Regenjacken, Regenschirme, ein Getümmel unter dem Dach vor dem Tedi: Wesentlich glamouröser hätte das Wetter am Donnerstag zum Rathaussturm sicher ausfallen können. Doch die Stimmung litt darunter kein bisschen. Dicht gedrängt standen Zuschauerinnen und Zuschauer rund um das bunte Treiben, während die Stadtkapelle Giengen den Nachmittag musikalisch eröffnete.

Rathaussturm Giengen 2026
Auf dem Rednerpult prangte groß: "Hurra, hurra, der Pumuckl ist da". Wer nun erwartet hatte, dass Giengens Oberbürgermeister Dieter Henele als rothaariger Kobold aus dem Rathaus springt, wurde enttäuscht: Der OB war nicht von der Partie. An seiner Stelle übernahm Bürgermeister Alexander Fuchs die Schlüsselverteidigung.
Spott, Bauprojekte und Wunden
Im Mittelpunkt der Hexenklage stand ein ganzes Bündel an Kritikpunkten: Zunächst erinnerten die Panscherhexen an den anhaltenden Stillstand beim Johanneshaus, das seit mehr als drei Jahren unverändert zum Stadtbild zählt. Der Termin zur Wiederaufnahme der Bauarbeiten sei geplatzt, und dies trotz Fördermitteln. Die Seniorinnen und Senioren wüssten inzwischen „net so, wo sie bleiben sollen“, erklären die Giengener Panscherhex. Fuchs wies diese Anschuldigung jedoch zurück, mit der Begründung, man habe vielfältige Angebote für Senioren, wie betreutes Wohnen.

Mit einem spitzen Seitenhieb ging es weiter zur Hohenmemminger Hauptstraße: „Gott sei Dank können wir auf Besen fliegen“, kommentierten die Hexen die langwierige Baustelle, bei der nun auch bei der Metzgerei Renner alles aufgerissen wird. Eng verknüpft war damit die Kritik am Sanierungsstau und der Verkehrssituation insgesamt. Kreisverkehr beim Netto oder Umgehung? „Ein wunder Punkt“, meint Roman Holl vom Tiefbauamt. Immerhin bestätigte er, dass der Kreisel am Netto tatsächlich kommen werde.
Auch beim Glasfaserausbau blieb Frust: Eine klare Antwort, warum er weiter auf sich warten lässt, konnte man den Hexen nicht liefern. Und schließlich rückte die Gastronomielage ins Zentrum des Spotts. Zu wenig, zu klein – und der Barfüßer bisher nicht fertig. Ein richtiger Versammlungsort für die Hexengemeinschaft fehle. Bürgermeister Fuchs konterte mit Humor: Ab Spätsommer könne man sich dort etwas zu essen holen, „aber keinen Besensalat“.

Irgendwann meinten die Hexen, dass sie das Stadtoberhaupt nun mit weiteren Meckereien verschonen und sich nehmen, wofür sie gekommen sind. Schließlich wollen sie den Schlüssel und eine Machtübernahme bis Aschermittwoch.
Tänze, Hebefiguren und gute Laune
Den Auftakt im Programm machten im Anschluss die kleinen Tanzhexen der Lombahexa aus Burgberg, die zu „Bibi und Tina“-Songs und dem „Fliegerlied“ tanzten. Sogar die Rathausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter machten bei letzterem Song begeistert mit. Dann folgten die großen Lombahexa, die mit ihrem „Gute-Laune“-Song den Regen förmlich vertrieben und das Publikum mitrissen. Im Anschluss zeigten die Panscherhexen ihre abwechslungsreichen und anspruchsvollen Hebefiguren. Und auch die Kocher-Fetza aus Aalen zeigten, was sie an energiegeladener Guggenmusik bieten können.


