Leserbrief

Dass Nmecha seinen Glauben bekennt, ist kein Problem!

Leserbrief zu „Mit Talent gesegnet“ im überregionalen Teil der gedruckten Ausgabe vom 17. Juni, den die „Südwestpresse“ verantwortet.

Nmecha bekennt sich zu seinem Glauben – da gibt es nichts auszusetzen, das ist gut so! Dass Nmecha seinen Glauben bekennt, ist kein Problem. Werte und Glaube halten Leben und Gesellschaften zusammen. Unser Land zehrt bis heute davon: die Zehn Gebote, die Nächstenliebe, die lebendige Hoffnung, um nur drei von vielen weiteren wichtigen Fundamenten unserer Gesellschaft zu nennen.

Das Problem ist nicht Nmecha und dass er seinen Glauben bekennt, sondern die Berichterstattung darüber. Warum heißt es da „Inszenierung“, „Irritation“? Warum werden Begriffe wie „religiöser Eiferer“, „evangelikal“, „konservativ“ und „missionarisch“ bemüht, um sie allesamt tendenziös zu besprechen?
Wir brauchen noch viel mehr Menschen, die den Glauben, auch den christlichen, nicht nur als Privatsache verstehen, sondern als Überzeugung, als Haltung, als Wert, und ihn bekennen.

Nur zwei Tage zuvor im Artikel „Türkei in Schockstarre“ (HZ 15.6.2016) ist zu lesen: „Entweder schlugen sich die türkischen Fans die Nacht um die Ohren oder sie trafen sich frühmorgens, um erst zu beten, und dann gemeinsam das WM-Auftaktspiel gegen Australien anzuschauen.“ Dagegen ist doch überhaupt nichts einzuwenden. Gebet und Fußball – das sind wahrlich nicht unvereinbare Gegensätze.

Im Gebet geht es auch um Wichtigeres als um den Sieg der eigenen Mannschaft, also eher um Fairness im Spiel, Bewahrung vor Verletzungen, Vermeidung von Ausschreitungen… Im erwähnten Spiel musste der Schiedsrichter nicht eine einzige Rote Karte zeigen. Das ist Grund zur Freude und Dankbarkeit und war möglicherweise auch Anlass zum Gebet.

Und noch was: In 14 der 48 Teilnehmerländer ist die Religionsfreiheit eingeschränkt oder bedroht („Kirche in Not“ in IDEA 17.6.2016). Es ist begrüßenswert und ein Zeichen, wenn Fußballspieler aus verschiedenen Nationen um Religionsfreiheit beten. Oder? Hier wird sichtbar, dass es Verständigung über Ländergrenzen und Kulturbarrieren hinweg gibt. Das kann gar nicht hoch genug gewertet werden.

Wo kämen wir hin, wenn Menschen und Gesellschaften nur auf sich selbst bezogen leben und um keine „größere Hand“, also die Hand Gottes, über sich wissen? Beten und Glauben können das zum Ausdruck bringen. Und das ist begrüßenswert.

Ulrich Hettler, Heidenheim