Ehejubiläum

Eiserne Hochzeit: Weshalb die Eheleute Ullrich aus Giengen seit 65 Jahren glücklich zusammen sind

Vor 70 Jahren lernen sich Annelore und Hans-Joachim Ullrich im Urlaub kennen, vor 65 Jahren geben sie sich das Ja-Wort. Das Eheversprechen hält bis heute, sie können auf ein langes, gemeinsames Leben zurückblicken. Wie das Ehepaar es geschafft hat, so lange zusammenzubleiben, und was sie heute noch an ihre erste gemeinsame Wohnung erinnert:

Annelore und Hans-Joachim Ullrich feiern ihre Eiserne Hochzeit: Seit 65 Jahren sind sie verheiratet. Am 19. Mai 1961 gaben sie sich das standesamtliche Ja-Wort, einen Tag später folgte die kirchliche Trauung in Stuttgart. Annelore Ullrich wurde 1934 in Stuttgart geboren, Hans-Joachim Ullrich kam 1936 in Breslau zur Welt. Beide erlebten als Kinder noch den Zweiten Weltkrieg, Bombardierung und den Verlust des Zuhauses. Die Flucht führte Hans-Joachim Ullrich und seine Mutter über Görlitz und Hamburg nach Echterdingen. Annelore sieht heute in der Flucht von Hans-Joachim aus Breslau das einzig Positive an dem unheilvollen Krieg, der dazu führte, dass sie sich gefunden haben, wie sie erzählt. Die aktuellen Kriege und die weltweite Aufrüstung bereiten beiden große Sorgen, wie sie sagen.

Kennengelernt haben sich die Ullrichs im Sommer 1956 während eines Urlaubs in Oberbayern, in dem sie zufällig die gleiche Unterkunft bewohnten. „Die Zeiten waren anders“, erzählen sie. Viel zu schnell endete der 14-tägige Urlaub, mehr Urlaubstage gab es damals noch nicht. Bereits einige Tage später gingen sie in Stuttgart gemeinsam ins Kino. Gezeigt wurde „Caruso“ mit Mario Lanza, daran erinnern sich beide noch.

Am 20. Mai 1961 fand die kirchliche Trauung von Annelore und Hans-Joachim Ulrich in Stuttgart statt. Foto: privat

Schnell stellten sie fest, dass sie nicht nur die Liebe zur Natur und zum Wandern, sondern auch zur klassischen Musik verbindet. Fünf Jahre später beschlossen sie zu heiraten. Eine große Verlobungsfeier gab es nicht, stattdessen reisten sie an die italienische Riviera. Wohnungen in Stuttgart waren auch damals schon teuer. Nach Giengen kamen sie schließlich auf Empfehlung eines damals dort lebenden Verwandten. Mit einem Mietwagen fuhren sie auf die Alb und entschieden sich schnell zu bleiben. „Die Ruhebank auf dem Läutenberg, auf der wir damals diese Entscheidung getroffen haben, steht heute noch“, erzählen die beiden.

Für eine monatliche Miete von 52 Deutschen Mark zog das Ehepaar in eine kleine Dachgeschosswohnung. An eine besondere Zugfahrt nach Giengen erinnern sich beide bis heute gern zurück: Als der Schaffner den Brautstrauß bemerkte, durfte das Brautpaar kostenlos in der ersten Klasse fahren. 1967 erfüllten sich die Ullrichs dann den Traum vom eigenen Reihenhaus, in dem sie bis heute leben. „Als Großstädter haben wir uns beide damals nicht vorstellen können, einmal ein eigenes Haus mit Garten zu besitzen, darauf sind wir immer noch stolz“, sagen sie.

Ihre Cocker-Spaniel-Hündin Gitte zog später bei ihnen ein, mit der sie zahlreiche Wanderungen unternahmen. Auch viele Reisen prägten ihr gemeinsames Leben: Nord-, West- und Ostafrika, die Karibik, Ostasien und ihre Lieblingsinsel Sylt. „Wir haben viel Schönes gesehen und erleben heute die Erinnerungen beim Anschauen unserer Fotoalben noch einmal“, erzählen sie. Auf ihren Reisen hätten sie auch gelernt, vieles in Deutschland mehr zu schätzen. „Es wird viel zu oft gemeckert.“

Eine so lange Ehe als absoluter Glücksfall

Doch auch schwierige Zeiten blieben nicht aus. Nach 16 Jahren verlor Hans-Joachim Ullrich seinen Arbeitsplatz. Später fand er eine neue Stelle im Klinikum Heidenheim, wo er bis zum Ruhestand arbeitete und glücklich war. Annelore Ullrich war bis zu ihrer Rente bei der Firma Ziegler beschäftigt. Gesundheitlich musste sie allerdings einige Rückschläge hinnehmen, wurde im Laufe der Jahre fünfmal an der Hüfte operiert, erfolglos. „Auf die Reise- und Wanderlust folgte so der Rollator-Frust“, sagt sie.

Trotzdem konnten die beiden in ihrem Zuhause bleiben – dank eines Treppenlifts. Besonders gern verbringen sie ihre Abende im obersten Stockwerk ihres Hauses, ihrem „Studio“. „Das erinnert uns an unsere erste gemeinsame Dachgeschosswohnung. Dort fühlen wir uns wohl.“

Anlässlich ihrer Eisernen Hochzeit blicken beide dankbar auf ihr gemeinsames Leben zurück. „Man muss nicht nur den richtigen Partner finden, sondern auch selbst der richtige Partner sein“, sagen sie. „Und man darf beim kleinsten Zwist nicht gleich alles wegschmeißen. In all den Jahren herrscht nicht jeden Tag Friede, Freude, Eierkuchen.“ Dennoch seien die Zeiten heute anders und sie verstünden ihre langen gemeinsamen Jahre als absoluten Glücksfall.