Es ist eine Klarheit, wie sie für einen Sportverein wohl angemessen und natürlich ist: „Bewegt euern Arsch, kommt aus dem Quark!“, sagt Fabian Steinmetz, Vorstandsmitglied des RSV Hohenmemmingen. Der Satz markiert den Schluss eines Videos, das der Verein aufgenommen hat, um für das Ehrenamt zu werben. Es sei ihm wichtig gewesen, seine Aussage unverblümt, aber ohne Zorn zu treffen, sagt Steinmetz im Gespräch mit der HZ. In dem Filmchen fügt er an: „Das Ehrenamt wird es euch danken.“
Der gut zwei Minuten lange Beitrag, der auf der vereinseigenen Webseite und auf Youtube zu sehen ist, beginnt mit Drohnenaufnahmen des Vereinsgeländes auf dem Schelmenberg, zeigt die RSV-Fußballer im Spiel, bevor sich nach und nach Mitglieder zu Wort melden, um ihre Sicht aufs Ehrenamt mitzuteilen: „Es macht Spaß, immer was Neues auszuprobieren“, sagt beispielsweise Lieselotte Banzhaf, Kursleiterin für Breitensport beim RSV. „Wir sollten gemeinsam etwas auf die Beine stellen“, fügt Vorstandsmitglied Andreas Prchal hinzu und zeigt das RSV-Logo, das er sich auf den Arm hat tätowieren lassen. Andere engagierte Mitglieder wie Bernd und Patrick Schlieper berichten, wie der Einsatz für den Verein von Generation zu Generation weitergetragen wird.
Videoclip als Denkanstoß
„Wir haben noch keine Not“, betont Steinmetz. Bislang sei es immer gelungen, alle Posten im Hauptverein zu besetzen. Insofern ist das Video, das der RSV über Youtube und die eigene Webseite veröffentlicht hat, noch kein Hilfeschrei, sondern eher strategisch angelegt. Denn die Erfahrung zeige, dass immer wieder auch Lücken entstehen können: Jemand zieht weg, hat aus familiären Gründen keine Zeit mehr oder – auch das kann passieren – die Lust am Ehrenamt verloren.

Der RSV hat derzeit rund 560 Mitglieder, tatsächlich engagiert seien davon etwa ein Zehntel, sagt Steinmetz. „Das ist kein Vorwurf, manche wollen auch einfach nur Sport treiben.“ Wichtig sei zu verstehen, dass Engagement schon ganz klein anfange. „Eine Kuchenspende für eine Veranstaltung genügt oft schon“, sagt er.
Der RSV-Vorstand will den kurzen Clip als Denkanstoß verstanden wissen. Die Mitglieder sollten erfahren, wie sie etwas beitragen könnten. „Es reicht ja, sich ein paar Stunden einzubringen, davon lebt ein Verein“, sagt Steinmetz. Ganz abgesehen von den persönlichen Effekten: „Man erweitert auf jeden Fall sein Blickfeld.“ Im Ehrenamt könne man viel lernen, von der Organisation von Festen bis hin zur Teamführung.
Applaus auch von anderen Vereinen
Die Hohenmemminger Vorstandsmitglieder sind freilich weit davon entfernt, ihren Online-Aufruf als Patentlösung zu sehen. Überdies sei der Mangel an ehrenamtlich Aktiven noch ein vergleichsweise junges Phänomen. Vereine hatten noch vor wenigen Jahrzehnten einen höheren Stellenwert, es war üblich, sich vor Ort ins Vereinsleben einzubringen. In praktisch jedem Ort wuchsen Vereinsheime aus dem Boden, die zum größten Teil in der Freizeit und in Eigenleistung gebaut wurden. „Den älteren Mitgliedern tut es heute im Herzen weh, wenn sich niemand zum Arbeitsdienst findet“, so Steinmetz.
Die Reaktionen auf das Werbevideo seien durch die Bank positiv gewesen. Jetzt müsse man abwarten, was sich aus der Zustimmung entwickle. Beifall gab es in sozialen Medien auch von anderen Vereinen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
RSV ist mehr als 100 Jahre alt
RSV steht für Rad- und Sportverein. Tatsächlich wurde der Verein 1922 zunächst als Radsportverein gegründet. Weitere Sportarten kamen über die Jahrzehnte hinzu, während das Radfahren ins Hintertreffen geriet. Anfang der 1970er-Jahre wurde das Vereinsheim auf dem Schelmenberg gebaut, der Sportplatz entstand ein paar Jahre früher. Reichweite über den Verein hinaus erzeugt der RSV mit seinem beliebten Weinfest, das dieses Jahr im September wieder stattfinden wird. 2025 wurde zudem erstmals das Biergarten- und Blasmusikfest „Blasen auf’m Schelme“ veranstaltet, das künftig im Wechsel mit dem Weinfest stattfinden könnte.


