Vollversammlung

Bürokratieabbau, KI und MINT-Fachkräfte: IHK Ostwürttemberg setzt wirtschaftspolitische Schwerpunkte

Die Vollversammlung der IHK Ostwürttemberg hat zentrale wirtschaftspolitische Themen beraten. Neben KI-gestütztem Bürokratieabbau standen der Aufbau eines regionalen KI-Ökosystems und die MINT-Initiative zur Fachkräftesicherung im Mittelpunkt.

Die Vollversammlung der IHK Ostwürttemberg hat in ihrer jüngsten Sitzung zentrale wirtschaftspolitische Themen und regionale Zukunftsinitiativen beraten. Im Mittelpunkt standen der Bürokratieabbau mithilfe Künstlicher Intelligenz, der Aufbau eines regionalen KI-Ökosystems, der Fortschritt der MINT-Initiative sowie Nachwahlen zu IHK-Ausschüssen.

IHK-Präsident Markus Maier eröffnete die Sitzung mit einem Blick auf die weltwirtschaftliche Lage. Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran habe derzeit „nicht abschätzbare Folgen für den Nahen und Mittleren Osten“ und wirke „wie Gift für die Weltwirtschaft und den globalen Handel“. Zwar seien amerikanische handelspolitische Konflikte zuletzt in den Hintergrund gerückt, für exportorientierte Unternehmen bleibe die Lage jedoch unsicher. In Ostwürttemberg liege der Exportanteil der Industrie bei rund 50 Prozent. Fortschritte bei Freihandelsabkommen etwa mit Mercosur und Indien könnten neue Chancen eröffnen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler betonte die Bedeutung einer aktiven Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Themen wie Wohnraumentwicklung, Energiewende und Standortbedingungen blieben zentrale wirtschaftspolitische Handlungsfelder.

KI-gestützte Werkzeuge für bürokratische Aufgaben vorgestellt

Ein Schwerpunkt der Sitzung war der Bürokratieabbau durch Künstliche Intelligenz. Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart und Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK), stellte KI-gestützte Werkzeuge vor, mit denen bürokratische Belastungen systematisch erfasst und ausgewertet werden. Viele Unternehmen kämen im Bürokratiegeschehen kaum noch hinterher. „Wir brauchen Zeit, Unternehmer zu bleiben“, sagte Paal. Zugleich kritisierte er die zunehmende Regulierung: „Wir haben überzogen – die Bürokratie ist außer Kontrolle geraten.“

IHK-Präsident Maier betonte, dass der Bürokratieabbau weiterhin ein zentrales Anliegen der IHK-Organisation bleibe: „Bürokratieabbau bleibt ein zentrales Anliegen. Unsere Vertreter im Normenkontrollrat und der Entlastungsallianz kämpfen für eine echte Entlastung der Wirtschaft.“

Über den Aufbau eines regionalen KI-Ökosystems berichtete IHK-Vizepräsident Stefan Müller (Carl Zeiss AG). Beim KI-Forum Ostwürttemberg hätten rund 40 Unternehmensvertreter konkrete Anwendungen vorgestellt. „Wir erleben die größte technologische Veränderung unserer Zeit. Entscheidend ist, dass jedes Unternehmen Impulse für sich nutzt“, so Müller.

Ostwürttemberg als MINT-Modellregion

Auch die regionale MINT-Initiative war Thema der Sitzung. Ziel ist es, die Fachkräftebasis in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu stärken und Ostwürttemberg als Modellregion zu positionieren. „Deutschland fehlen über 150.000 MINT-Fachkräfte. Zuwanderung über Hochschulen ist ein zentraler Hebel – und wir wollen als Modellregion Baden-Württembergs vorangehen“, betonten Markus Maier und Thilo Rentschler. Der regionale MINT-Fachtag findet am 12. Mai 2026 im Digital Innovation Space in Aalen statt.

Die Vollversammlung beschloss zudem Nachwahlen zu mehreren Ausschüssen. In den Digitalisierungsausschuss wurden Selcuk Özer (3D Global GmbH), Gerhard Strauss (A+B Solutions GmbH) und Jörg Mitschele (klartext AV GmbH) berufen. Özer gehört künftig auch dem Forschungs- und Innovationsausschuss an.

Die nächste Wahl der IHK-Vollversammlung findet vom 3. bis 23. Oktober 2026 statt. Wahlvorschläge können vom 4. bis 23. Juli eingereicht werden.