Mit einem dicken Augenzwinkern bezeichnen sich Michael Kneule (Gesang), Christoph Leipold (Gitarre, Gesang), Robert Bangrazi (Schlagzeug) und Jens Hartmann (Orgel) von „Red Hot N Blues“ gerne als unterbewertetste Bluesband der Welt. Es scheint so, als würden sie diesen Nimbus langsam, aber sicher einbüßen – bei „Halb 8 – In Giengen spielt die Musik“ wollten am Donnerstag, 13. August, knapp 800 Zuhörerinnen und Zuhörer bei schweißtreibenden äußeren Bedingungen mitfeiern. An Bord hatten die Herrschaften Songs aus ihrem 2023 veröffentlichten Album „Delightful Nights“ und dem voraussichtlich zum Jahresende erhältlichen zweiten Werk „Low Performer“.
Blues als Lebensgefühl
Zwei wichtige Aspekte sollte man von der 2019 gegründeten Combo wissen: Sie komponieren ihre eigenen Songs und haben keine Plattenfirma im Hintergrund. Bedeutet: Alle Aufgaben, Kosten und auch Risiken trägt die Band selbst, unterliegt allerdings auch keinen Zwängen und Vorgaben der Musikindustrie. Entsprechend lassen die Musiker ihren (Blues-)Gefühlen freien Lauf und machen genau das, worauf sie Lust haben. Damit unterscheiden sie sich signifikant in ihrer Ausrichtung von den zahllosen Bluesrock-Coverbands, was insbesondere in der zweiten Hälfte des abwechslungsreichen Sets und mit dem Fokus auf „Low Performer“ zur Geltung kam.
Die Combo startete mit dem Titel „Fish In The Water“ ihres Debüts „Delightful Nights“, um gelungene Titel wie „Automatic“, „Boneshaker“ oder „She’s Gone“ folgen zu lassen. Michael Kneule und Christoph Leipold wechselten sich im Leadgesang immer wieder ab und harmonierten dabei mit ihrer unterschiedlichen stimmlichen Ausrichtung.

Obwohl die Band inzwischen ihre Setlist vollständig aus eigenen Titeln zusammenstellen könnte, wollte sie auf Coverversionen nicht ganz verzichten: Von Popa Chubby, einem US-amerikanischen Blues-Gitarristen und Sänger, wurde der Track „Same Old Blues“ intoniert. Ein Song über Liebeskummer und triste Melancholie, der 1995 erstmals veröffentlicht wurde und musikalisch durch sein intensives Gitarrenspiel gekennzeichnet ist. Dem stand der Depeche-Mode-Klassiker „Personal Jesus“ in nichts nach, welcher mit bandeigenen Arrangements zu einem späteren Zeitpunkt kredenzt wurde.
Vorfreude aufs neue Album
Nach der notwendigen „Hydration Break“ wurde der Fokus auf „Low Performer“ gelegt und die Zuhörerinnen und Zuhörer merkten schnell: Hier gibt es keinerlei musikalische Barrieren mehr. „Soul Addicted Part 1 & Part 2“ dürfte hier als Synonym gelten – während der erste Teil mit einem unwiderstehlichen ZZ-Top-Vibe zu gefallen wusste, wurde im zweiten Segment das Tempo merklich gedrosselt, dafür durften sich die talentierten Musiker an ihren Instrumenten austoben. Ein Song, der es wahrlich in sich hat.
In eine ähnliche Kerbe schlug „It Ain’t Easy“ – ein Titel, der von einem mächtigen Groove durchzogen wird und zeigt, dass sich „Red Hot N Blues“ stilsicher auch in genreübergreifenden Territorien wohlfühlt. Musikalische Elemente aus den Bereichen Jazz, Rock ’n’ Roll oder auch ein Hauch von Fusion sind alles andere als Fremdwörter für die vier Künstler. Nun ja, genau genommen waren es deren fünf, doch die im Backgroundgesang agierende Schaufensterpuppe „Stiff“ blieb an diesem Abend merkwürdig stumm und zurückhaltend.
Bluesrock lebt, hat eine ungemein treue Fangemeinde und „Red Hot N Blues“ sind fraglos ein mehr als beachtenswerter Teil dieser Community – ihr Auftritt in Giengen jedenfalls wusste zu überzeugen. Der Wunsch ihrer Fangemeinde, die CD „Low Performer“ auf dem diesjährigen weihnachtlichen Gabentisch vorzufinden, dürfte mit dem starken Auftritt sicherlich nicht kleiner geworden sein.
Nächste Woche kommt „Cold Shot“
Die musikalische Reise bei „Halb 8 – in Giengen spielt die Musik“ geht weiter: Am kommenden Donnerstag, 20. August, wird die Coverband „Cold Shot“ alles raushauen, was sich zwischen A wie AC/DC und Z wie ZZ Top bewegt. Startschuss ist um 19.30 Uhr.
