Leserbrief

Der Begriff Remigration ist verharmlosend und gefährlich

Leserbrief zu einer Befragung der Landtagskandidaten im Kreis Heidenheim:

Ich bin empört darüber, dass „Remigration“ ausdrücklich in der Fragestellung auftaucht. Der Begriff war Anfang 2024 öffentlich gemacht worden, nachdem über ein Geheimtreffen hochrangiger AfD-Politiker mit Neonazis in Potsdam berichtet wurde, bei dem sie Ideen zu millionenfachen Abschiebungen durchspielten. Die Enthüllung des Remigrationsplans erinnert an die völkische Ausgrenzung, Vertreibung, Deportation und Vernichtung durch den Nationalsozialismus. Nach Bekanntwerden des Geheimtreffens gingen hunderttausende Menschen in Deutschland auf die Straße.

Remigration wurde zum Unwort des Jahres 2023 gekürt. Seit dem AfD-Parteitag im Januar 2025 steht es im Wahlprogramm der Partei sowie in vielen weiteren Wahlprogrammen rechter Parteien in Europa. Auch vier Wochen vor der Bundestagswahl 2025 gingen Zehntausende in Deutschland gegen den Rechtsdruck in der Migrationspolitik und gegen die Normalisierung rechter Positionen und Begriffe wie Remigration auf die Straße. Seit 2010 wird der Begriff von rechtsextremen und faschistischen Gruppierungen wie der Identitären Bewegung gezielt für eine massenhafte Abschiebung nicht nur von abgelehnten Asylsuchenden, sondern auch von Deutschen mit Migrationshintergrund benutzt.

Ich möchte darauf hinweisen, dass der Remigrationsbegriff mit völkisch-rassistischen Deportationsplänen verbunden ist. Es ist ein Tarnbegriff aus der neo-völkischen Propaganda. Der Begriff hat eine hochpolitische Geschichte hinter sich und ist kein unbefangener Kunstbegriff, der angeblich freiwillige Rückkehr meint. Inzwischen ist eine große Gefahr mit dem Begriff verbunden, er wird sozusagen gesellschaftsfähig, was auch durch die Fragestellung sichtbar wird. Der Begriff wird bewusst abstrakt gewählt, um die dahinterliegende feindliche Rassenpolitik zu verschleiern. Wer das Land verlassen soll, bleibt absichtlich unklar.

Der Begriff Remigration ist eine Form, Politik zu machen, er dient daher auch immer der Selbstverharmlosung. In Debatten berufen sich die Anhänger darauf, dass damit lediglich die Abschiebung von Ausländern gemeint sei, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Findet „Remigration“ Anerkennung, beginnt die Ausbreitung, man gewöhnt sich daran. Auch wenn der Begriff medial allgegenwärtig ist, wird er kaum unkommentiert von Journalisten übernommen, sondern im Kontext der Debatte als Unwort verwendet. Darauf möchte ich ausdrücklich hinweisen.

Sabine Ehrtmann, Heidenheim