Die Säulen in der Schranne haben endlich Namen. Also zumindest eine davon, die mittlere an der Bühne. „Harald“ heißt sie, und getauft wurde sie am Freitagabend von Stefan Tolnai, einem der Musical-Stars, die in der ausverkauften Schranne ihr „Best of“ präsentierten. Für Stefan Tolnai, Organisator und Veranstalter des Abends, der gerade in seiner Rolle als Oaken in der „Eiskönigin“ die Derniere hinter sich gebracht hatte, war es ein Heimspiel: Schließlich stammt Tolnai aus Giengen. Damit dürften im Publikum einige seiner Freunde und Weggefährten zu finden gewesen sein.

Und auf der Bühne fanden sich Tolnais neue Freunde: allesamt namhafte Musical-Stars, denen er im Laufe seiner Karriere begegnet ist. Und sie, auf den großen Musical-Bühnen zu Hause und nun bei ihrem Debut in Giengen, konnten beeindruckende Rollen vorweisen: Ethan Freeman war schon das Phantom der Oper, Ann Sophie die Eiskönigin, Anja Wendzel hat als Sara schon mit Vampiren getanzt, Lucy Scherer hat als Glinda in „Wicked“ gehext, und zu ihnen gesellte sich Steffen Vogel, der Heidenheimer und das große Talent aus der Talentschmiede Tolnais, der sehr gut mit den Profis mithielt.

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Viel Emotion und Tiefe
Zusammen boten sie in immer wieder neuen Formationen, zu zweit, zu dritt und natürlich auch solo, Melodien aus den angesagten Musicals, von „Ich war noch niemals in New York“ bis zu „Hinterm Horizont“, von „Elisabeth“ zu „Mozart“, vom „König der Löwen“ bis zum „Glöckner von Notre Dame“. Damit verwandelten sie die Bühne mühelos und von der ersten Minute an in jene „schillernde Musical-Arena“, die Oberbürgermeister Dieter Henle mit erkennbarem Stolz auf Location und Heimgewächs Tolnai gleichermaßen versprochen hatte.
Besonders berührende Momente steckten in Ethan Freemans „Musik der Nacht“, die er, der so eine kraftvolle und voluminöse Stimme hat, ganz gefühlvoll und beinahe schon zärtlich präsentierte, und in „Shallow“, mit dem Ethan Freeman und Ann Sophie auf den Spuren von Bradley Cooper und Lady Gaga wandelten und ebenso wie diese viel Emotion und viel Tiefe vermittelten.

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Gesang, Spiel und Stimmen pur
Apropos Ann Sophie: Sie ist ja nicht nur Musicaldarstellerin, sondern auch Singer-Songwriterin und sie hatte mit ihrem „April“ eine Kostprobe ihres eigenen Schaffens dabei, und sowohl Song als auch ihr Vortrag mit ihrer so warmen und so süchtig machenden Stimme überzeugten gleichermaßen. Lucy Scherer unternahm unter anderem mit „Die Welt, die ich nie sah“ einen Ausflug zu „Sister Act“ und Anja Wendzel hatte unter anderem „Out here on my own“ aus „Fame“ parat. Und von Beginn an, dem von Stefan Tolnai und Steffen Vogel heiter gespielten und gekonnt gesungenen „ehrenwerten Haus“, hatte das Ensemble das Publikum auf seiner Seite.
Dabei wurde vom Ensemble kein großer Aufwand betrieben, und das ist durchaus positiv gemeint. Keine Kostümschlacht, keine aufwendigen Requisiten. Gesang, Spiel und Stimmen waren ganz pur zu genießen. Der ganze Abend hatte den lässigen Charme des Improvisierten, des Heimeligen, Freundschaftlichen, und diese Lässigkeit ist nur möglich, wenn man richtig was an Können vorzuweisen hat. Und das können alle Darstellenden für sich beanspruchen. Hinzu kamen ganz besondere Lichtstimmungen, die für geradezu impressionistische Hintergründe sorgten.

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Plaudereien unter Freunden
Und dieses Lässige strahlte auf das Publikum ab und erreichte mühelos dessen Herzen. Ein Beispiel? Bitte: Die „Totale Finsternis“ aus „Tanz der Vampire“ sollte nach der Pause den zweiten Teil eröffnen mit den schönen Eingangsworten „Sei bereit“ von Graf von Krolock. Und bereit war Janis Pfeifer am Flügel, der sehr ausdauernd die Anfangstakte spielte, bereit war Lucy Scherer, die mit der nötigen Dramatik die Bühne betrat, fehlte also nur noch er, Graf von Krolock, dessen Darsteller Stefan Tolnai offenbar selbst noch ein „Sei bereit“ gebraucht hätte – er hatte schlicht seinen Auftritt verpasst. Schlimm? Gar nicht. Das Publikum ergötzte sich gerade an diesen Momenten wie auch an den Plaudereien unter Freunden in den Moderationen.

