entlang der Schlosshaustraße aufgrund des zur Verfügung stehenden Platzes im oberen wie auch im unteren Bereich mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden wäre.

Ein vergleichbares Problem besteht im Tempo-30-Abschnitt der Buchhofsteige. „Für Straße, Geh- und Radwege mit den geforderten Abmessungen gäbe es dort nur dann genügend Platz, wenn man Häuser abreißen würde. Aber man kann ja niemanden enteignen“, gab Käpplinger zu bedenken. In Erwägung zu ziehen seien möglicherweise in einer Reihe hintereinander auf die Fahrbahn aufgebrachte Piktogramme mit Fahrradsymbolen, um die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.

Weiterer Zankapfel: Der vergangenes Jahr geschotterte Weg an der Arphalde Richtung Ugental. Weil das dafür verwendete Material übereinstimmend als zu grob empfunden wird, soll jetzt zusammen mit Stadtförster Christian Eder erörtert werden, ob eine wassergebundene Decke mit feinerer Körnung bei Niederschlägen weniger stark ausgeschwemmt würde. Dem Vorschlag, die Verbindung zu asphaltieren, erteilte Salomo eine Absage. Da es sich um einen Landwirtschaftsweg handele, gälten andere Ansprüche und auch gesetzliche Vorgaben als bei einem Radweg, beispielsweise im Hinblick auf eine mögliche Räumpflicht.

Möglicherweise wird der Fels im unteren Bereich des Katzentals ein Stück weit abgetragen, um einen ausreichend breiten Radfahrstreifen Richtung Schlossberg und Reutenen anlegen zu können. Rudi Penk

Angesichts der reglementierenden Gegebenheiten hat die Verwaltung das Augenmerk jetzt aufs Katzental gelegt. Noch liegt zwar keine detaillierte Planung auf dem Tisch, allerdings gibt es Käpplinger zufolge Gedankenspiele, an der Engstelle im unteren Kurvenbereich den Fels etwas abzutragen, um Platz zu gewinnen. Dadurch könnte sich bei allerdings gleichbleibender Steigung ein Fahrradschutzstreifen bergan verwirklichen lassen.

Ebenfalls moniert wurde das Fehlen eines Radwegs an der Zoeppritzstraße in Mergelstetten. Käpplinger verwies auch dort auf die vorhandene Bebauung und den begrenzten Platz. Sollte aber im Laufe des Lärmaktionsplans Tempo 30 eingeführt werden, kämen wie an der Buchhofsteige Piktogramme infrage.

Ziel: Sicherheit im Verkehr

Bei der Entscheidung für konkrete Maßnahmen stellt sich der Verwaltung Salomo zufolge die Frage, „wo mit den zur Verfügung stehenden Mitteln der größte Effekt zu erzielen ist“. Stadtentwicklung sei vor diesem Hintergrund „ein fortlaufender Prozess, bei dem auch mal etwas ausprobiert und möglicherweise wieder verworfen werden muss“. Hinsichtlich des Radverkehrs nahm er dabei alle Akteure in die Pflicht: „Der Verkehr soll sicher sein. Das schließt ein, dass auch die Radler die geltenden Regeln einhalten. Auf der anderen Seite müssen Autofahrer beim Überholen eineinhalb Meter Abstand halten. Tun sie das nicht, kann die Verwaltung leider nichts machen.“

Ebenfalls ins Lastenheft nahmen die Rathausvertreter Bitten auf, die Radverbindungen auf den Reutenen etwa Richtung Alb besser zu beschildern und auf der Mergelstetter Reute bei der Einmündung des Laupheimer Wegs Tempo 30 auszuweisen. Im dortigen Kurvenbereich sind vor allem Autofahrer häufig mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs.

Das Baugebiet Reutenen Süd: 42 von 61 Bauplätzen sind dort mittlerweile verkauft. Foto: Geyer-Luftbild

Geäußert wurde außerdem die Anregung, die Buslinie 5 der HVG auch an den Wochenenden zu bedienen, sobald das Wohngebiet Reutenen Süd vollständig belegt ist. Aktuell sind dort von insgesamt 61 Bauplätzen 42 verkauft. Salomo zeigte sich angesichts der 300 auf einer Warteliste geführten Interessenten, die in Heidenheim ein Eigenheim bauen wollen, überzeugt davon, dass auch die restlichen Flächen in absehbarer Zeit vergeben werden. Der Quadratmeter kostet zwischen 330 und 350 Euro.

Käpplinger wusste einige Fragen zur Gestaltung des sechseinhalb Hektar großen Geländes zu beantworten. So gibt es in dem gesamten Gebiet keine Gehwege, weil ein verkehrsberuhigter Bereich vorgesehen ist. Die Umsetzung dauert aufgrund der Vielzahl an Baustellen noch. Künftig gilt dann Schrittgeschwindigkeit.

Pflaster soll verkehrsberuhigend wirken

Die Ausweisung eines auch als Spielstraße bezeichneten Bereichs setzt Käpplinger zufolge sogenannte Platzaufweitungen voraus, die den Charakter der Verkehrsberuhigung unterstreichen. Diese gepflasterten Flächen befinden sich vor mehreren Garagenzufahrten. Auf ihnen dürfen keine Fahrzeuge abgestellt werden. Das gilt auch für die jeweiligen Anwohner. Das Parken ist nur auf baulich abgesetzten, durch noch anzubringende Schilder gekennzeichneten Stellplätzen erlaubt.

Letzte Station des Spaziergangs war das Rieger-Lager an der Paul-Hartmann-Straße. Auf allgemeine Zustimmung stießen die weit gediehenen Pläne, dort einen Vollsortiment-Supermarkt samt Backshop, Drogeriemarkt und 96 Pkw-Stellplätzen unterzubringen. Dazu muss ein Teil des Gebäudekomplexes abgerissen werden, die verbleibende Bausubstanz wird für das Vorhaben genutzt. Eröffnung ist möglicherweise im dritten Quartal kommenden Jahres. „Am Ende liegt es dann an den Nutzern, wie der Laden läuft“, so Salomo.

Weitere Spaziergänge

Nachdem die Innenstadt und Mergelstetten an der Reihe waren, finden in den kommenden Tagen weitere Bürgerspaziergänge mit OB Salomo und Vertretern der Stadtverwaltung statt: am Donnerstag, 28. August, in Großkuchen (Treff um 17 Uhr am Haupteingang der Grundschule), am Dienstag, 2. September, in Oggenhausen (Treff um 17 Uhr am Mittelfeldweg 13, am Donnerstag, 4. September, in Schnaitheim (Treff um 17 Uhr bei der IHK).

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