Fragen und Antworten

Bildung und Betreuung im Landkreis Heidenheim: Die Kandidaten zur Landtagswahl im Vergleich

Wie sieht die Zukunft der Kindergärten und Schulen im Landkreis Heidenheim aus? Was ist zu tun gegen den Personalmangel im Bildungsbereich und wie können Kinder und Jugendliche optimal auf ihr Leben als Erwachsene vorbereitet werden? Unsere Leserinnen und Leser haben den Kandidaten zur Landtagswahl ihre Fragen gestellt.

Sind Sie für kostenlose Schulbusse und Kitas? Wenn ja, wie kann das Land die Kommunen dabei finanziell unterstützen?

Andreas Stoch (SPD): Wir sind für gebührenfreie Kitas, weil frühkindliche Bildung wie Schulen und Universitäten zur Bildung und damit in die Verantwortung des Landes gehört. Der Schülertransport muss für alle bezahlbar sein, deswegen wollen wir mit dem 365 Euro-Ticket (1 Euro/Tag) Familien entlasten.   

Clara Resch (Grüne): Wir Grüne in Baden-Württemberg wollen eine moderne, nachhaltige Mobilität, die bezahlbar und für alle erreichbar ist, und betonen den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs inklusive Bus und Bahn. Als Teil dieser Politik haben wir bereits ein Deutschland-Ticket JugendBW umgesetzt, das Schüler:innen und jungen Menschen ein stark vergünstigtes ÖPNV-Ticket anbietet – aber es ist nicht kostenlos. Wir Grünen sind für ein verbindliches und kostenloses letztes Kitajahr, so bekämen alle Kinder die Chance auf einen guten Start in ihre Schulzeit. Wir unterstützen Kitas finanziell und strukturell, das muss auch so bleiben.

Michael Kolb (CDU): Ich unterstütze kostenlose Schulbusse und eine starke Kita-Förderung, damit Bildung nicht vom Geldbeutel abhängt. Das Land soll Kommunen durch verlässliche Zuschüsse und Förderprogramme unterstützen, damit Kinder im Landkreis Heidenheim gut betreut und sicher zur Schule kommen.   

Klara Sanwald (FDP): Kostenfreie Angebote klingen attraktiv, lösen aber das Grundproblem nicht. Entscheidend ist nicht das Etikett „kostenlos“, sondern Qualität, Verlässlichkeit und Wahlfreiheit. Kitas und Schülerbeförderung verursachen reale Kosten, die heute überwiegend von den Kommunen getragen werden. Wenn das Land zusätzliche Leistungen will, muss es diese auch vollständig finanzieren. Für uns gilt: Wer bestellt, bezahlt. Das Land muss Kommunen dauerhaft und auskömmlich unterstützen, statt neue Versprechen auf deren Rücken zu machen. Vorrang haben Investitionen in gute Betreuung, ausreichend Personal und funktionierende Strukturen vor pauschalen Gebührenfreiheiten.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Die Kommunen können kostenlose Schulbusse und Kitas derzeit nicht finanzieren. Dies könnte nur durch Landes- oder Bundesmittel erfolgen, was voraussetzen würde, dass die Verschwendung von Steuergeldern beendet wird. Die AfD unterbreitet hierzu fortlaufend konkrete Vorschläge in den Parlamenten.

Daniel Rolfs (Linke): Ja, wir sind für kostenlose Schulbusse und Kitas. Einer unserer Finanzierungsvorschläge ist ein weiteres Sondervermögen von 100 Milliarden statt für Militär, für die Finanzierung von Schulen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Ja, kostenlose Schulbusse und Kitas sind wünschenswert. In Berlin sind Kitas kostenlos, warum nicht auch in unserem Bundesland? Die Kommunen müssen mehr Geld vom Land bekommen, um für ihre Einwohner dies umsetzen zu können.

Maurice Chesauan (BSW): Das Land kann kostenlose Schulbusse und Kitas sichern, gemeinsam mit Bundesmitteln für Investitionen, Personal und Betrieb. Statt mehr Geld in Aufrüstung zu stecken, muss die Zukunft unserer Kinder gesichert und Familien entlastet werden.

Der Heidenheimer SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Stoch tritt erneut an. Foto: Fionn Große

Warum werden Kinderbetreuung und Bildung nicht bundesweit einheitlich geregelt?

