Es ist einer dieser Tage im Hitze-Sommer 2026: Die Uhr zeigt kurz nach 18 Uhr, das Thermometer indes immer noch eine Temperatur, wie sie sonst nur zur Mittagszeit in Südspanien zu erwarten wäre. Hinter Timo Oßwald und Irina Dreher liegt ein langer Tag. Sie beide und das Team von Getränke Maier in Schnaitheim haben heute Lkw-weise Getränkekisten ausgefahren, Gastronomie-Betriebe beliefert, neue Ware angenommen, Bestellungen disponiert, Leergut verladen und obendrein den Getränkemarkt in Schnaitheim betrieben. Jetzt ist Zeit für ein Gespräch. Jetzt, nach Ladenschluss. Auf dem Tisch stehen kalte Getränke. Alle greifen zu. Doch: Wie gehen die beiden selbst mit so einem Wahnsinns-Sommer um? Wie schaffen sie es, den Durst der Menschen zu stillen? Und wonach dürsten die Menschen in diesem Sommer 2026?
Herr Oßwald, Frau Dreher, bitte verzeihen Sie mir diese indiskrete Frage, aber sie muss sein: Haben Sie heute genug getrunken?
Irina Dreher: Ja, ich glaube, es waren heute vier Liter. Vier Liter Mineralwasser und eine Johannisbeerschorle (lacht).
Timo Oßwald: Nein. Wahrscheinlich nicht. (lacht mit) Es ist schon lustig, wir sind ja hier echt an der Quelle, aber man vergisst es trotzdem manchmal.
Trinken denn die Leute da draußen genug? Oder anders gefragt: Ist bei Ihnen im Sommer die Hölle los?
Oßwald: Die einfache Antwort wäre ja. Natürlich bewegen wir gerade wirklich große Mengen an Mineralwasser. Und es wird auch mehr getrunken jetzt in diesem Sommer. Aber wenn es nicht gerade so heiß ist wie dieses Jahr, dann ist der Sommer eigentlich kein extremer Ausreißer. In der Zeit vor und um Weihnachten ist die Nachfrage auch sehr hoch. Aber dann nach anderen Getränken, nicht so sehr nach Wasser wie im Sommer.
Aber dieser Sommer ist schon extrem, oder?
Oßwald: Ja, durchaus. Und zwar insofern, dass es dieses Jahr keine Pause zwischen der Hitze gibt. Früher wurde während Hitzephasen natürlich auch viel gekauft und getrunken. Aber dann war mal eine, zwei Wochen Regen dazwischen und dann nahm das ab. Dann war es ruhiger. Das haben wir dieses Jahr nicht. Dieses Jahr geht das komplett durch.
Und dazu kam noch die Fußball-WM. Hat sich das auch noch bemerkbar gemacht?
Oßwald: Nein. Wir sind ja sofort ausgeschieden. Wäre die deutsche Mannschaft länger dabei gewesen, hätten wir davon sicherlich etwas bemerkt, vor allem bei unseren Gastro-Partnern. Aber so wie es jetzt lief, war da nicht viel zu spüren.

Welches Mineralwasser ist denn in diesem Hitze-Sommer am meisten gefragt? Mit Sprudel oder ohne?
Dreher: Medium.
(alle lachen)
Dreher: Nein, im Ernst jetzt. Spritziger Sprudel war eine ganze Zeit lang nicht mehr so im Trend, das kommt jetzt gerade wieder. Aber überwiegend ist es jetzt Medium.
Und was bevorzugen die meisten Kunden bei Ihnen im Markt? Glasflasche oder Plastik? Regionales Wasser oder was Exotisches von weit her?
Oßwald: Unsere Kunden kaufen nach Geschmack. Und der wiederum hängt von der Mineralisierung ab. Deswegen ist das total individuell. Was dem einen schmeckt, ist dem anderen zu fad oder zu salzig und so weiter. Aber was wir sehen: Es wird auch nach Aussehen der Flasche gekauft. Und: Glasflaschen kommen zurück. Das ist ein Trend.
Aber man kann ja nicht nur Wasser trinken. Was ist denn noch so gefragt als Durstlöscher – mit Geschmack?
