Märktle im Dorf

Einkaufen in Hürben: Wie steht es um die Grundversorgung, seit es keinen Laden mehr gibt?

Weil es seit über einem halben Jahr in Hürben keinen Laden mehr gibt, entstand auf Initiative von Karin Häußler ein kleiner Wochenmarkt, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut.

Was die Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten im eigenen Ort betrifft, haben die Hürbenerinnen und Hürbener wahrlich schon bessere Zeiten erlebt. Vier Lebensmittelläden, zwei Bäckereien, einen Metzger, drei Schmiede, einen Küfner und stattliche sieben Gasthäuser habe es in dem Giengener Teilort mal gegeben, erinnern sich die Alteingesessenen.

Von dem einst so üppigen Angebot ist nicht mehr viel übrig. Selbst Post und Bank sucht man in Hürben vergebens, und seit am Pfingstsamstag vergangenen Jahres der Dorfladen mit Bäckerei und Metzgerei in der Dettinger Straße zugemacht hat, muss man seine täglichen Besorgungen weitgehend außerhalb des Ortes tätigen. Das ist vor allem für ältere und nicht sehr mobile Einwohnerinnen und Einwohner ein Problem.

Bäcker, Metzger und auch Gemüse

Doch seit Kurzem gibt es wieder Licht an der Hürbener Versorgungsfront. Auf Initiative von Karin Häußler ist ein kleiner Wochenmarkt entstanden. Mittwochs zwischen 12.30 Uhr und 13.30 Uhr stehen die Verkaufsmobile der Bäckerei Albbäck und der Metzgerei Heußler in der Hurwinstraße. Am vergangenen Mittwoch war zudem erstmals auch Rolf Schlumpberger mit selbstgezogenem Gemüse aus seinem Biolandhof vertreten.

Den Einkauf kann man gleichzeitig mit einem Besuch im benachbarten Hofladen von Michael Eßlinger kombinieren, wo Eier, Nudeln, diverse Milchprodukte, Wurst, Honig und einiges mehr über mehrere Automaten rund um die Uhr erworben werden können.

Die neugeschaffenen Einkaufsmöglichkeiten erfreuen sich in der Hürbener Bevölkerung zunehmender Beliebtheit. Nicht nur Senioren sind dankbar für die Lebensmittelangebote, auch Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholen, nutzen gerne die Gelegenheit, sich auf dem Nachhauseweg noch schnell mit Essbarem zu versorgen.

Bereicherung fürs Dorf

„Das ist eine super Sache“, schwärmte eine Kundin. „So etwas brauchen wir hier dringend“, ergänzte eine weitere Einkäuferin. Und Landwirt Michael Eßlinger sprach ebenfalls von einer Bereicherung, die dringend Not tut: „Man braucht eine gewisse Grundversorgung. Nähe ist durch nichts zu ersetzen.“

Dass so etwas möglich wurde, ist vor allem Karin Häußler zu verdanken. Nach dem Wegfall des letzten Dorfladens vor gut einem halben Jahr ist die Giengener Stadträtin immer wieder gebeten worden, doch irgendwie Abhilfe zu schaffen. Nachdem zunächst eine Bäckerei mit Verkaufsmobil nach Hürben gekommen war, gelang es ihr, auch die Metzgerei Heußler dazu zu gewinnen.

Dabei benötigte Karin Häußler auch Durchhaltevermögen und einen langen Atem. „Ich habe bestimmt vier Wochen lang herumtelefoniert“, erzählt sie. Die Metzgerei habe sich zunächst wegen fehlender Kapazitäten zurückhalten wollen, dann aber um Weihnachten herum überraschend doch zugesagt.

Bereut hat man diesen Schritt bislang nicht. „Es ist hier ganz gut angelaufen“, bestätigt Verkäuferin Kerstin Lehmann, die mit dem Heußler-Verkaufsmobil während der Woche im ganzen Kreis Heidenheim und darüber hinaus unterwegs ist.

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Erfreulich ist aus Karin Häußlers Sicht auch, dass der ortsansässige Bio-Landwirt Rolf Schlumpberger jetzt auch mit einem Gemüse-Angebot auf den Hürbener Markt kam. Allerdings verfolgt er eine etwas andere Strategie – und wird deshalb nur noch ein paar Mal mit Waren in der Hurwinstraße auftauchen.

Schlumpberger will sein Gemüse direkt zum Verbraucher bringen. Auf einer Sortiments- und Angebotsliste kann man eine entsprechende Bestellung tätigen und direkt an einem Briefkasten auf dem Markt in der Hurwinstraße einwerfen. Freitags wird die Bestellung dann in Hürben direkt in die Häuser geliefert, samstags fährt er auch in die umliegenden Orte.

Dieser konventionelle Weg soll auch eine Hilfestellung sein für ältere Menschen, die nicht so gerne übers Internet bestellen. Schlumpberger versorgt mit seinem Lieferservice bereits rund 50 Kundinnen und Kunden. Manche von ihnen bestellen jede Woche ihr „Gemüsekistle“, andere sind nur alle acht Wochen dabei.

Was fehlt noch?

Für Karin Häußler wäre es schön, wenn vielleicht noch ein Anbieter den Markt bereichern würde, bei dem es frisches Obst oder auch Blumen zu kaufen gibt.

Unabhängig von solchen möglichen Erweiterungen zeichnet sich aber auch schon ein kleiner Nebeneffekt des Marktes ab. „Es ist auch schön, sich hier mit anderen Menschen vom Dorf zu treffen und sich ein bisschen zu unterhalten“, meinte eine Kundin auf dem Wochenmarkt.

Diesen gesellschaftlichen Aspekt will man vor allem in der warmen Jahreszeit gerne mit einer einfachen Maßnahme unterstützen. „Es gibt die Idee, eine Bank aufzustellen. Da kann man sich dann zu einem Schwätzchen niederlassen“, so Karin Häußler.