Andreas Stoch (SPD): Laut Grundgesetz liegt Bildung in der Hoheit der Bundesländer. Das ist historisch gewachsen und hat Vor- und Nachteile. Was wir aber unbedingt brauchen, ist mehr Vergleichbarkeit und Kompatibilität zwischen den Ländern sowie die Aufhebung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern.

Clara Resch (Grüne): Das Grundgesetz legt fest, dass für Bildung, Schule und große Teile der Kinderbetreuung primär die Bundesländer zuständig sind. Das ist historisch bewusst so geregelt, um Macht nicht im Bund zu bündeln, insbesondere bei einem so sensiblen Thema wie Bildung.

Michael Kolb (CDU): Bildung ist Ländersache, deshalb gibt es keine einheitlichen Regelungen bundesweit. Wir setzen auf hohe Qualität vor Ort, die auf die Bedürfnisse der Kinder und Familien in Baden-Württemberg zugeschnitten ist.       

Klara Sanwald (FDP): Bildung ist in Deutschland bewusst Ländersache. Das ermöglicht regionale Gestaltung, Wettbewerb um die besten Konzepte und passgenaue Lösungen vor Ort. Ein bundesweit einheitliches Bildungssystem würde Vielfalt, Innovation und Anpassungsfähigkeit einschränken. Gleichzeitig braucht es mehr Vergleichbarkeit, Transparenz und Mindeststandards. Unser Ziel ist kein Zentralismus, sondern ein föderales Bildungssystem, das voneinander lernt, gute Modelle überträgt und Qualität messbar macht, ohne die Verantwortung der Länder auszuhebeln.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Die Bundesrepublik Deutschland ist ein föderaler Bundesstaat. Dabei soll es auch bleiben. Auch das Beispiel Schweiz zeigt, dass sich die Konkurrenz der Kantone positiv auf die Lebensbedingungen der Menschen auswirkt. Die AfD lehnt jeden Zentralismus ab, auf EU-Ebene wie auch auf nationaler Ebene.

Daniel Rolfs (Linke): Bildung und Kinderbetreuung sind in Deutschland Ländersache, weil das Grundgesetz (Art. 30, 70 GG) den Ländern die sogenannte Kulturhoheit zuweist. Diese föderale Struktur wurde nach 1945 bewusst gewählt, um eine Zentralisierung wie im Nationalsozialismus zu verhindern.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Bildung ist Ländersache, daher gibt es unterschiedliche Wege für diesen Bereich.

Maurice Chesauan (BSW): Bildung ist in Deutschland Ländersache. Der Bund darf nur Rahmen oder Geld geben. Ich setze mich für eine einheitliche Kinderbetreuung und Bildung auf Bundesebene ein. Das BSW hatte dies auch in ihrem Wahlprogramm für die Bundestagswahl aufgenommen.

Daniel Rolfs kandidiert für die Linke im Wahlkreis Heidenheim. Foto: Florian Thierer Photographie

Was muss getan werden, um die Qualität von Kinderbetreuung zu sichern?

Andreas Stoch (SPD): Unsere Kitas sind Bildungsorte mit hohen Qualitätsstandards und gutem Betreuungsschlüssel. Diese Kriterien dürfen auf lange Sicht nicht wieder aufgeweicht werden, deswegen brauchen wir ausreichend Kitaplätze und qualifiziertes Personal.  

Clara Resch (Grüne): Die Qualität der Kinderbetreuung muss durch ausreichend Fachkräfte, bessere Arbeitsbedingungen, verlässliche Finanzierung und klare Qualitätsstandards gesichert werden. Kitas müssen Bildungsorte sein, die Kinder früh fördern und Familien entlasten. 

Michael Kolb (CDU): Qualitativ hochwertige Betreuung gelingt durch gut ausgebildetes Personal, kleinere Gruppen und moderne Lernkonzepte. Wir wollen, dass Kinder im Landkreis von Anfang an optimal gefördert werden. 

