175 Jahre

Diesen Wunsch hat Giengens Musikschul-Chefin Marion Zenker im Jubiläumsjahr

Die städtische Musikschule Giengen kann auf 175 Jahre mit unterschiedlichen Entwicklungen zurückblicken. Die amtierende Leiterin Marion Zenker hat einen speziellen Wunsch zum Jubiläum.

Es war ein üppiges Erbe, das der städtischen Musikschule Giengen gewissermaßen Geburtshilfe leistete: Kammersänger Gustav Hähnle (1782 bis 1850) feierte seine musikalischen Erfolge in Darmstadt, vermachte aber seiner Heimatstadt Giengen sein gesamtes Vermögen. Das war stattlich. Hähnle verband sein Erbe jedoch mit einer Bedingung: Es musste für Schulzwecke ausgegeben werden. Man beschloss, die Stelle eines Musikdirektors einzurichten. Gewählt wurde Christoph Braun aus Biberach, der sein Amt am 1. Juli 1851 antrat.  Dieses Datum gilt als die Geburtsstunde der städtischen Musikschule Giengen – die damit zu den fünf ältesten ihrer Art in Deutschland zählt.

Braun leitete die Institution ein Vierteljahrhundert lang. 1876 verließ er Giengen – weil man ihm trotz der immensen Arbeit, die er geleistet hatte, keine Pension zuerkannte. Brauns Nachfolger Friedrich Ott leitete die Schule von 1877 bis 1883 und hatte es nicht leicht. Er musste sich gar böse Leserbriefe im „Brenztalboten“ gefallen lassen. Dann kam Ferdinand Hartung, der 24 Jahre lang die Stelle bekleidete. Der Musikdirektor unterrichtete als einziger Lehrer 20 Musikschüler und sorgte für rege Konzerttätigkeit.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs – von da an ruhte der Betrieb  und das musikalische Leben in der Stadt – prägte Robert Schilling das Musikgeschehen der Stadt Giengen.

Ankündigung für ein Konzert in der Ära Schilling. Archiv/HZ

1948 begann die Ära von Heribert Beutel: Er entwickelte die Musikschule zeitgemäß weiter. Beutel ist der Vater des Giengener „Lobliedes“, und er führte am Pfingstmontag 1949 das „Offene Liedersingen“ ein. Auch baute er maßgeblich die Orchester- und Ensemblearbeit auf. 1965 zog es ihn nach Waiblingen und es folgte Helmut Pfeifle, der die Einrichtung aber nur fünf Jahre leitete.

Weitaus länger blieb der nächste Musikschulleiter in Giengen: 2001, als das 150-jährige Bestehen der Musikschule gefeiert wurde, wurde Horst Guggenberger nach drei Jahrzehnten verabschiedet und von allen als Glücksfall bezeichnet. Er baute die Ensemblearbeit weiter aus. Mit 25 Lehrkräften, 15 Ensembles und Orchestern sowie vielen Konzertreisen wuchs die Musikschule und ihr Ruf.

Leitete 30 Jahre lang die Musikschule: Horst Guggenberger. HZ/Archiv

Seit 2009 ist ein „Kind“ der Musikschule deren Leiterin: Marion Zenker folgte auf Gerhard Müller. „Ich bin in der Musikschule in Giengen groß geworden, bin mit ihr viel gereist und habe schöne Erinnerungen“, sagt die Leiterin der städtischen Einrichtung rückblickend.

Noch nie so viele Schüler

Im Hier und Jetzt erfährt die Musikschule sehr viel Zuspruch. Nie gab es so viele Schülerinnen und Schüler wie heute. Mehr als 1000 Kleinkinder, Kinder und Erwachsene werden auf unterschiedliche Arten unterrichtet – mal spielerisch, mal als Vorbereitung auf den Musikerberuf. „Wir haben ein sehr gutes Lehrerkollegium, teils kommen die Kollegen von weit her, um hier zu unterrichten. Das spricht für uns“, so Zenker. Die Zahlen im Jubiläumsjahr sind beeindruckend: 28 Lehrkräfte, 29 Unterrichtsfächer, vier Streichorchester, drei Chöre, zwei Blasorchester, acht Ensembles, acht Stipendiaten, Konzerte und zahlreiche Kooperationen können aufgeführt werden.

