Mit Venedig kann Giengen natürlich nicht mithalten. Und das gilt noch mehr in Bezug auf Hamburg. Denn: Venedig hat ungefähr 400 Brücken, der nordeutsche Stadtstaat gar um die 2500. Die ehemals Freie Reichsstadt kommt immerhin auf 26 Brückenbauwerke – wobei einige natürlich über die Brenz führen.
Egal, ob eine oder mehrere Hundert: In Deutschland unterliegen alle Brücken in Gemeinden einer strengen Überwachung nach DIN 1076, umgangssprachlich „Brücken-TÜV“ genannt, um Sicherheit und Lebensdauer zu gewährleisten. Hauptprüfungen erfolgen alle 6 Jahre durch spezialisierte Ingenieure, oft unterstützt durch Prüftechniken wie Rissmessungen.
Hinweise auf Schäden bei BSH-Brücke
Eine dieser Hauptuntersuchungen hat in Giengen beispielsweise ergeben, dass die damals noch bestehende Brücke über die Bahngleise bei der BSH starke Schäden durch Chlorid aufweist. Sanieren wäre teuer geworden, weshalb das Bauwerk abgerissen wurde. Lange war ein Ersatz geplant. In Anbetracht der Haushaltslage und der damit verbundenen Priorisierung wurde der Neubau aber verworfen.

Darum sind Verbesserungen auf der großen Brücke über die Bahngleise in Giengen nicht einfach
In diesem Jahr steht wieder ein Brücken-Tüv in Giengen an, nachdem zuletzt 2020 der Zustand der Brücken in Augenschein genommen wurde. „Unsere Brücken wurden damals mit Noten zwischen 1,0 und 3,4 bewertet“, sagt Helmut Schönberger vom städtischen Tiefbauamt. Die Zustandsnoten 1 (sehr gut) bis 4 (ungenügend) bilden die Grundlage für die weitere Planung.

In schlechtem Zustand habe sich etwa ein Durchlass – auch sie gehören ab einer bestimmten Größe zu den Bauwerken, die begutachtet werden – beim Aischbach befunden, der von Radlern und Fußgängern benutzt werde. Keine gute Note habe es für eine Brücke an der Brenz beim Johanneshaus gegeben. Sie ist allerdings seit längerer Zeit stillgelegt und nur als Bauwerk erhalten. Acht Brücken sei 2020 ein noch ausreichender Zustand attestiert worden – sie wiesen hauptsächlich kleinere Beton- und Korrosionsschäden oder undichte Fugen auf.
Warten auf Ausschreibung
„Wir haben in den vergangenen Jahren eher weniger saniert“, sagt Schönberger. Man werde jetzt die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten. Zunächst müsse ein Auftrag an eine Firma ausgeschrieben und vergeben werden. Dies soll erfolgen, sobald der Haushaltsplan für das laufende Jahr vom Regierungspräsidium genehmigt worden ist. Ergebnisse erwarte man bis nach der Sommerpause des Gemeinderats. Daran könnte sich, je nach Mängeln, das Erstellen eines Sanierungskonzeptes anschließen.
Im Haushaltsplan sind unter dem Stichwort Gemeindestraßen für 2026 insgesamt 200.000 Euro für Brückensanierungen gemäß der Prüfungsergebnisse eingeplant.
Treppenanlagen werden auch geprüft
Gemeinden müssen als Eigentümer öffentlicher Wege sicherstellen, dass Treppen verkehrssicher sind. Dazu gehört die regelmäßige Kontrolle auf Mängel wie lose Stufen, ungenügende Beleuchtung oder defekte Handläufe. In Giengen und Teilorten gibt es nach Auskunft von Helmut Schönberger vom städtischen Tiefbauamt 90 Treppenanlagen, von denen etwa die Hälfte in einem guten Zustand sei. 20 Prozent seien gar in sehr gutem Zustand.
Prüfungen erfordern auch Stützmauern ab einer Höhe von einem Meter. Von 50 Stützmauern seien, so Schönberger, fünf in einem schlechten Zustand und bedürften einer Mängelbehebung.