Klara Sanwald (FDP): Die Qualität der Kinderbetreuung entscheidet sich nicht an immer neuen Vorgaben, sondern an guten Rahmenbedingungen vor Ort. Entscheidend sind verlässliche Personalschlüssel, qualifiziertes Fachpersonal und eine auskömmliche Finanzierung. Kitas brauchen Planungssicherheit, weniger Bürokratie und mehr pädagogische Freiheit. Qualität entsteht dort, wo Fachkräfte Zeit für Kinder haben, statt an Dokumentationspflichten zu verzweifeln.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Qualität braucht Personal: Wir müssen den Betreuungsschlüssel verbessern und den Erzieherberuf durch bessere Bedingungen attraktiv machen. Verbindliche Standards und ein Fokus auf Sprachförderung sind essenziell. Fachkräfte müssen Zeit für Kinder haben, statt in Bürokratie zu versinken.

Daniel Rolfs (Linke): Wir benötigen bezahlbare Kitas, Kindergärten und vor allem genügend Plätze und Personal. Dafür muss in erster Linie die Finanzierung gesichert werden.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Wir brauchen einen höheren Personalschlüssel und Fachkräfte, die gut ausgebildet sind und die deutsche Sprache beherrschen. Erziehung beginnt im Elternhaus und wird in den Kindergärten ergänzt. Quereinsteiger oder erfahrene Tagesmütter, könnten den Engpass in unseren Kitas entschärfen. Die Zusammenarbeit mit Sportvereinen unterstützt eine sinnvolle Bewegungserziehung. 

Maurice Chesauan (BSW): Wir müssen ausreichend Fachkräfte sichern, indem wir mehr Plätze in Erzieher-Ausbildung bereitstellen und fördern, investieren in Infrastruktur wie moderne Einrichtungen und mehr Betreuungsplätze ausbauen, besonders in städtischen Wachstumsgebieten.

Dr. Jürgen Müller ist der AfD-Kandidat für die Landtagswahl im Landkreis Heidenheim. Foto: privat AfD

Wie wollen Sie dem Mangel an Lehrkräften und Betreuungspersonal begegnen?

Andreas Stoch (SPD): Durch mehr Studien- und Ausbildungsplätze, attraktivere Arbeitsbedingungen und angemessene Entlohnung. Multiprofessionelle Teams sollen das pädagogische Fachpersonal entlasten, damit dieses sich auf die Erziehungs- und Bildungsaufgaben konzentrieren kann.

Clara Resch (Grüne): Dem Fachkräftemangel wollen wir mit mehr Ausbildungsplätzen, besserer Bezahlung und Arbeitsbedingungen, gezielter Weiterbildung, besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie durch die Gewinnung zusätzlicher Fachkräfte – auch aus dem Ausland – begegnen. Multiprofessionelle Teams entlasten vorhandene Lehrkräfte. 

Michael Kolb (CDU): Ich will dem Mangel an Lehrkräften und Betreuungspersonal mit besseren Arbeitsbedingungen, fairer Bezahlung und mehr beruflicher Anerkennung begegnen. Dazu gehören weniger Bürokratie, mehr Unterstützung im Alltag und gezielte Programme zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften.

Klara Sanwald (FDP): Dem Fachkräftemangel begegnen wir mit einem Mix aus mehr Ausbildungskapazitäten, besseren Arbeitsbedingungen und größerer Flexibilität beim Berufseinstieg. Dazu gehören zusätzliche Studienplätze an Pädagogischen Hochschulen, gezielte Programme für Quer- und Seiteneinstieg sowie Entlastung von fachfremden Aufgaben. Lehrkräfte und Erzieherinnen sollen sich wieder auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können: Bildung und Betreuung.  

Dr. Jürgen Müller (AfD): Schwierige Frage: Landesweit sind derzeit ca. 1000 Lehrerstellen unbesetzt und dies besonders in den wichtigen Fächern Informatik, Physik und Mathematik. Die Arbeitsbedingen für Lehrer führen oft zu frühzeitigem Ruhestand und spiegeln die Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft leider wider.

Daniel Rolfs (Linke): Mit einem starken Finanzierungspaket, besserem Arbeitsschutz, einer strukturellen Reform der Gehälter aller Lehrkräfte, höhere Vergütung beim Referendariat, ein attraktiveres Lehramtsstudium, gemeinsam mit Fachkräften aus dem Ausland mit Hilfe von Inklusion und weitere Maßnahmen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Um bessere Bildungsmöglichkeiten zu schaffen, muss mehr Geld in den Bildungsbereich fließen. Menschen, die ein abgeschlossenes Studium in Lehrfächern haben, sollten unbürokratisch und somit rasch eingestellt werden können. Die Schulen sollten die Möglichkeit haben, selbst neue Lehrkräfte anzuwerben und einen Anstellungsvertrag zügig voranzutreiben.