Einzigartige Arbeit im Land

„Es ist herausfordernd, macht aber sehr viel Spaß“, sagt die Leiterin über die Entwicklung der Einrichtung, die auch schwierige Jahre während der Corona-Pandemie gut verkraftet habe. Man nehme positiv wahr, dass die Musikschule in Giengen eine Vorreiterrolle bei Entwicklungen einnehme. Die Ensemble- und Chorarbeit sei beispielsweise einzigartig in Baden-Württemberg.

Musikalisch hochwertig und stimmungsvoll war das Neujahrskonzert der städtischen Musikschule am Sonntagabend.

Händel, Beethoven und Ritterkampf: Das alles hatte das Neujahrskonzert der städtischen Musikschule Giengen zu bieten

Besser kann das Jahr musikalisch kaum beginnen: Das Neujahrskonzert der städtischen Musikschule bildete nicht nur den Auftakt zum Jubiläumsreigen, sondern hielt auch Überraschungen bereit.
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175 Jahre Musikschule

Ist Zenker im Jubiläumsjahr also wunschlos glücklich? „Wenn ich mir was wünschen dürfte zum 175. Geburtstag, wäre es eine Musikschule, bei der alles unter einem Dach ist“, so Zenker. In früheren Jahren war die Einrichtung am Kirchplatz untergebracht. Unter Oberbürgermeister Gerrit Elser fiel vor mehr als zwölf Jahren die Entscheidung, die städtische Einrichtung vom Domizil am Kirchplatz in Räume des MSG an der Beethovenstraße zu verlagern. Raus aus der Innenstadt also.

Lange war die Musikschule am Kirchplatz zu Hause. Archiv/Thomas Grüninger

Dort ist der Platz beengt – auch weil ursprünglich angedacht war, die Musikschule auf zwei Stockwerken unterzubringen, das Gymnasium nach dem Zuschlag für G9 die obere Etage des Flügels selbst benötigte. Die Raumnot lindern unter anderem Räume in der Bergschule – die auch in den städtischen Überlegungen für eine Unterbringung der kompletten Musikschule eine Rolle spielen. Spruchreif ist hier aber noch nichts.

Das Programm der Musikschule im Jubiläumsjahr

Das ganze Jubiläumsjahr über bietet die städtische Musikschule besondere Programmpunkte: „Wir haben uns viel vorgenommen und hoffen, dass wir alle erreichen“, sagt die Leiterin der Einrichtung. Marion Zenker. Den Auftakt machte das Jubiläumskonzert im Januar.

Herausstechend im Programm ist ein Ehemaligentreffen am 23. Mai in der Hürbetalhalle, bei dem es sich um ein Streichorchesternachtreffen aller Generationen mit vielseitigem Programm handelt. Das große Fest zum Jubiläum findet am Sonntag, 14. Juni, in der Musikschule und der Walter-Schmid-Halle statt. „Wir werden es mit einem Festakt eröffnen. Begrüßung und Grußworte werden von Oberbürgermeister Dieter Henle sowie Vertretern des Verbands der deutschen Musikschulen und ehemaligen Musikschülern erwartet“, so Zenker. Geboten werden ein Tag der offenen Tür, ein Konzertle der Kinder- und Jugendensembles, Auftritte der musikalischen Früherziehung, der Grundschulkooperationen und anderer Gruppen.

Fest eingeplant ist auch ein Galaabend am Samstag, 16. Oktober, in der Walter-Schmid-Halle. Es soll ein Konzert mit dem Salonorchester der Musikschule geben. „Das ist Neuland. So etwas hatten wir noch nie“, sagt die Musikschulleiterin. Auch ein Musical zum Jahresausklang beim Weihnachtskonzert wird eine Premiere sein.