Dreher: Ganz klar Schorlen. Also gespritzte Mischgetränke, gerne auch in kleinen Glasflaschen. Oft sehen die auch noch schön aus. Das ist richtig so ein bisschen ein Lifestyle-Getränk geworden.
Oßwald: In der Gastronomie, die wir ja großflächig beliefern, ist das definitiv sehr stark gefragt. Schon länger. Und es kommen immer neue Sorten und Anbieter dazu.
Dreher: Aber auch bei uns im Markt sehen wir das. Unsere Kunden sind neugierig und experimentierfreudig und nehmen gerne auch von verschiedenen Sorten einzelne Flaschen mit und machen sich so Misch-Masch-Kisten, um alles auszuprobieren.

Und wie sieht es mit Zucker aus? Muss heute alles „zero sugar“ sein?
Dreher: Bei Süßgetränken nimmt das stark zu. Ganz klar.
Kommen wir zum Bier. Das ist schon auch ein wichtiges Sommergetränk, oder?
Oßwald: Na klar. (lacht)
Was ist denn da diesen Sommer besonders gefragt?
Oßwald: Also ich bin ja ausgebildeter Bier-Sommelier und daher habe ich vielleicht auch nochmal einen anderen Blick aufs Bier. Und wir haben auch – gerade beim Bier – eine gewisse Besonderheit in unserem Betrieb. Wir führen sicher an die 100 Biersorten, natürlich alle bekannten aus der Region. Aber wir holen auch Biere hierher, die man sonst nicht so einfach bei uns in der Gegend bekommt. Aus dem Bayerischen, aus dem Allgäu. Daher ist das so bei uns der Trend, oder besser: der Schwerpunkt, wenn man das so sagen will. Und da gibt es immer wieder tolle, neue Biere zu entdecken. Aber ich will jetzt hier keine Marken nennen (lacht).
Dreher: Das ganze Thema rund ums alkoholfreie Bier spielt aber natürlich auch eine Rolle. Das ist in den letzten Jahren wirklich immer mehr geworden. Alkoholfreies Radler, alkoholfreies Bier.
Oßwald: Also ich kann’s ja nicht so ganz verstehen (lacht).
Dreher: (lacht auch)
Oßwald: Ich denke, es liegt daran, dass der Geschmack von Alkoholfreiem einfach besser geworden ist. Da hat sich viel getan.
Insgesamt tut sich ja viel in Sachen alkoholfrei. Wenn man so in die Regale – auch im Supermarkt – schaut: Das wird immer mehr. Auch bei Wein und Schnaps.
Oßwald: Ja, ganz klar. Die Spirituosen-Industrie reagiert auf diesen Trend. Aber es kommt auch echt an. Das merken wir auch.
Was trinken Sie beide denn am liebsten? Außer Wasser gegen den Durst?
Dreher: Ich trinke eigentlich wirklich gerne Wasser. Aber hin und wieder darfs auch mal ein Glas Sekt sein, wenn ich mich bei der großen Auswahl entscheiden müsste.
Oßwald: Klare Antwort: Bier, Helles. (lacht)
Letzte Frage: Wenn ich jetzt in diesem Sommer 2026 auf eine Grillparty eingeladen bin und ein Getränk mitbringen möchte und nicht mit der Normalo-Flasche Wein daherkommen will – was bringe ich mit, wozu der Gastgeber sagt: „Ah, interessant, das probieren wir gleich mal aus.“ Also was ist vielleicht der nächste Trend, der noch nicht in Heidenheim angekommen ist, mit dem ich überraschen kann?
Dreher: Ich würde sagen: ein schickes alkoholfreies Aperitif-Getränk. Da gibt es inzwischen so viele und auch echt richtig gute.
Getränke Maier in Zahlen
Getränke Maier in Schnaitheim wird in der dritten Generation geführt. Timo Oßwald ist seit rund 30 Jahren im Betrieb. Seine Schwester, Irina Dreher, ist vor etwas mehr als zehn Jahren voll mit eingestiegen. In Oßwalds Zuständigkeit gehören Logistik und Einkauf, während sich Dreher um die Verwaltung und den Getränkemarkt kümmert. Der Betrieb hat acht Mitarbeiter.