Maurice Chesauan (BSW): Indem der Beruf wieder attraktiver gemacht wird und mehr Lehramtsstellen von Bund und Land finanziert wird. Die Senkung der Unterrichtsverpflichtung (Deputat) um ein bis zwei Stunden zur Entlastung der Referendare und Lehrkräfte.

Klara Sanwald ist das Gesicht der FDP im Wahlkreis Heidenheim. Foto: privat

Wie wollen Sie sicherstellen, dass Vorschulkinder mit ausreichenden Sprachkenntnissen in die Grundschule starten?

Andreas Stoch (SPD): Mit gebührenfreier Kita und verpflichtendem letzten Kita-Jahr können alle Kinder auf die Grundschule vorbereitet und Sprachdefizite früh erkannt und abgebaut werden. Spezielle Sprachförderung durch Sprachkitas und Vorbereitungsklassen haben sich bewährt und sollen fortgeführt und ausgebaut werden.

Clara Resch (Grüne): Wir stellen das durch frühzeitige, verpflichtende Sprachförderung mit dem Programm „SprachFit“ sicher. Sprachstände werden früh erhoben und Kinder gezielt gefördert, damit alle mit ausreichenden Deutschkenntnissen in die Grundschule starten. 

Michael Kolb (CDU): Frühkindliche Sprachförderung in Kitas und Kooperation mit Grundschulen sind tragende Säulen, dass alle Kinder gut vorbereitet starten. Ich setze mich ein für ausreichend und bestens qualifizierte Fachkräfte.    

Klara Sanwald (FDP): Ganz klar ist: Es darf kein Kind ohne ausreichende Sprachkenntnisse eingeschult werden. Damit ist weder dem Kind, noch den Mitschülern geholfen. Sprachkompetenz ist der Schlüssel für Bildungserfolg. Deshalb setzen wir auf frühzeitige, verpflichtende Sprachstandserhebungen und eine gezielte Förderung noch vor der Einschulung. Sprachförderung muss dort stattfinden, wo Defizite erkannt werden: individuell, praxisnah und ohne Stigmatisierung. Früh fördern heißt späteres Aufholen vermeiden

Dr. Jürgen Müller (AfD): Für Kinder deren Muttersprache nicht Deutsch ist, müssen Sonderklassen eingerichtet werden. Die Eingliederung in die Regelklassen kann erst erfolgen, wenn sich ausreichendes Sprachniveau angeeignet wurde. Dies wird auch den Arbeitsbedingungen der Lehrer Rechnung tragen.

Daniel Rolfs (Linke): Wir setzen uns für frühzeitige Sprachförderung mit mehrsprachiger Unterstützung ein. Bereits in der Kita soll der Sprachunterricht ausgebaut werden, auch aber später in Hort und Schulen. Für Geflüchtete soll kostenloser Zugang für Sprach- und Integrationskurse bestehen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Kinder, die das Schulalter erreicht haben, aber noch nicht die notwendigen Sprachkenntnisse besitzen, sollten ein Schuljahr für intensive Sprachförderung erhalten. Das gilt auch für ältere Kinder oder junge Erwachsene, die einen Ausbildungsberuf erlernen wollen.

Maurice Chesauan (BSW): Wir fordern als BSW verpflichtende Sprachförderung für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen vor Schuleintritt, die verbunden wird mit einem vorbereitenden Vorschuljahr in Kooperation mit Bildungsträgern und Fachkräften.

Die Heidenheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Clara Resch geht 2026 als Kandidatin für das Direktmandat ins Rennen. Foto: Elias Blumenzwerg

Welche Rolle spielt die inklusive Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in Ihrer Bildungspolitik?

Andreas Stoch (SPD): Inklusion ist ein Menschenrecht. In meiner Amtszeit als Kultusminister habe ich sie im Schulgesetz verankert. Die Familien sollen aber selbst zwischen Regelschule oder SBBZ entscheiden können. Ausreichend Ressourcen müssen bereitgestellt werden, insbesondere ausreichend sonderpädagogisches Personal.  

Clara Resch (Grüne): Inklusive Beschulung ist ein zentraler Bestandteil der Bildungspolitik. Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sollen wohnortnah lernen können, mit den nötigen Unterstützungsangeboten, Barrierefreiheit und multiprofessionellen Teams, damit Teilhabe und Chancengleichheit gelingen.

Michael Kolb (CDU): Inklusive Bildung ist uns wichtig: Kinder mit Behinderung sollen gemeinsam lernen, unterstützt durch individuelle Förderkonzepte und qualifiziertes Personal. So stärken wir Integration und Chancengleichheit bei uns im Landkreis Heidenheim.         

Klara Sanwald (FDP): Inklusion gelingt nur mit realistischen Voraussetzungen. Wir stehen für Wahlfreiheit zwischen inklusiver Beschulung und spezialisierten Förderangeboten. Sonderpädagogische Einrichtungen leisten unverzichtbare Arbeit und müssen personell wie strukturell gestärkt werden. Inklusion darf kein Sparmodell sein, sondern muss sich am Kindeswohl orientieren.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Inklusion mit Augenmaß: Führt sie zu einer Über- oder Unterforderung, ist keinem gedient. Weder den Kindern noch der Gesellschaft. Das leistungsbasierte dreigliedrige Schulsystem hat sich über Jahrzehnte bewährt. Förderung in spezialisierten Sonderschulen ist oftmals effektiver.

Daniel Rolfs (Linke): Inklusion ist bei uns ein Grundprinzip, kein Sonderthema. Es sollen professionelle Inklusionsfachkräfte ausgebildet werden, die darauf geschult sind, Kinder schon von klein auf zu unterstützen. Langfristig soll jede Kita und jede Schule zumindest Zugang zu diesen Fachkräften haben.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Die Bildungsmöglichkeiten mit Förderschulen und differenzierte Fördermöglichkeiten für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind in den letzten Jahren gut entwickelt worden. Der gesamte Bildungssektor braucht allerdings mehr Unterstützung von der Landespolitik.

Maurice Chesauan (BSW): Eine sehr große Rolle! Wir müssen Inklusion flächendeckend in Baden-Württemberg umsetzen. Dies erfordert den Einsatz von professionellen Inklusionsfachkräften und eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung aller Einrichtungen, bei Erhaltung der sonder- und heilpädagogischen Angebote für schwer- und mehrfach behinderter Kinder.

Maurice Chesauan ist Direktkandidat des BSW im Wahlkreis Heidenheim. Foto: Trinkhaus Fotografie

Worauf sollte in Kita und Grundschule besonders Wert gelegt werden?

Andreas Stoch (SPD): Gerade in diesem Alter sind die Sprache, aber auch die Vermittlung sozialer Kompetenzen wichtig und Voraussetzung für einen weiteren erfolgreichen Bildungsweg.

Clara Resch (Grüne): In Kita und Grundschule sollte besonders Wert auf frühe Sprachförderung, soziale und emotionale Entwicklung, inklusive Bildung, verlässliche Betreuung sowie gute pädagogische Qualität durch ausreichend Fachkräfte gelegt werden. So werden gleiche Startchancen für alle Kinder gesichert.

Michael Kolb (CDU): Besonders wichtig sind Lesen, Schreiben, Mathematik, soziale Kompetenz und digitale Grundfähigkeiten. Dies legt die Basis für erfolgreiches Lernen und persönliche Entwicklung.

Klara Sanwald (FDP): In den ersten Bildungsjahren geht es um Grundlagen: Sprache, soziale Kompetenzen, Neugier, Konzentrationsfähigkeit und Freude am Lernen. Kitas und Grundschulen sollen Bildungsorte sein, keine Verwahrstätten. Dafür brauchen sie gut ausgebildetes Personal, verlässliche Strukturen und pädagogische Konzepte, die jedes Kind individuell fördern.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Zentral sind die Sprachbeherrschung und das Erlernen von Grundwerten. Die Grundschule muss sich wieder auf ihr Kernziel konzentrieren: die sichere Beherrschung von Lesen, Schreiben und Rechnen. Ohne dieses Fundament ist jede weitere Bildung zum Scheitern verurteilt. Leistung braucht Maßstäbe.

Daniel Rolfs (Linke): Vor allem die Kita muss garantierte Plätze bieten und kostenlos sein. Allen Kinder soll das Recht auf gesundes Essen gewährt werden. Allgemein muss Bildung inklusiv, demokratisch und demokratiebildend sein und darf nicht von Herkunft der Familie, Einkommen der Familie und Wohnort abhängig sein.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Ganzheitliche spielerische Förderung in der Kita bildet die Grundlage für eine gute Entwicklung und somit einen guten Einstieg in die Grundschule, wobei die Individualität jedes Kindes berücksichtigt werden soll. In der Grundschule soll dieser Weg in den einzelnen Fächern weitergeführt werden.

Maurice Chesauan (BSW): In Kitas muss besonders darauf geachtet werden, dass alle Kinder die deutsche Sprache beherrschen, um in der Schule nicht abgehängt zu werden. In der Grundschule setzen wir vor allem auf die Mindeststandards von Lesen, Rechnen und Schreiben. Außerdem sollen Smartphones und Tablets bis zur 4. Klasse verboten werden.

Petra Hackl tritt für das Bündnis Deutschland im Wahlkreis Heidenheim an. Foto: Fröscher

Wie können gesellschaftlicher Zusammenhalt und Wertevermittlung stärker zum Bildungsthema werden und auch in die Familien hineinwirken?

Andreas Stoch (SPD): Neben dem Religionsunterricht soll auch Ethikunterricht schon in der Grundschule angeboten werden. Demokratiebildung und Wertevermittlung soll fächerübergreifend Bestandteil des Lehrplans sein. Flächendeckend ausgebaute Familienzentren sollen durch niedrigschwellige Angebote die Familien erreichen.

Clara Resch (Grüne): Durch frühe Bildung, gelebte Demokratie, Inklusion und soziale Bildung in Kita und Schule. Enge Zusammenarbeit mit Eltern, gute Sprachförderung und Bildungseinrichtungen als Orte des Miteinanders sorgen dafür, dass Werte vermittelt und in Familien weitergetragen werden.

Michael Kolb (CDU): Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird durch verbindliche Wertebildung in Kitas und Schulen gestärkt: Demokratie-, Medien- und Respektbildung, Kooperation mit Vereinen und Ehrenamt. Elternarbeit, Sprachförderung und frühe Bildung Familien aktiv einbeziehen.         

Klara Sanwald (FDP): Schule kann Werte nicht ersetzen, aber sie kann sie vermitteln und erlebbar machen. Respekt, Verantwortung, Meinungsfreiheit und demokratische Grundhaltungen gehören fest in den Bildungsalltag. Bildungseinrichtungen sollten eng mit Eltern, Vereinen und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um Werte nicht nur zu lehren, sondern vorzuleben.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Art. 6 GG schützt die Familie; Kindererziehung ist primär Elternrecht, nicht Staatsaufgabe. Wertevermittlung in der Schule darf keine Bevormundung sein, sondern muss durch Vorbild und klare Regeln Tugenden wie Respekt und Disziplin fördern. Die Schule unterstützt die Familie, sie ersetzt sie nicht.

Daniel Rolfs (Linke): Durch enge Kooperation von Schule und Elternhaus, z.B. gemeinsame Werteprojekte, Elternworkshops und demokratische Aushandlungsprozesse im Unterricht. Lehrkräfte und Eltern wirken als Vorbilder. Die Familienbildung unterstützt Eltern gezielt bei der Werteerziehung. Werte müssen gelebt werden.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Die Vermittlung von Respekt, Empathie und Toleranz beginnt im Elternhaus, dann im Kindergarten und wird in den Schulen fortgeführt. Dabei ist die Akzeptanz unterschiedlicher Meinungen ein wichtiger Schritt für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Wertevermittlung.

Maurice Chesauan (BSW): Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht durch klare gemeinsame Werte, echte Integration, kritische politische Bildung ohne Moralismus und gleiche Chancen unabhängig vom Elternhaus. Die Eltern tragen zudem eine große Verantwortung zur Wertevermittlung.

Michael Kolb will für die CDU im Wahlkreis Heidenheim in den Landtag einziehen. Foto: Ingrid Hertfelder

Wann und wie sollen Finanzbildung, Gesundheits- und Ernährungsbildung, Medien- und Wirtschaftskompetenz verbindlich in die Lehrpläne aufgenommen werden?

Andreas Stoch (SPD): Diese Themen stehen größtenteils bereits als fächerübergreifende Leitperspektiven im Bildungsplan aller Schulen. Als Kultusminister habe ich das Fach Wirtschaft und Berufsorientierung eingeführt. Medienkompetenz wird im neuen Fach Informatik und Medienbildung unterrichtet.

Clara Resch (Grüne): Bildung sollte stärker auf Alltags- und Zukunftskompetenzen ausgerichtet werden. Ich verstehe Schule als einen Ort, an dem Medienkompetenz, wirtschaftliches Verständnis, gesellschaftliche Teilhabe und verantwortungsvolles Handeln vermittelt werden.

Michael Kolb (CDU): Diese Themen sollen schrittweise verbindlich in die Lehrpläne ab der Sekundarstufe aufgenommen werden, um praxisnah auf das Leben vorzubereiten. Ich setze mich dafür ein, dass Projekte mit der regionalen Wirtschaft und unseren Betrieben praxisnah und altersgerecht in den Schulen umgesetzt werden.       

Klara Sanwald (FDP): Diese Kompetenzen müssen altersgerecht und verbindlich in den Lehrplänen verankert werden. Nicht als Zusatz, sondern als Bestandteil schulischer Allgemeinbildung. Finanzielle Grundbildung, Gesundheitswissen, Medien- und Wirtschaftskompetenz bereiten junge Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben vor. Praxisnahe Projekte und Kooperationen mit externen Partnern spielen dabei eine zentrale Rolle. 

Dr. Jürgen Müller (AfD): Bei Bildungsexperten, Lehrkräften und Verbänden herrscht Konsens, dass die Lehrpläne bereits heute massiv überfrachtet sind. Die oben genannten Kompetenzen könnten Stoff in den weiterführenden Schulen und den Berufsschulen sein, wo sie in bereits bestehende Fächer integriert werden können.

Daniel Rolfs (Linke): Der Beginn, sowie die Tiefe, müssen gemeinsam mit der Wissenschaft anhand der kognitiven Fähigkeiten der Kinder festgelegt werden. Gesundheits- und Ernährungsbildung ist schon sehr früh relevant, Medienkompetenz spätestens mit Beginn der Pubertät.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Auch bei diesen Themen ist das Elternhaus sehr wichtig. Gesundheit und Ernährung sind in der Grundschule präsent, Medienkompetenz sollte in der Grundschule zum besseren Verständnis mehr vermittelt werden und in den weiterführenden Schulen noch stärker in den Bildungsplan aufgenommen werden, ebenso wie Finanzen und Wirtschaft.

Maurice Chesauan (BSW): Gerade ich als Bankkaufmann weiß, wie wichtig eine solide Finanzbildung ist. Ich möchte mich auf alle Fälle dafür einsetzen Finanzbildung, Gesundheits- und Ernährungsbildung, Medien- und Wirtschaftskompetenz in die Lehrpläne aufzunehmen im Landtag.

Wie können Kinder und Jugendliche im Umgang mit KI, Deepfakes und digitalen Medien geschult werden?

Andreas Stoch (SPD): Mit dem neuen Fach Informatik und Medienbildung sollen alle Schülerinnen und Schüler an den allgemeinbildenden Schularten unterstützt werden, sicher, verantwortungsvoll und selbstbestimmt mit den digitalen Medien und KI umzugehen und diese sinnvoll nutzen zu können.

Clara Resch (Grüne): Durch verbindliche Medienbildung in Schule und früher Bildung, gezielte Förderung von Medienkompetenz, Aufklärung über Risiken digitaler Inhalte sowie durch die Begleitung von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit sozialen Medien und neuen Technologien. Schulen sollen dabei Eltern aktiv einbinden.

Michael Kolb (CDU): Schulische Workshops, Medienkompetenzkurse und Projektarbeit sollen Schüler im Landkreis auf den sicheren Umgang mit KI, Deepfakes und digitalen Medien vorbereiten. Mit Schulungen, Lehrkräftefortbildung und Partnern wie Polizei und Medienzentren machen wir digitale Kompetenz alltagsnah und sicher.              

Klara Sanwald (FDP): Digitale Bildung heißt mehr als Geräte anzuschaffen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, Inhalte kritisch zu hinterfragen, Quellen zu prüfen und Technologien verantwortungsvoll zu nutzen. Medienkompetenz, KI-Grundlagen und der Umgang mit Desinformation gehören verbindlich in den Unterricht. Dafür braucht es fortgebildete Lehrkräfte und moderne didaktische Konzepte.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Die künstliche Intelligenz wird unser Leben und unsere Wirtschaft revolutionieren und zu den Basisinnovationen des nächsten Kondratjew-Zyklus führen. Der konstruktive Umgang mit dieser Technologie wird in Zukunft entscheiden sein. Eine negative, ideologisierte Herangehensweise ist kontraproduktiv.

Daniel Rolfs (Linke): Es muss Unterricht zur Medienkompetenz in den Bildungseinrichtungen geben und dieser muss für alle bereitgestellt werden. Des Weiteren sollen dies ebenfalls verstärkt über öffentlich-rechtliche Sender und demokratische Behörden sichergestellt werden.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Hier sind als erstes die Eltern gefordert. Unsere Lehrkräfte an den Schulen sollten für die Herausforderung gut geschult werden, so dass das Wissen an unsere Kinder und Jugendlichen kompetent weitergegeben werden kann.

Maurice Chesauan (BSW): Kinder und Jugendliche sollten von früh auf gerade im Umgang mit digitalen Medien geschult werden, um Gefahren zu erkennen. So kann die Medienkompetenz im Unterricht entwickelt werden, um Kinder und Jugendliche zu schützen.

Welche Maßnahmen sind erforderlich um das Bildungsniveau, besonders bei Schulabgänger aller Schularten, deutlich zu verbessern?

Andreas Stoch (SPD): Immer noch verlassen viel zu viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Wir brauchen eine engere Begleitung und gezielte individuelle Förderung, möglichst frühzeitig am Berufswunsch orientiert. Eine rhythmisierte Ganztagsschule kann hier helfen, die Potentiale der Schüler besser zu erschließen.   

Clara Resch (Grüne): Das Bildungsniveau soll durch frühe Sprachförderung, starke Kitas und Grundschulen, mehr individuelle Förderung, ausreichend Fachkräfte, inklusive Bildung sowie gezielte Übergangsbegleitung von Schule in Ausbildung oder Studium verbessert werden. Ziel ist, dass alle Schulabgänger besser vorbereitet starten.

Michael Kolb (CDU): Eine Anhebung des Bildungsniveaus erreichen wir u.a. durch die Vermittlung von gezielter Handlungskompetenz. Wir stärken Schulsozialarbeit, Ganztag und Kooperationen mit Betrieben, damit alle Schulabgänger fit für Ausbildung oder Studium sind. 

Klara Sanwald (FDP): Ein höheres Bildungsniveau erreichen wir durch klare Leistungsanforderungen - nicht durch Absenken dieser, individuelle Förderung und einen durchgängigen Bildungsweg von der frühen Kindheit bis zum Schulabschluss. Schulen brauchen mehr Autonomie, verlässliche Ressourcen und eine stärkere Orientierung an Kompetenzen. Bildungspolitik darf nicht ideologisch, sondern muss wirksam sein mit dem Ziel, dass alle Schulabgängerinnen und Schulabgänger echte Zukunftschancen haben.  

Dr. Jürgen Müller (AfD): Bildung braucht Qualität: Wir fordern G9 und die verbindliche Grundschulempfehlung durch Lehrer. Das Gymnasium muss wieder zur Eliteschule für Studierfähige werden (Abiturquote ca. 20 %). Nur durch das Leistungsprinzip und Fokus auf Grundfertigkeiten sichern wir dauerhaft das Bildungsniveau.

Daniel Rolfs (Linke): In erster Linie braucht die Bildung eine solide Finanzierung, um Unterricht durch Fachkräfte konsequent sicherzustellen. Die Schulform muss auf eine Art umgestellt werden, die besser auf alle Kinder zugeschnitten ist.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Wir brauchen homogenere und kleinere Klassen. Das heißt, dass wir bei der Sprachkompetenz ansetzen, bei einer verbindlichen Grundschulempfehlung für alle Schularten weitermachen und somit Potenziale besser fördern können. Wir brauchen mehr Lehrkräfte; unsere Kinder verdienen Bildung mit möglichst keinen Unterrichtsausfällen.

Maurice Chesauan (BSW): Einheitliche Lehrpläne und Prüfungen, um Bildung auf gleicher Ebene in jedem Bundesland zu gewährleisten. Gut ausgebildete Lehrkräfte und kleinere Schulklassen für individuelle Förderungen der Schülerinnen.